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Gegen die Angst vor Geburten

Im Kreiskrankenhaus Weißwasser gibt es regelmäßig Kreißsaal-Führungen. Die sind aus vielen Gründen gefragt.

Patientin Veronique Pohl mit Tochter Mary-Lou Sophia, Schwester Carola sowie den Hebammen Angelika und Manja (von links).
Patientin Veronique Pohl mit Tochter Mary-Lou Sophia, Schwester Carola sowie den Hebammen Angelika und Manja (von links). © Joachim Rehle

Einmal im Monat lädt das Kreiskrankenhaus Weißwasser interessierte werdende Eltern zum Kreißsaal-Rundgang mit Hebammen ein. Denn die bevorstehende Geburt eines Kindes, eines der schönsten Erlebnisse dieser Welt, ist bei Schwangeren, ihren Partnern und Familien auch mit vielen Fragen rund um die Entbindung verbunden. Mit dem Rundgangs-Angebot will man daher auf Leistungsfähigkeit und Ausstattung der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung aufmerksam machen und Fragen zu Entbindung, Nachsorge sowie Betreuung frühzeitig beantworten.

„Frauen haben Angst vor der Geburt. Wir nehmen ihnen die Angst, klären auf und geben so ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit“, begründet Chefarzt Dmitry Chuvashkin, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, das regelmäßige Angebot. Momentan ist das Ängste-Nehmen möglicherweise besonders wichtig. Erst zum Jahreswechsel 2019/20 musste die Klinik Weißwasser den Kreißsaal über die Feiertage schließen. „Durch Krankheit, Urlaub und Feiertage entstand ein Engpass, der die Maßnahme erforderlich machte. Glücklicherweise gab es in dieser Zeit weder Geburten, noch waren Verlegungen nötig. Wir gehen nicht davon aus, dass es erneut zu so einem Engpass kommt. Auch dank der Tatsache, dass 90 Prozent der Schwangeren eigene Hebammen aus der Region haben und entsprechend rundum versorgt werden“, erklärt Chefarzt Chuvashkin, der seit Oktober 2016 in Weißwasser arbeitet.

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Trotzdem hätte im Ernstfall die Kreißsaalschließung nicht nur für Gebärende Zusatzbelastungen und lange Klinikwege bedeutet. Denn die Krankenhäuser in Spremberg, Niesky oder Bischofswerda haben keinen Kreißsaal. In Großkliniken wie Cottbus ist individuelle Betreuung meist nicht möglich. Laut Chuvashkin, der viele Jahre in großen Kliniken war, sei dort oft eine Hebamme für mehrere Entbindungssäle und Gebärende zuständig. „In Weißwasser kommt auf eine Gebärende eine Hebamme. Das ist ein großer Vorteil, weshalb Patientinnen oder Weggezogene selbst aus Dresden, Görlitz, Bayern oder Leipzig zu uns kommen.“ Dies seien zwar Ausnahmen. Aber auch die jüngste Führung mit weit über 20 Schwangeren samt Begleitung zeigte, dass Weißwasser beliebt ist. So reiste eine Schwangere mit Tochter eigens aus Zentendorf an, da sie ihr zweites Kind auf Grund der individuelleren Betreuung und der Tatsache, dass die Klinik selbst auf die Betreuung von Frühgeborenen ab der 32. Schwangerschaftswoche beziehungsweise ab einem Geburtsgewicht von 1.500 Gramm spezialisiert ist, lieber in Weißwasser statt in Görlitz entbinden möchte.

„Durchschnittlich haben wir 320 bis 350 Geburten pro Jahr. 2019 waren es nur 317, dafür waren darunter sieben Zwillinge und die Tendenz ist steigend“, weiß Dmitry Chuvashkin, dem die Chefärztin der Kinderklinik im Krankenhaus jederzeit, insbesondere bei der Neugeborenenbetreuung, zur Seite steht. Überhaupt hat sich die Personalsituation verbessert. „Wir haben zur Zeit sechs Hebammen“, so Chuvashkin. Bald gehört auch Angelika Salawa-Kostek dazu. Vor vier Jahren kam die Polin der Liebe wegen nach Deutschland. Inzwischen ist sie verheiratet, hat zwei kleine Töchter – die sie in Weißwasser entband – und lebt mit der Familie in Weißkeißel. Seit Februar ist die junge Frau, die in Krakau ihr Masterstudium mit Abschluss Hebamme machte und danach als Selbstständige eine Hebammenpraxis führte, im Krankenhaus Weißwasser angestellt.

 „Da ich noch nicht so gut deutsch spreche, sage ich immer gleich, dass ich eine polnische Hebamme bin. Doch das stört die Frauen nicht. Sie sind, wie die Kollegen, freundlich und offen.“ Dies zeigte auch die Kreißsaal-Führung, bei der Angelika Hilfskraft war. Sobald sie den Nachweis der erfolgreichen Sprachprüfung Deutsch – die sie schon absolvierte –– hat, wird sie als Hebamme zugelassen und kann als solche im Krankenhaus arbeiten. Bis dahin sind auch bei den Führungen ihre Kolleginnen gefragt. Die zeigen nicht nur alle Räume samt Technik und Ausstattung. Sie erläutern auch Abläufe, sanfte und alternative Geburtsmethoden oder Stillförderung. Auch auf diese Aufgaben als Hebamme freut sich Angelika bereits.

Kreißsaalbesichtigungen: jeden 3. Mittwoch im Monat, 18 Uhr (Foyer), ohne Anmeldung. Nächster Termin: 18.3.

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