SZ +
Merken

Geheimsache Straßenbau

Wegen des milden Winters gehen die Arbeiten gut voran. Eher fertig wird die Ortsumgehung dennoch nicht.

Teilen
Folgen

Von Jürgen Müller

Die Frauenstimme im Navigationsgerät befiehlt energisch: „Jetzt nach links fahren.“ Wer ihr folgt, landet auf dem Feld oder zumindest auf einem schlammigen Weg. Denn die Straße, auf die uns die Frauenstimme führen will, ist noch gar nicht fertig. Möglicher Grund für die Fehlinformation: Die Ortsumgehung Krögis sollte ursprünglich schon lange komplett sein. Wieder und wieder wurde der Termin jedoch verschoben.

Bereits im August 2012 stilisierte der Käbschütztaler Bürgermeister Uwe Klingor (CDU) den symbolischen ersten Spatenstich zu einem Volksfest mit nationaler Bedeutung, ließ sogar die Nationalhymne intonieren. Im Dezember 2013 sollte die rund zwei Kilometer lange Straße, die 3,2 Millionen Euro kostet, fertig sein, hieß es. Jan Mücke, damals Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sprach von einem „kleinen Wunder“. Baurecht im November 2011 und Baubeginn neun Monate später, das sei wirklich eine Ausnahme, so schnell gehe das sonst nie, sagte er damals. Ging es auch diesmal nicht. Das Wunder fiel aus, Mückes Satz blieb reines Wunschdenken. Denn nachdem die Ehrengäste die Spaten in die zuvor gelockerte Erde gerammt hatten, passierte erst mal gar nichts. Dann untersuchten Archäologen die künftige Piste. Als sie nicht fündig geworden waren, hätte es eigentlich losgehen könnten. Doch wieder passierte nichts, die Bautafeln verschwanden sogar klammheimlich. Grund war, dass die Planungen geändert und die Unterlagen erneut öffentlich ausgelegt werden mussten. Denn ein Regenrückhaltebecken musste an einen neuen Standort verschoben werden. Nach den Erkenntnissen, die gerade erst zutage getreten seien, hätten die Baugrundverhältnisse den Bau des Beckens nur mit wesentlichen Mehrkosten erlaubt, sagte damals Klaus-Peter Lechler, der Niederlassungsleiter Meißen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Die Becken hätten im Bereich von Grundwasser gelegen und aufwendig gegen Auftrieb gesichert werden müssen. Dies stellte eine wesentliche Änderung dar, weswegen es eines Änderungsbeschlusses bedurfte.

Von einem Planungsfehler wollte Lechler nicht sprechen. Baubeginn sollte nun im August vorigen Jahres sein, also exakt ein Jahr nach dem ersten Spatenstich. Doch auch daraus wurde nichts. Erst im Herbst rollten die ersten Bagger an.

Das Wetter meinte es gut mit den Bauleuten. Der Winter fiel praktisch aus, es konnte fast ununterbrochen gebaut werden. Wird die Straße also nun doch eher fertig als im November? „Das ist laienhaft gedacht“, sagt Klaus-Peter Lechler. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr habe einen Vertrag mit der bauausführenden Firma TS Bau Riesa. Dieser Vertrag müsse eingehalten werden. „Vertrag ist Vertrag. Wenn wir jetzt fordern, dass die Straße wegen des milden Winters eher fertig sein soll, dann kostet es mehr Geld“, so der Niederlassungsleiter. Etwas anderes sei es, wenn die Firma von sich aus eher fertig werde, etwa weil sie Anschlussaufträge hat. Dies könne er aber nicht sagen.

Sagen könnte es die Firma selbst, doch die darf es nicht. Wie zu erfahren war, hätten sowohl das Landesamt als auch das Landratsamt Meißen der Firma untersagt, irgendwelche Informationen an die Öffentlichkeit zu geben. Geheimsache Straßenbau.

Wenigstens der Bürgermeister kann sich freuen. „Die Arbeiten liegen in einem sehr guten Zeitplan. Für April geplante Arbeiten konnten schon im März abgeschlossen werden. Dem Bau kommt auch zugute, dass es derzeit trocken ist und der Aufbau des Straßenkörpers nach Barnitz keine Probleme bereitet“, sagt Klingor.

Den Krögiser Einwohnern, die seit Jahrzehnten über viel Lkw-Verkehr und Gefahren für Fußgänger wegen enger Straße und fehlender Fußwege klagen, ist es vermutlich egal, ob die so heiß ersehnte Umgehung ein paar Wochen oder Monate eher fertig wird oder nicht. Sie mussten mehr als 20 Jahre warten, da kommt es jetzt auch nicht mehr darauf an. Hauptsache, sie wird überhaupt fertig.