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Geht den Volkshausfreunden die Puste aus?

Die Weißwasseraner IG sucht dringend Mit-Macher und – am besten einen Topf mit Geld. Dafür gibt‘s aber nur einen Weg.

Die Interessengruppe der Freunde des Volkshauses rückt das Thema immer wieder in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Doch die Möglichkeiten der kleinen Gruppe sind mehr als begrenzt.
Die Interessengruppe der Freunde des Volkshauses rückt das Thema immer wieder in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Doch die Möglichkeiten der kleinen Gruppe sind mehr als begrenzt. © Joachim Rehle

Peter Sievers wird nicht müde, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Volkshaus Weißwasser ins Gespräch zu bringen. „Würde man die Menschen auf der Straße ansprechen, würde sich jeder zweite als Freund des Volkshauses bezeichnen.“ Davon ist er überzeugt. Wenn offiziell darauf die Rede kommt, sind die Reaktionen hingegen sehr verschieden. Von den einen wird er belächelt nach dem Motto „der schon wieder“, Andere winken ab, wenn sie seiner ansichtig werden. Es gibt aber auch Menschen, die froh sind, dass jemand für den Erhalt des Objekts kämpft und darum, dass eines Tages darin wieder Veranstaltungen stattfinden. So jedenfalls sieht es Peter Sievers.

Zwölf Aufrechte

Eine Erhebung, wie vielen Menschen das Volkshaus tatsächlich am Herzen liegt, gibt es nicht. Und schon gar keine Aussage darüber, wie viele wirklich bereit wären, sich ernsthaft zu engagieren. Bisher sind es gerade mal ein Dutzend. So viele Mitglieder hat zumindest die Interessengruppe Freunde des Volkshauses. Die gibt es seit 2018 als losen Zusammenschluss von Menschen, denen es nicht genügt, nur Bilder in die Fenster des stark sanierungsbedürftigen Gebäudes zu hängen. Deshalb wandten sich jetzt einige von ihnen an die Medien – mit dem Ziel, das Volkshaus mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und vor allem, um Mitstreiter zu finden.

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Peter Sievers erzählt, wie er mal eine Gruppe Jugendlicher durch das Objekt führte. „Die hatten das Volkshaus noch nie von innen gesehen und kamen aus dem Staunen nicht heraus, was man damit alles anfangen könnte“, sagt er. Liebend gerne würde er auch anderen Bürgern einen Blick hinein gewähren und sie herumführen. Das ist jedoch nicht möglich. Der Zutritt ist aus Sicherheitsgründen untersagt. Die Forderung nach der Sicherung des Gebäudes steht deshalb bei der Interessengruppe ganz oben auf ihrer Vorhabenliste. „Und die Dachsanierung“, wie Elvira Slawinski ergänzt. Sie war die letzte Wirtin im Volkshaus, hatte 1999 gekündigt, „weil damals schon das Dach kaputt war und es bei der Zubereitung von täglich 1.000 Essen ständig reinregnete“. Sie stieß (als vorerst Letzte) zur Gruppe – wegen ihres besonderen Bezugs, sagt sie. Dachsanierung, das Wort habe sie im Zusammenhang mit dem Volkshaus noch nie gehört, fügt sie hinzu.

Durch gezielte Aktivitäten wollen die Freunde des Volkshauses Interesse wecken. Wie mit den Filmabenden im vorigen Jahr, die zusammen mit Filmland Sachsen im Garten veranstaltet wurden. Dass sie das noch erleben dürfe, war beispielsweise die Reaktion einer begeisterten Besucherin.

Ein Anfang im Volkshaus-Garten

Deshalb soll es auch 2020 Filmvorführungen geben und jeweils am Morgen danach einen Frühschoppen im Volkshaus-Garten. Wer Lust hat, könne dann den Film auswerten, oder sich einfach zu einem gemütlichen Plausch einfinden. 2019 wurde mit dem Stadtchor erstmals ein Weihnachtsliedersingen veranstaltet. Auch das kam – nicht nur wegen des ausgeschenkten Glühweins – richtig gut an. Es sind kleine Schritte, mit denen die Volkshausfreunde Unterstützer gewinnen wollen. Oder wie sie selber sagen: „... mit kleinen Sachen den Bürgern Freude machen“. Größeres gehe mit zwölf Leuten nicht. Es war geradezu ein Glücksfall, dass das Volkshaus zusammen mit dem Neufert-Bau in das Modellfall-Projekt „Masz aller Dinge“ zum 100-jährigen „Bauhaus“-Jubiläum einbezogen wurde.

Dankbar sind die Volkshausfreunde, dass ihnen Weißwasseraner Firmen finanziell unter die Arme greifen. „Nur deshalb war das, was wir bisher gemacht haben, überhaupt möglich“, sagt Hella Kramer. Im Augenblick habe die Gruppe nicht mal die Möglichkeit, im Volkshaus Strom und Wasser zu nutzen. „Aber wir möchten unbedingt etwas auf die Beine stellen, damit das Gelände und das Gebäude nicht weiter verrotten“, erklärt sie. Im Frühjahr wollten sie den Bürotrakt aufräumen. Doch wegen Corona ist es dazu nicht gekommen.

Seit neuestem ist die Gruppe Mitglied im Stadtverein Weißwasser und kann so wenigstens einen Raum im Stadtpavillon für die 14-tägigen Treffen jeweils Donnerstag um 16 Uhr nutzen. Und man könne nun auch selbst Veranstaltungen anmelden, betont Peter Sievers. Eigenes Geld hat die Interessengruppe aber nicht. Und, wie bei dem Gespräch am Donnerstag verlautete, auch keine Möglichkeit, an solches zu gelangen. „Wir sind nicht förderfähig“, sagt Christine Sievers. Für eine bloße Interessengruppe ohne feste Vereinsstruktur gab es trotz mehrerer Anträge kein Geld aus dem Sächsischen Mitmach-Fonds, bleiben auch alle anderen Fördertöpfe verschlossen. Deswegen sucht man Macher, die Ideen haben – aber vor allem Geld.

Aufgeben ist keine Option

Einziger Ausweg: die Gründung eines Vereins. Doch es gibt mit dem Förderverein „Denk mal mit Leben“ bereits einen solchen in Weißwasser, würde ein zweiter mit gleichem Ziel wenig Sinn machen. Die Gegebenheiten hätten dazu gezwungen, die Interessengruppe der Freunde des Volkshauses zu gründen. Einige Mitglieder sind sogar in dem Förderverein drin, andere wie Peter Sievers inzwischen aber ausgetreten. Über die Gründe will man sich nicht äußern. Nur so viel: „Wir haben den Verein immer eingeladen, um zu einem gemeinsamen Handeln zu kommen. Leider wurde unsere ausgestreckte Hand immer zurückgestoßen“, erklärt Hella Kramer.

Aus Sicht der Stadt ist ein tragfähiges Nutzungskonzept das A und O für alle weiteren Gedankenspiele. Das ist auch Peter Sievers klar. Er sagt: „Ein solches Konzept ist aber nur mit allen zusammen zu erarbeiten und nicht wie in der Vergangenheit, dass jeder dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt.“ In ihren Bemühungen lassen die Freunde des Volkshauses dennoch nicht nach. „Wir wissen, dass es schwierig ist, das haben wir leibhaftig immer wieder erfahren. Aber wir geben nicht auf.“

Mit-Macher gesucht: Telefon 03576 4080740 (Anrufbeantworter)

oder per Mail: [email protected]

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