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Hoyerswerda

Gegenseitige Unterstützung mit Abstand

Die aktuelle Situation hat auch in der Region zahlreiche Hilfsaktionen entstehen lassen.

Manuela Thomas zeigt die gerade eingetroffenen Anhänger für die Tür. Man kann sie beim in Weißwasser
beheimateten
Sozialen Netzwerk Lausitz bestellen.
Manuela Thomas zeigt die gerade eingetroffenen Anhänger für die Tür. Man kann sie beim in Weißwasser beheimateten Sozialen Netzwerk Lausitz bestellen. © Foto: SNL

Hoyerswerda/Weißwasser. Es war ein Appell an die Empathie. „Helfen Sie denen, die Ihre Hilfe brauchen. Wir sind in unserer Stadt eine Gemeinschaft“, ermunterte Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) am Montag in seiner Videobotschaft zum Leben unter den Restriktionen des Infektionsschutzgesetzes. Auch an höherer Stelle setzt man auf das Engagement der Bürgerschaft. In der am Sonntag erlassenen Verfügung des Landes Sachsen zu weitreichenden Ausgangsbeschränkungen steht ausdrücklich, einer der triftigen Ausnahme-Gründe, um das Haus zu verlassen, sei das Sichern der Versorgung der Bevölkerung – auch im Rahmen von ehrenamtlicher Tätigkeit.

Und längst sind die verschiedensten Initiativen gestartet worden. In Weißwasser zum Beispiel hat Radio-WSW-Moderator Jens Wunderlich im Internet die Kampagne „Hallo Nachbar, jetzt wird‘s gemacht“ auf den Weg gebracht. Schon Tausende Menschen riefen den Beitrag auf.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Wenn das Geld knapp wird

Ebenso hat eine Weißwasseranerin die Bitte online gestellt, sich freiwillig als Helfer für die Tafel in Weißwasser, zu der sie Kontakt aufnahm, zu melden. Ziel sei, möglichst Ende kommender Woche die Tafel wieder zu öffnen. Es gibt aber auch Einzelaktionen wie jene des Weißwasseraners Sebastian Poitz. Er packte einfach einen Karton mit Osterüberraschungen und spendiert ihn einem Kinderheim. In ihrer Wohnung in der Hoyerswerdaer Altstadt sitzt unterdessen – in amtlich verordneter Vorsorge-Quarantäne – Grit Maroske und koordiniert eine deutschlandweite Kampagne, die ihren Widerhall inzwischen auch in überregionalen Medien hat.

Gemeinsam mit Freunden sammelt sie Geld für Menschen, die im Moment nicht über die Runden kommen, weil sie nicht arbeiten können – etwa in der Gastronomie oder in Friseurläden, wo es wegen des Lohnniveaus nicht möglich ist, ausreichende Finanz-Reserven anzusammeln.

Die Jugend kauft gern ein

Die Aktion startete vor zehn Tagen. Das Prinzip: Spender können per Paypal oder per Überweisung helfen, den Notfonds zu füllen. Am Montag war die 20.000-Euro-Marke erreicht. Das Geld wird dann an die Hilfsbedürftigen überwiesen, die sich auch in diesem Fall übers Netz melden. Mehr als 1.500 Kindern, Frauen und Männern habe man schon helfen können, sagt Grit Maroske und erklärt, in dieser Zahl steckten auch Mehrfamilienhaushalte. Emotional einfach ist die Sache nicht. „Es gibt Leute, die weinen, die verzweifelt sind, die keine Ahnung haben, wie sie den Kühlschrank füllen sollen“, berichtet die Hoyerswerdaerin. Es seien auch schon zwei, drei Fälle aus der Stadt dabei gewesen, erzählt sie.

Zu denen, die in Hoyerswerda Unterstützung anbieten, gehört die Taschengeldbörse des Jugendstadtrates – in Kooperation mit der LebensRäume-Wohnungsgenossenschaft. Per Aushang in deren Häusern wird Menschen aus Risikogruppen wie Älteren oder Personen mit Vorerkrankungen Hilfe beim Einkauf oder anderen Besorgungen offeriert. Es gehe um alltägliche Erledigungen für die, die im Moment besser nicht so oft vor die Tür gehen sollten.

Die Vielzahl von karitativen Aktionen zu bündeln, ist das Ziel einer weiteren Gruppe von Hoyerswerdaern. Hinter „Hoyerswerda – mit Abstand – zusammenrücken“ stecken Dorit und Carsten Baumeister, René Nowitzki, Robert Gbureck und Guido Schmidt. Man arbeite gemeinsam mit Hochdruck an einer Webseite, heißt es. Vier Kategorien werde sie haben: Nachbarschaftshilfe, HY-Kultur online, HY-Sport online und Hilfe für momentan zur Pause verdammte Einzelhändler. Vorbild hierfür ist die Plattform „Gute Scheine Görlitz“.

Lokale Unternehmer nicht vergessen

Damit die Händler wenigstens etwas Umsatz machen können, werden über diesen Weg Gutscheine angeboten. Auf der lokalen Hoyerswerdaer Seite soll es aber auch die Möglichkeit der einfachen Präsentation geben – sozusagen, damit in diesen Zeiten die lokalen Unternehmer von ihrer Kundschaft nicht vergessen werden. „Es geht uns um die Erzeugung von Solidarität“, erklären die fünf Initiatoren von „Hoyerswerda – mit Abstand – zusammenrücken“.

Einfach ein Schild an die Tür

Helfer und Hilfsbedürftige zusammenbringen will auch das in Weißwasser beheimatete Soziale Netzwerk Lausitz (SNL). Seine Initiative heißt „Nachbarhelfen“. Auch hier geht es darum, gefährdeten oder auch immobilen Menschen den Weg in den Supermarkt oder zur Post abzunehmen. Über die ersten zehn Tage sagt SNL-Geschäftsführerin Manuela Thomas, die Resonanz sei überwältigend gewesen. Allein Sonntag und Montag habe es 50 Neuanmeldungen über das betreffende Web-Portal gegeben. Freilich hat das Netzwerk die gesamte sächsische Lausitz im Blick, also die Kreise Bautzen und Görlitz. Es gibt inzwischen auch Kontakt zu „Hoyerswerda – mit Abstand – zusammenrücken“. Hier wie da war man auf die Idee gekommen, dass vor allem ältere Hilfsbedürftige nicht unbedingt im Internet surfen wollen. SNL hat daher Anhänger produzieren lassen, die Hilfesuchende und -Anbietende einfach an die Wohnungstür hängen können, um so den direkten Nachbarn den Wunsch nach Kontaktaufnahme signalisieren zu können – immer unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften, wie Thomas mahnt. In Burghammer dagegen sind viele Ältere – kontaktlos – Mitglieder der schon länger existierenden örtlichen WhatsApp-Gruppe. Sie wird aktuell vor allem genutzt, um sich gegenseitig über die gesundheitspolitischen Entwicklungen zu informieren. In Sachen persönlicher Hilfe gab es zuletzt nur ein Angebot: Erdbeerpflanzen abzugeben. Schließlich ist auch Pflanzzeit.