merken
PLUS

Geflügeltes Rückhaltebecken bringt mehr Schutz

Dass die alten Anlagen marode sind und am Kemnitzbach viel geschehen muss, ist lange klar. Jetzt wird‘s konkret.

Von Anja Beutler

Es ist das Bernstädter Großprojekt der kommenden Jahre: Die Stadt will für insgesamt rund zwei Millionen Euro den Hochwasserschutz am Kemnitzbach deutlich verstärken und dabei natürlich auch die Schäden der vergangenen Jahre beseitigen. Durch die Möglichkeiten der Förderung kämen auf die Stadt selbst Kosten von rund 200 000 Euro zu, sagte Bürgermeister Gunter Lange (parteilos). Passieren soll all dies bis Ende 2016. Was genau gebaut werden soll, erklärte Hagen Arndt vom beauftragten Ingenieurbüro IWT in der jüngsten Ratssitzung. Dabei gab es einige neue Erkenntnisse.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Rückhaltebecken Neuer Teich: Tickende Zeitbombe mit 500 Bäumen

Dass dieser Damm eine tickende Zeitbombe ist, haben die Kemnitzer im Juli 2012 zu spüren bekommen – als er zu brechen drohte. Dass dies nicht passiert ist, war ein großes Glück. Denn neusten Berechnungen zufolge, so erklärte Ingenieur Hagen Arndt, hätte es im schlimmsten Fall eine Flutwelle von rund zwei Metern geben können, die sich rasant ausgebreitet hätte. Damit dies nicht passieren kann, soll das Becken nun als erstes saniert und vor allem verstärkt werden. „Aktuell ist der Damm weder stand- noch überflutungssicher“, erklärt Arndt. Ein großes Problem sind die über 500 Bäume, die auf dem Dammkörper stehen und sich inzwischen quasi zu einem Flächennaturdenkmal ausgewachsen haben. Durch die starke Durchwurzelung und die verrottenden Pflanzenteile entstehen Hohlräume und Sickerwege, die Wasser durchlassen und damit den Damm nach und nach zerstören. Deshalb habe man sich inzwischen mit den Fachbehörden im Umweltamt verständigt, dass zumindest auf der Wasserseite des Bauwerkes die Bäume abgeholzt werden und der Flächennaturdenkmal-Status aufgehoben wird. „Wir werden im kommenden Herbst mit den Fällungen beginnen“, sagt Arndt.

Geplant ist, den Damm insgesamt wieder auf eine einheitliche Höhe zu bringen – in all den Jahren ist er an den Enden ein wenig abgeflacht. Außerdem soll das Bauwerk Flügel bekommen, so wie es bereits alte Planungen aus den 1960er vorsahen. „Wir haben diese Idee wieder aufgegriffen“, erklärt der Ingenieur. Nötig ist aufgrund der Bodenbeschaffung auch, den Damm mit Betonpfählen tief zu gründen, denn auf den vorhandenen, lehmhaltigen Schichten aufzubauen, würde Setzungen und Verschiebungen nach sich ziehen. Auch eine Dichtwand muss eingebaut werden. Bei einem Hochwasser soll der Neue Teich dann rund 41 500 Kubikmeter – statt jetzt rund 24 500 – zurückhalten können. Noch spürbarer wird sein, dass in den Kemnitzbach im Ernstfall in der Spitze nicht mehr 2,79 Kubikmeter pro Sekunde abfließen, sondern nur noch 0,4 Kubikmeter. Mit dieser Lösung scheinen sich auch die zuständigen Behörden arrangieren zu können: Erste Vorabstimmungen sind bereits erfolgt. Mit allen Nebenkosten werden die Arbeiten rund 650 000 Euro kosten. Gebaut werden soll von Frühjahr bis Ende 2015.

Rückhaltebecken Hofewasser: Teure Überraschung im Untergrund

Dieses Becken machte einen stabileren Eindruck als das andere. Deshalb sollte der Damm ursprünglich nur erhöht und natürlich der viel zu gering bemessene Abfluss angepasst werden. Doch die Untersuchungen im Untergrund zeigten: Auch hier ist keine Standsicherheit gegeben. Wieder stießen die Baugrunduntersucher auf lehmige Schichten. „Außerdem fand sich auch hier im Untergrund viel organisches Material, offenbar waren hier noch die Wurzeln der vor Jahrzehnten gefällten Bäume im im Boden“, sagt Hagen Arndt. Also muss auch beim Hofewasser das Bauwerk tief gegründet und mit einer Dichtwand versehen werden. Der Damm selbst wird um rund anderthalb Meter erhöht. Veränderungen wird es auch an der Hochwasserentlastungsanlage geben. Insgesamt soll das Becken im Ernstfall rund 49 000 statt bislang rund 19 450 Kubikmeter Wasser zurückhalten und den Abfluss in den Kemnitzbach in der Spitze von 2,38 auf 0,5 Kubikmeter pro Sekunde senken. Durch die aufwendigeren Arbeiten haben sich die kalkulierten Kosten hier allerdings reichlich verdoppelt: Inklusive Nebenkosten wird jetzt von 600 000 Euro ausgegangen. Gebaut werden soll von Frühjahr bis Ende 2016.

Kemnitzbach: Sanierung in vier Abschnitte unterteilt

Wenn die beiden Becken viel abhalten, muss am Flussbett selbst zur Vorsorge nur das Nötigste getan werden. Dennoch muss die Stadt für Reparaturen und Schutz rund 900 000 Euro in die drei Kemnitzer und den einen Altbernsdorfer Bauabschnitt investieren. Dabei wird jeder Teil separat umgesetzt: Ein Stück reicht bis zum Hofewasser, ein zweiter vom Hofewasser bis zum Lindel, der dritte bis zum Waldbad und der letzte Abschnitt ist der Flusslauf auf Altbernsdorfer Flur. Insgesamt sollen 13 Ufermauern, acht Sohlabstürze und drei Wehranlagen zurückgebaut werden, damit nichts den Abfluss des Wassers hindert. Diese Arbeiten sollen noch in diesem Jahr erledigt werden, sagte der Bürgermeister.