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Gegenwind für schnelles Netz in Dresden

OB Dirk Hilbert will die Stadt zur Modellregion machen. Die Grünen fürchten eine zu hohe Strahlung.

Andrea Petzig surft am Postplatz im Internet, während sie auf die Bahn wartet. Bald soll das noch schneller gehen. Hat das Folgen für die Gesundheit?
Andrea Petzig surft am Postplatz im Internet, während sie auf die Bahn wartet. Bald soll das noch schneller gehen. Hat das Folgen für die Gesundheit? © René Meinig

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will Dresden zur Modellregion für superschnelles Internet machen. Nicht nur, dass die Dresdner damit schneller im Internet surfen könnten. Der neuste Mobilfunkstandard 5G ermöglicht Massenkommunikation in Echtzeit. Abfallcontainer, die automatisch die Müllabfuhr rufen, wenn sie voll sind, wären genauso möglich wie Autos, die untereinander kommunizieren und somit Unfälle verhindern. Doch nicht jeder ist mit diesem Plan einverstanden.

Was plant die Stadt genau? Anfang Mai hat Hilbert mit der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH vereinbart, allen Mobilfunkanbietern kommunale Flächen für den Netzausbau zur Verfügung zu stellen. Das heißt, dass zum Beispiel an Haltestellen, in Parks oder an städtischen Gebäuden sogenannte Mikrofunkzellen angebracht werden könnten. Diese übertragen Mobilfunksignale. Je mehr es gibt, umso besser ist der Empfang. Sie sollen die großen Masten, etwa auf Dächern oder Feldern, ergänzen. Die Technik – ein Transceiver und eine Antenne – passt beispielsweise in einen Abfalleimer, so wie sie überall in der Stadt stehen.

Die Grünen im Stadtrat jedoch sehen nicht nur die technischen Vorteile. „Die Menschen machen sich Sorgen, wie sich die höheren Mobilfunkfrequenzen auf ihre Gesundheit auswirken“, sagte Stadträtin Kerstin Harzendorf bei der Sitzung am vergangenen Donnerstag. Das könne man nicht ignorieren. Die Dresdner müssten über die Risiken aufgeklärt werden. Harzendorf kritisierte Hilbert, die Stadt vor vollendete Tatsachen zu stellen. Bevor man Vereinbarungen eingehe, solle doch in Betracht gezogen werden, neue Forschungsergebnisse abzuwarten und dann zu entscheiden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz geht eigenen Angaben zufolge zumindest derzeit nicht von negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch 5G, also die fünfte Mobilfunkgeneration, aus. Erkenntnisse aus Studien, in denen mögliche Gesundheitswirkungen untersucht wurden, könnten zu einem großen Teil auf 5G übertragen werden. Allerdings habe man noch offene Fragen, heißt es. Denn in einem weiteren Ausbauschritt sind höhere Frequenzbereiche vorgesehen. Für diese gebe es bislang nur wenige Untersuchungen. „Die Absorption der hochfrequenten elektromagnetischen Felder findet im Milli- oder Zentimeterwellenbereich sehr nahe an der Körperoberfläche statt. Mögliche Auswirkungen betreffen also Haut und Augen, direkte Wirkungen auf innere Organe sind nicht zu erwarten.“ Bei Mobilfunkstrahlung handelt sich um elektromagnetische Strahlung. Diese kann zwar nicht direkt das Erbgut schädigen. Allerdings ist sie in der Lage, die Temperatur von Gewebe und Zellen zu erhöhen, indem sie die Wassermoleküle zum Schwingen bringt.

Das sei nicht die einzige offene Frage. Denn mit den steigenden Datenmengen würden auch mehr Sendeanlagen benötigt. „Auch heute schon kommen an Plätzen mit hoher Nutzerdichte sogenannte Kleinzellen zum Einsatz“, teilt das Bundesamt mit. „Mit der Einführung von 5G wird dies aber weiter zunehmen.“ Kleine Funkzellen würden zwar eine geringere Sendeleistung haben, gleichzeitig aber an Orten betrieben, an denen sich Menschen aufhalten.

Darüber hinaus bestünden Unsicherheiten, wie genau sich intensive Handynutzung langzeitig auswirke. Für abschließende Urteile sei die Technik noch zu jung. Krebserkrankungen beispielsweise entwickelten sich über Zeiträume von 20 bis 30 Jahren. Daher rät die Behörde, beim Kauf von Handys auf strahlungsärmere Geräte und ausreichend Abstand zum Körper zu achten, etwa mit Freisprecheinrichtungen.

Inzwischen ist auch eine Petition gegen den 5G-Ausbau in Dresden angelaufen. Initiator Martin Straube sagt, die Entscheidung des Oberbürgermeisters sei über die Köpfe der Dresdner Bürger hinweg erfolgt und offensichtlich ohne Einbeziehung des Stadtrates. „Die Unterzeichner der Petition wenden sich dagegen, als ‚Versuchskaninchen‘ für den Netzausbau missbraucht zu werden.“ Die Forderung: „Stoppen Sie den 5G-Ausbau in Dresden!“ Bisher haben sich 41 Menschen angeschlossen.

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SZ-Redakteur Sandro Rahrisch über den anstehenden Ausbau des Mobilfunknetzes. 

CDU-Stadtrat Steffen Kaden bezeichnete den Begriff „Handystrahlung“ in der vergangenen Stadtratssitzung am Donnerstag als Schwachsinn. Man versuche mit solch einem Vokabular nur, den Leuten Angst zu machen. Er forderte, beim 5G-Ausbau richtig Gas zu geben, damit der neue Mobilfunkstandard bald flächendeckend in Dresden zu Verfügung stehe. Auch Wirtschaftsförderer Robert Franke sieht für die Landeshauptstadt enormes Potenzial. „In Dresden liegt die Wiege des 5G-Mobilfunks, der in Zukunft alle Wirtschaftszweige positiv beeinflussen wird“, sagte er. Ebenso profitierten die Dresdner selbst durch Zukunftstechnologien wie etwa der Mülltonne, die signalisiert, dass sie geleert werden muss.

Bisher hat sich die Stadt noch nicht festgelegt, wo die Funkzellen angebracht werden könnten. Man wolle prüfen, welche kommunalen Gebäude, Liegenschaften oder Infrastrukturen die Anforderungen an geeignete Standorte erfüllten. 

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