merken
PLUS

Freital

Gehen Sie jetzt in die Politik, Herr Grohmann?

Der Freitaler Ruder-Olympiasieger spricht über seine politischen Ambitionen und die Karriere nach der Karriere.

Obwohl nicht mehr Profisportler, ist Ruder-Olympiasieger Tim Grohmann immer noch fast täglich mit dem Boot auf dem Wasser. Das hat zwei Gründe.
Obwohl nicht mehr Profisportler, ist Ruder-Olympiasieger Tim Grohmann immer noch fast täglich mit dem Boot auf dem Wasser. Das hat zwei Gründe. © Foto: Andreas Weihs

Herr Grohmann, Sie kandidieren für den Pesterwitzer Ortschaftsrat. Wie kam es dazu?

Mein Vater sitzt schon seit der letzten Wahl im Ortschaftsrat. Er hat mich am Ende auch zusammen mit dem Vorstand des SV Pesterwitz angesprochen, ob ich nicht den letzten Platz von den insgesamt 15 für das Bündnis für Pesterwitz einnehmen möchte. Ganz ehrlich: Wenn sie mich nicht gefragt hätten, hätte ich keine Ambitionen gehabt, aber so sage ich: Warum nicht? Ich kann auch ein bisschen frischen Wind in den Ortschaftsrat reinbringen, denn ich bin mit meinen 30 Jahren mit Abstand der jüngste Kandidat. Ob es am Ende reichen wird – es gibt ja nur zehn Plätze – wird man aber sehen.

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Sollten Sie gewählt werden: Was haben Sie sich vorgenommen?

Mein Motto lautet „Bewegtes Pesterwitz“. Ich denke, man könnte mit relativ wenigen Mitteln eine schöne Laufstrecke zum Joggen oder für Nordic Walking in Pesterwitz anlegen. Das Beste wäre natürlich ein kleiner Fitnessparcours wie im Ostragehege. Das wäre ein Angebot für jedermann – auch für Jugendliche. Pesterwitz wächst und viele Familien ziehen hierher.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich bekannte Sportler in der Politik engagieren. Bobfahrer Nico Walther lässt sich zum Beispiel für die CDU für die Landtags- und Kreistagswahl aufstellen. Ist das Zufall?

Sportler bilden einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Das heißt, auch unter den Sportlern gibt es Menschen, die sich politisch engagieren und Menschen, die das nicht tun. Als bekannter Sportler wird man aber vielleicht eher für solche Aktivitäten angesprochen. Der Name kann durchaus helfen, ein bisschen was anzuschieben.

Sie haben es bereits angesprochen: Sie sind mit Abstand der jüngste Kandidat. Ist an der viel beschriebenen Politikverdrossenheit junger Menschen etwas dran?

Ja, ich glaube, da ist etwas dran. Man gewinnt oft den Eindruck, dass man nichts erreichen kann. Viele sind auch in ihrem Alltag gut eingespannt. Ich habe das Glück, dass ich mir durch mein Studium und die Nachförderung der Bundeswehr meine Zeit relativ gut einteilen kann. Ich wohne jetzt seit 19 Jahren in Pesterwitz, lebe gern hier und will mich hier engagieren.

Ist eine Karriere in der Politik für Sie eine Option?

An sich nicht. Das würde ich nicht machen wollen. Der Ortschaftsrat tagt alle vier Wochen einmal. Das lässt sich einrichten. Alles andere würde den zeitlichen Rahmen sprengen.

Was machen Sie zurzeit?

Ich habe meine sportliche Karriere beendet – offiziell im Oktober nach der WM, an der ich auch nicht teilgenommen habe. Ich hätte schon noch gern bis Olympia 2020 weitergemacht, aber die Rahmenbedingungen haben einfach nicht mehr gepasst. Alle Spitzenathleten müssen nach Hamburg zum Stützpunkt und dort trainieren. Dann wären Sport und Familienleben für mich nicht mehr vereinbar. Ich bin aus der Bundeswehr ausgetreten, bekomme noch vier Jahre lang die Nachförderung und mache in der Zeit mein Sportwissenschaftsstudium in Leipzig fertig. Gerade schreibe ich an meiner Bachelorarbeit und will danach noch den Master machen. Nebenbei bin ich Übungsleiter am Ruder-Stützpunkt in Dresden. Ansonsten trainiere ich noch viel. Das Abtrainieren ist ganz wichtig. Das hat im ersten Jahr durchaus auch zwei, drei Stunden pro Tag ausgemacht.

Wie sehr schmerzte das Ende der sportlichen Karriere?

Ich war leistungsmäßig noch auf einem sehr hohen Niveau. Am Ende scheiterte es an der Technik. Das war ärgerlich, klar. Das tat weh. Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner jetzigen Situation. Ich kann mich viel um meinen kleinen Sohn, der jetzt acht Monate alt ist, kümmern. Ich war zehn Jahre im Hochleistungssport, habe viel erreicht. Nun engagiere ich mich mehr im Breitensport und bin auch beim SV Pesterwitz in verschiedenen Abteilungen vertreten. Im Winter bin ich beim Tennis und Volleyball aktiv, jetzt habe ich mal beim Fußball reingeschnuppert.

Wie schwierig war die Umstellung vom Sportler zum Trainer?

Das ist auf jeden Fall eine Umstellung. Ich war jetzt bei der Deutschen Meisterschaft als Trainer dabei. Ich habe es nie so einschätzen können, aber die Rolle des Trainers ist auch anstrengend (lacht). Als Sportler geht man früh für eine halbe Stunde raus zum Training, isst etwas und legt sich bis zum Wettkampf wieder hin. Als Trainer ist man den ganzen Tag gefragt. Aber die Arbeit mit Jugendlichen macht Spaß, weil ich mein Wissen weitergeben kann.

Werden Sie im Trainergeschäft bleiben?

Ja, das ist das Ziel. Mein Ex-Trainer steht kurz vor der Rente, wird vielleicht noch zwei, drei Jahre machen. Er wird mich in dieser Zeit einarbeiten und danach werde ich seine Aufgabe übernehmen. Das ist der Plan.

Das Interview führte Tobias Winzer.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.