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Geheimaktion gegen Bengasi-Anstifter

Die USA wollen Ahmed Abu Chattalah vor Gericht stellen. Auch Libyen stellt Ansprüche.

Von Jens Schmitz, SZ-Korrespondent in Washington

Für Barack Obama ist es ein großer Erfolg: Mit dem libyschen Milizenführer Ahmed Abu Chattalah haben die USA erstmals einen mutmaßlichen Drahtzieher des Angriffs auf das US-Konsulat in Bengasi festgenommen, dem 2012 vier Amerikaner zum Opfer gefallen sind. Nun soll Chattalah in Washington der Prozess gemacht werden.

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Allerdings fordert Libyen die Auslieferung Chattalahs. Justizminister Salah al-Marghani sagte, es gebe bereits seit längerer Zeit einen Haftbefehl der libyschen Justiz, doch die schwierige Sicherheitslage habe die Vollstreckung bislang behindert. „Er muss in Libyen vor Gericht gestellt werden“, betonte er.

Bei dem Anschlag vor knapp zwei Jahren war auch US-Botschafter Christopher Stevens ums Leben gekommen; die Attacke spielt in der US-Politik eine wichtige Rolle. Obwohl das Justizministerium mindestens zwölf Verdächtige beschuldigt, ist Abu Chattalah der Erste, dessen das Land nun habhaft geworden ist. Der Verdächtige werde derzeit in die USA transportiert, sagte Obama. „Wenn Amerikaner angegriffen werden, ist es wichtig für uns, der Welt zu übermitteln, dass wir die Verantwortlichen finden und der Gerechtigkeit zuführen, egal, wie lange das dauert“, sagte Obama. Der Präsident habe der Operation am Freitag zugestimmt, schrieb die „Washington Post“. Die libysche Regierung war über die Aktion nicht informiert.

Transport im Lieferwagen

Ahmed Abu Chattalah befand sich allein in seinem Haus in Bengasi, als zwei Dutzend Spezialkräfte ihn in einen Lieferwagen brachten und außer Landes schafften. Beamte der US-Bundespolizei FBI sollen sicherstellen, dass seine Behandlung den Grundsätzen der Strafjustiz entspricht.

Der Milizenführer hat nach dem Angriff auf das US-Konsulat monatelang offen in der Stadt gelebt und westlichen Journalisten zahlreiche Interviews gegeben. Dabei gab er zu, in der Nacht vom 11. auf den 12. September 2012 auf dem Gelände gewesen zu sein. Eine Beteiligung an dem Angriff bestritt er, aber die USA wollen mit Videomaterial und Zeugenaussagen das Gegenteil beweisen. Hochrangige Republikaner forderten, Chattalah in Guantanamo zu internieren. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates schloss das aber aus.

Abu Chattalah wird vorgeworfen, im Verlauf des Angriffs auf die US-Einrichtung einen Menschen getötet und Terroristen unterstützt zu haben. Er habe außerdem während „einer kriminellen Handlung“ eine Schusswaffe benutzt. Justizminister Eric Holder sagte, er behalte sich vor, weitere Anklagepunkte hinzuzufügen. Es wird erwartet, dass Abu Chatallah in den nächsten Tagen vor dem Gericht in Washington erscheint. Spätestens dann müsste er darüber aufgeklärt werden, dass er schweigen und einen Anwalt hinzuziehen darf. (mit dpa)