merken
PLUS

Gefühle, Stolz und Herzlichkeit

Brasilien steht für Karneval und Strände. Was man vor der WM außerdem über das Gastgeberland wissen sollte – von Amazonas bis Zeitverschiebung.

© gms

Von Sven Geisler

Amazonas: Er ist nicht nur der wasserreichste Fluss der Erde, sondern vielleicht auch der längste. Laut wissenschaftlichen Berechnungen 2007 erstreckt sich der Amazonas im Norden Brasiliens auf 6 868 Kilometern und wäre damit 16 Kilometer länger als der Nil.

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Die Kathedrale in Brasilia bietet Platz für 4000 Menschen. Die moderne Hauptstadt zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.
Die Kathedrale in Brasilia bietet Platz für 4000 Menschen. Die moderne Hauptstadt zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. © dpa
Im Regenwald am Amazonas leben mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Fotos: dpa
Im Regenwald am Amazonas leben mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Fotos: dpa © dpa-tmn
Copacabana in Rio de Janeiro, Brasiliens berühmtester Strand – und doch nur einer von Tausenden.
Copacabana in Rio de Janeiro, Brasiliens berühmtester Strand – und doch nur einer von Tausenden. © dpa
Copacabana in Rio de Janeiro, Brasiliens berühmtester Strand – und doch nur einer von Tausenden.
Copacabana in Rio de Janeiro, Brasiliens berühmtester Strand – und doch nur einer von Tausenden.

Brazuca: Der Name des offiziellen WM-Balles steht frei übersetzt für Emotionen, Stolz und Herzlichkeit. Einen Härtetest hat Brazuca bereits hinter sich: 3 500 Mal knallte ihn eine Maschine gegen eine Metallplatte – und das aus sechs Stücken gefertigte Spielgerät blieb in Topform.

Capoeira: Der Kampfsport geht auf eine Tradition der Bantu-Völker aus dem Süden Afrikas zurück, die als Sklaven nach Brasilien kamen. Capoeirista müssen nicht nur kämpfen und spielerisch agieren, sondern auch die typischen Instrumente spielen und singen können.

Dengue-Fieber: Dieser Gegner ist unberechenbar: Gegen das von der Tigermücke übertragene Dengue-Virus gibt es keinen Impfschutz. In Brasilien infizierten sich in den vergangenen 13 Jahren etwa sieben Millionen Menschen. Die deutsche Mannschaft sollte ausreichend Mückenspray dabei haben, denn ihr Teamquartier, das Campo Bahia in Santo André, liegt im besonders gefährdeten Bundesstaat Bahia.

Entdeckung: Der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral wollte ums Kap der guten Hoffnung nach Indien segeln, aber seine Flotte aus 13 Schiffen wurde von der Strömung und ungünstigen Winden nach Westen abgetrieben. So landete er am 22. April 1500 in der Nähe von Porto Seguro und taufte das den Europäern bisher unbekannte Land „Terra da Vera Cruz – Land des wahren Kreuzes”.

Favela: Die Regierung versucht, die Armenviertel zu befrieden. Allein in Rio werden 2 700 Soldaten der Fallschirmspringer-Truppen sowie der Marine eingesetzt, um 15 Favelas zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum abzusichern. Insgesamt sind rund 150 000 Polizisten und 20 000 private Sicherheitskräfte im Einsatz.

Gringo/Gringa: Bezeichnung für Ausländer/innen aus den USA und Europa. Die Zahl der Brasilianer mit deutschen Wurzeln wird auf fünf Millionen geschätzt. Die ersten Siedler wurden 1824, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit, angeworben. Besonders im Süden entstanden Einwandererstädte mit eigenen Schulen, Zeitungen, Vereinen.

Hauptstadt: Brasilia wurde von Stararchitekten am Reißbrett entworfen. Als Grundriss wurde die Form eines Kreuzes gewählt. Die moderne City, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, wurde vom 22. Oktober 1956 bis 21. April 1960 buchstäblich aus dem Boden gestampft und löste Rio de Janeiro als Hauptstadt ab.

Iguaco-Wasserfälle: Eines der spektakulärsten Naturschauspiele der Welt an der brasilianisch-argentinischen Grenze. Der Fluss Iguacu ergießt sich auf 2,7 Kilometern Länge in 20 größeren und 255 kleineren Wasserfällen; der höchste misst 97 Meter und ist höher als die Niagarafälle.

Jahreszeiten: Die WM findet im Winter statt. Die Jahreszeiten sind im Vergleich zu Europa vertauscht. Das Klima ist größtenteils tropisch und subtropisch. Deshalb wird es trotzdem fast in allen Spielorten warm bis heiß sein. In Curitiba sollten sich Fans jedoch einen Pullover einpacken, denn dort sinken die Temperaturen nachts schon mal auf acht Grad.

Karneval: Das Fest der Feste. Allein in Rio de Janeiro feiern riesige Sambaschulen mit mehr als 4 000 Mitwirkenden im Sambodrom, für den größten Straßenkarneval der Welt rühmt sich Salvador de Bahia, wo die deutsche Elf gegen Portugal spielt.

Luiza: Das älteste Fossil, das in Brasilien gefunden wurde, stammt von einer Frau. Sie lebte vor etwa 12 000 Jahren in der Savanne der Region Lagoa Santa – und sorgt für wissenschaftliche Debatten. Die Nachbildung des Gesichts von Luiza ähnelt der afrikanischen und ozeanischen Physiognomie. Das stellt die Auffassung infrage, das Gebiet sei vor 15 000 Jahren von Asien aus besiedelt worden.

Motels: Die gern von Liebespärchen genutzten Motels in Rio rüsten für die WM familienfreundlich um. Statt mit erotischen Fotos dekorieren sie die Wände mit Landschaftsbildern, einige montieren sogar die Deckenspiegel ab. Außerdem wurden Kleiderschränke aufgestellt, für die es bisher keinen Bedarf gab.

Naturschutz: In Brasilien sind derzeit 310 Naturschutzgebiete und 67 Nationalparks ausgewiesen; davon sind 34 für Touristen zugänglich. Die geschützte Fläche umfasst 75 Millionen Quadratkilometer. Ein Drittel aller Tropenwälder befindet sich auf brasilianischem Territorium.

Olympia: Volleyball ist mit 20 Medaillen die erfolgreichste olympische Sportart des fußballverrückten Landes. Bei den Spielen in London gewannen die Frauen Gold, die Männer Silber. Insgesamt holte Brasilien bei 27 Teilnahmen 108 Medaillen. 2016 ist Rio de Janeiro Olympia-Gastgeber.

Präsidentin: Seit 1. Januar 2011 ist Dilma Rousseff, 66 Jahre, die erste Frau an der Spitze der Bundesrepublik. Der Präsident wird mit absoluter Mehrheit der Stimmen für vier Jahre direkt vom Volk gewählt. Brasilien hat mehr als 190 Millionen Einwohner und ist in 26 Bundesstaaten gegliedert.

Quero! Portugiesisch mit brasilianischem Akzent ist die Landessprache, auf Englisch verständigen sich bestenfalls internationale Geschäftspartner. Eine der wichtigsten Vokabeln ist „quero“; denn damit sagt man dem Flirtenden: „Ich will!“

Religion: In Brasilien befindet sich die mit ca. 130 Millionen Anhängern – das entspricht 60 Prozent der Einwohner – größte katholische Religionsgemeinschaft. Zum Papstbesuch beim Weltjugendtag in Rio 2013 kamen drei Millionen Besucher.

Strände: Copacobana in Rio, klar. Aber entlang der 8 000 Kilometer Küste gibt es gut 2 000 goldene bis schneeweiße Sandstrände. Einer der Schönsten: Baia do Sancho auf der Insel Fernando de Noronha.

Tanz: „Juntos num só ritmo – alle im selben Rhythmus“: Das Motto der WM passt zum Land der Tänze, die bekanntesten sind Samba und Forró. Aber man zählt weit mehr als 90 folkloristische und moderne Tanzstile – ohne die rituellen Tänze der afrobrasilianischen Religionen und der indigenen Völker.

Ureinwohner: Zur Zeit der Entdeckung lebte eine Vielzahl indigener Völker in Brasilien, die in mindestens 170 verschiedenen Sprachen kommunizierten. Nach der jüngsten Volkszählung 2010 leben 817 963 Indianer im Land. In den entlegenen Gebieten des Urwaldes am Amazonas haben einige Stämme bis heute keinen Kontakt zur Außenwelt.

Verspätungen: Brasilianer halten unpünktliche Menschen für erfolgreicher. Einer Umfrage zufolge finden sie es in Ordnung, wenn man zu einem Mittagessen bis zu 62 Minuten oder zu einem Kindergeburtstag 129 Minuten zu spät erscheint.

Währung: Bezahlt wird in Real (Plural: Reais). Für einen Euro gibt es zurzeit gut drei Reais. Die Kosten für die WM beziffert die Regierung auf 26,5 Milliarden Reais – umgerechnet 8,7 Milliarden Euro.

XXL-Sitze: Zwei für einen: Damit es sich auch fettleibige Fußballfans gemütlich machen können, wurden in den WM-Stadien durchschnittlich 69 Spezialsitze für übergewichtige Besucher installiert. Sie sind mit 80 Zentimetern etwa doppelt so breit wie normale. Allerdings muss der Arzt einen entsprechenden Body-Maß-Index (BMI) bescheinigen. In Brasilien gilt jeder zweite Einwohner als übergewichtig.

Y gehört ursprünglich nicht zum Alphabet, wurde aber mit der Rechtschreibreform von 2009 wie K und W hinzugefügt.

Zeitverschiebung: In Brasilien gibt es drei Zeitzonen, zehn Spielorte liegen in der Brasilia-Zone. Der Unterschied zur Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) beträgt minus fünf Stunden: Wenn das Spiel in Brasilien 13 Uhr beginnt, ist es in Deutschland 18 Uhr. Bei den Partien in Cuiabá und Manaus sind es sechs Stunden. (mit dpa)