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Geheimnisse am Kulturschloss

Wer denkt, er kennt an Großenhains Kulturtempel schon alles, der muss eine Führung mitmachen – und wird staunen.

Schmucksäulen. Sie stammen noch aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, als das Spinnereigebäude nach einem Brand wiederaufgebaut wurde. Das kleine Foto zeigt das Schloss um etwa 1900.
Schmucksäulen. Sie stammen noch aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, als das Spinnereigebäude nach einem Brand wiederaufgebaut wurde. Das kleine Foto zeigt das Schloss um etwa 1900. © Anne Hübschmann

Großenhain. Wussten Sie, dass es deutschlandweit nur drei Kulturhäuser geben soll, die über Eck bespielt werden? Eines ist in den alten Bundesländern, eins in Leipzig – und das dritte ist das Kulturschloss Großenhain. Hier versteckt sich so manches Geheimnis, das erst bei einer Führung gelüftet wird – wie kürzlich zur Bauhaus-Tradition mit Geschäftsführer Jörg Rietdorf und Stadtführer Klaus Hammerlik.

Wissen Sie noch, dass vor 20 Jahren neben dem alten Schloss das Kulturhaus Krone und das Gesellschaftshaus in Konkurrenz standen, Großenhains künftiges Kulturzentrum zu werden? Architekt Professor Jörg Springer aus Berlin küsste dann die völlig zugewachsene Dornröschenschloss-Ruine vor der Landesgartenschau wach. Und soll gesagt haben: Gut, dass es nie wirklich ein Schloss war. So hatte er größeren Gestaltungsspielraum bei der Wiedernutzbarmachung des völlig verbauten und einsturzgefährdeten Gemäuers. Das brachte ihm – der später die Frankfurt-Mainer Oper baute – zahlreiche Preise ein.

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In die Moderne geholt

Springer verband in genialer Weise alt und neu am Schloss und holte das alte Bauwerk damit ganz nach Bauhausstil in die Moderne. Auf ihn gehen die Schattenfugen zurück, die im Foyer schon für manches Rätselraten sorgten. Auch das Herausstellen der Schmucksäulen und -absätze, die Abgrenzung von vorhandenen und neuen Fenstern, die stilistische Hervorhebung der stummen Stufen.

Von Burg zu Kulturzentrum

1289 wird die Burg Hain erstmalig erwähnt– neben Radeburg/Radeberg.

14. Jahrhundert: Die Burg wird Sitz eines Vogtes als Markgrafenvertreter.

1835: Familie Eckhardt erwirbt das Grundstück mit Brauerei und Holzhof, baut einen Textilbetrieb. In den Bergfried kommt ein Schornstein.

1856: Das Gebäude brennt ab und wird in seiner heutigen Grundform wiederaufgebaut.

1951 bis 1965: Der VEB Ofenbau (später Stema) produziert im Schloss.

1969: Der Schornstein wird umgelegt.

1998: Die Stadt kauft das inzwischen private Gelände in Vorbereitung der Landesgartenschau 2002.

2000: Am 7. Oktober Grundsteinlegung für Umbau zum Kulturzentrum.

2002: Feierliche Eröffnung am 17. April. Quelle: Stadtverwaltung.

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Und wussten Sie auch, dass der Schlosskeller von ABM-Leuten um 1,50 Meter nach unten ausgeschachtet wurde? Ursprünglich war er nur als Weinkeller geplant. So wie die Ursprungsidee für das Schloss ein Amphitheater war. Unter dem Schlossplatz soll übrigens ein weiterer Keller schlummern, wo sich die Schlosswache die Zeit vertrieben hat.

Kein Wasser im Schlossgraben

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Der Ornamentboden auf dem Schlossplatz geht übrigens auf Olaf Nicolai zurück. Es ist kein Geheimnis, dass dies ein Beitrag zum Kunstprojekt der Gartenschau war. Der Berliner nahm Bezug auf die Tuchmachertradition. Und so mancher ältere Großenhainer hat ihn vielleicht noch gesehen, den Schornstein im Bergfried mit seinen heute 162 Stufen. Der ist doch lange vor der Gartenschau gesprengt worden? Keinesfalls. Mit einem Loch und Keilen darin wurde er an Seilen umgezogen, weiß Klaus Hammerlik. Er widerlegt auch das Gerücht, dass im Schlossgraben Wasser floss. Trotzdem gut, dass die Brücke wiederentdeckt wurde.

Weitere Führungen zum Schloss mit Klaus Hammerlik am 12. April (Einkaufsnacht) um 19.30 Uhr ab Rathaus und zum Tag des offenen Denkmals am 8. September

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