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Geheimniskrämerei um Fundort des Münzschatzes

Archäologen und Nationalpark Sächsische Schweiz fürchten illegale Sondengänger. Es drohen hohe Bußgelder.

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© Kristin Richter

Von Gunnar Klehm

Sächsische Schweiz. Noch immer hütet der Münzschatz, der am 29. April in einer Felsspalte in der Sächsischen Schweiz entdeckt wurde, seine Geheimnisse. Nach vier Wochen sind immer noch nicht alle Fundstücke gezählt. „Das liegt daran, dass die Restaurierungsabteilung zurzeit mit einer Ausstellungsvorbereitung im Chemnitzer Landesmuseum vollständig ausgelastet ist“, teilt Dr. Christoph Heiermann vom Sächsischen Landesamt für Archäologie mit. Demnach sind Hunderte Münzen weiterhin in dem Zustand, wie sie vor Ort gesichert wurden. Sie wurden komplett mit der sie umgebenen Erde mitgenommen. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass es sich um rund 1 000 Münzen handelt“, so Heiermann. Sie haben Prägedaten von 1693 bis zum Jahr 1817. Allesamt waren es einst reguläre Zahlungsmittel.

Das ist die Fundstelle. Hier lagen fast 200 Jahre lang Hunderte Silbermünzen.
Das ist die Fundstelle. Hier lagen fast 200 Jahre lang Hunderte Silbermünzen. © LfÄ

Erkenntnisse gibt es auch zu den Fasern, die an den ersten untersuchten Geldstücken hafteten. „Wir gehen davon aus, dass die Münzen in einem Leinen- und Wolltuch verpackt waren. Es könnte auch ein Sack gewesen sein“, heißt es vom Landesamt. Die Faserreste konnten unter dem Mikroskop bestimmt werden. Wer die Münzen versteckt hat und warum, das liegt aber weiterhin im Dunkeln.

Wie hoch ist der Finderlohn?

Es war ein Zufallsfund zweier Kletterer. In einer Felsspalte stießen sie auf einige Münzen. Schnell war ihnen klar, dass es sich um alte Geldstücke handelte, die wertvoll sein könnten. Sie verständigten die Polizei, diese wiederum das Archäologische Landesamt. Nur eine Handvoll Menschen weiß bislang, wo genau die Felsspalte sich befindet. Daran soll sich möglichst auch nichts ändern. Denn immer wieder kommt es vor, dass Fundorte illegale Sondengänger anlocken. Das sind Schatzsucher, die ohne Genehmigung mit Metallsonden das Gelände absuchen. „Archäologische Fundstellen sind nicht erneuerbar, deshalb stehen sie unter besonderem Schutz“, erklärt Dr. Ingo Kraft, Referatsleiter im Landesamt für Archäologie. Er war selbst am Fundort und gibt seitdem lediglich „eine Felsspalte zwischen Bad Schandau und Sebnitz“ als eingrenzende Ortsbezeichnung an.

Für die Wissenschaftler ist jedes Detail wichtig. Die Experten sprechen vom Geschichtsarchiv im Boden. Wer an Fundstellen unsachgemäß gräbt, kann wichtige Informationen zerstören. Illegalen Schatzsuchern drohen hohe Geldbußen oder sogar Freiheitsstrafen.

Das müssen die beiden Kletterer allerdings nicht befürchten. „Sie haben sich vorbildlich verhalten, weil sie sofort die Polizei informiert haben“, sagt Dr. Kraft. Der eigentliche Finder – der aus Franken stammen soll – will allerdings anonym bleiben. Inzwischen hat er auch einen Antrag auf Finderlohn gestellt. Eine solche Belohnung würde nach dem Gesamtwert bemessen. Solange aber noch nicht alle Münzen gezählt sind, ist der noch nicht bestimmbar. Dafür wäre dann auch nicht mehr das Landesamt zuständig, sondern das Sächsische Münzkabinett.

Die bisher untersuchten Münzen haben für die Restauratoren auch Überraschendes gebracht. Anhand der Stärke der Oxidation der Silbermünzen wurde festgestellt, dass die Geldstücke aus Österreich aus reinerem Silber bestehen als die aus Sachsen oder Preußen. „Außerdem muss in der Sächsischen Schweiz ein wirklich gutes Klima herrschen“, sagt Restauratorin Franziska Frenzel-Leitermann. Dass macht sie daran fest, dass die Korrosion nicht so schwarz ist wie bei Silbermünzen, die etwa in Städten gefunden wurden.

Dr. Ingo Kraft lobt die Polizei. „Die hat die ganze Zeit den Ort bewacht, bis wir die Fundstelle komplett beräumt hatten“, sagt der Archäologe. Das sei auch so unauffällig erfolgt, dass dadurch niemand sonst auf den Fundort aufmerksam wurde. Das sei nicht selbstverständlich, so Kraft.

Nicht nur die Archäologen fürchten die illegalen Schatzsucher, die durchs Gelände streifen. Auch die Nationalparkverwaltung will das unbedingt verhindern – wenn auch aus anderem Grund. Denn wenn abseits der Wege Sondengänger ihr Unwesen treiben, könnten geschützte Tierarten gestört werden, seltene Pflanzen geschädigt. Auch dafür drohen Geldbußen. Seit dem Schatzfund sind die Ranger besonders wachsam. Ein Schatzsucher wurde zu ihrem Glück aber noch nicht angetroffen.