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Wann taucht das Geibeltbad wieder auf?

Das Wasser ist zwar kalt, aber noch da. Binnen zwei Tagen könnte die Halle in Pirna öffnen. Wenn Corona es zuließe.

Da kannte die Welt noch kein Corona: Schwimmshow am Sprungturm des Pirnaer Geibeltbads 2019. Wann die Saison dieses Jahr losgeht, ist völlig offen.
Da kannte die Welt noch kein Corona: Schwimmshow am Sprungturm des Pirnaer Geibeltbads 2019. Wann die Saison dieses Jahr losgeht, ist völlig offen. © Daniel Förster

Er hat schon viel mitgemacht bei den Pirnaer Stadtwerken, darunter das Ende der DDR, diverse Umorganisationen, zweimal Hochwasser, die Übernahme der städtischen Bäder. Das Paradestück, die Halle des Geibeltbads, hat der Ingenieur Rico Eglin selbst mit geplant, gebaut, betriebsbereit gemacht. Auch nach zwanzig Jahren ist die Wasser- und Saunalandschaft voll in Schuss. Und trotzdem fürs Publikum gesperrt. Auf unbestimmte Zeit. Unvorstellbar, sagt Eglin, zumindest bis vor Kurzem. "Keiner hätte je geglaubt, dass sowas mal passiert."

Wegen Corona sind landesweit alle Bäder dicht. Auch das Geibeltbad im Gottleubatal, das mit fast 3.000 Quadratmetern Wasserfläche und jährlich etwa 220.000 Besuchern zu den größten und populärsten Anlagen der Region zählt, musste Mitte März auf Anordnung der Behörden schließen. Eine noch nie dagewesene Situation für Rico Eglin, Abteilungsleiter Bäder, bei den Stadtwerken. Etwa vierzig Kollegen haben Kurzarbeit. Er auch. Einzig eine Verwaltungskraft und zwei Techniker sind im Badbereich weiter voll beschäftigt.

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Was gibt es noch zu tun? Eigentlich läuft die Technik vollautomatisch. Dem Wasser und den Pumpen ist es einerlei, ob sich Menschen darin tummeln oder nicht. Der Kreislauf geht wie immer: Einströmen am Beckenboden, Ausfluss in den Überlauf, weiter in den Ausgleichsbehälter, durch die Filter, durch die Heizung, etwas Chlor dazu, und wieder rein ins Becken. "Diesen Prozess können wir nicht abstellen", sagt der Badchef.

Abgetaucht auf unbestimmte Zeit: Mitte März musste das Geibeltbad wegen Corona schließen. Auch der Start in die Freibadsaison ist unklar.
Abgetaucht auf unbestimmte Zeit: Mitte März musste das Geibeltbad wegen Corona schließen. Auch der Start in die Freibadsaison ist unklar. © Daniel Förster

Doch das Volumen des Stroms wird reduziert. Normalerweise kommen auch pro Besucher etwa drei Eimer neues Wasser ins System, um die Sauberkeit zu fördern. Diese Menge wurde gedrosselt. Zudem ist die Temperatur des Badewassers deutlich gesunken, liegt jetzt bei zwanzig Grad. Zuvor waren es in manchen Becken über dreißig.

Die Abkühlung hilft Energie zu sparen. Weiter senken werde man die Temperatur jedoch nicht. Man könne nie wissen, wie die Bodenbeläge auf zu große Temperaturunterschiede reagieren, sagt Rico Eglin, ob es zu Spannungen kommt, die Fliesen aufbrechen. "Dann kann es schnell sehr teuer werden."

Ganz allein lässt man die Aggregate des Badelandes aber nicht arbeiten. Täglich kommt ein Techniker zum Routine-Check vorbei. Er geht durchs ganze Gebäude, schaut, ob alles heil ist, misst alle Wasserparameter mit Hand nach, füllt Verbrauchsstoffe wie etwa das Chlor auf, wechselt kaputte Lampen, führt das Betriebstagebuch. Etwa zwei Stunden nimmt so ein Kontrollgang in Anspruch.

Trotz Schließung: Einsam waren die Techniker bei ihren Runden oft nicht. Die Badleitung hat die Chance genutzt und hat Wartungsarbeiten, die eigentlich erst in den Reinigungswochen im Mai hätten stattfinden sollen, vorgezogen. So war der TÜV im Haus und prüfte die Konstruktion aus Stahlseilen, die das Glasdach über dem Nichtschwimmerbecken trägt. Eine aufwendige Aktion, vor allem wegen des zehn mal zehn Meter breiten und sechs Meter hohen Gerüstes. Gemalert wurde auch gleich mit.     

Großveranstaltungen sollen bis Ende des Sommers tabu sein. Ein heißer Tag kann weit über 2.000 Menschen ins Geibeltbad locken.
Großveranstaltungen sollen bis Ende des Sommers tabu sein. Ein heißer Tag kann weit über 2.000 Menschen ins Geibeltbad locken. © Daniel Förster

Das reguläre zweiwöchige Großreinemachen wird ab 4. Mai trotzdem stattfinden. Danach könnte die Halle jederzeit wieder öffnen. Rico Eglin setzt für das Aufwärmen der Badebecken etwa zwei Tage an. Aber wann wird es soweit sein? Eglin hebt die Hände. Er ist kein Hellseher. Dass sich vor Ende Mai etwas Definitives sagen lässt, hält er beinahe für ausgeschlossen. "Und dann steht schon der Sommer vor der Tür."

Der Sommer. Zeit fürs Freibad. 20.000 bis 30.000 Gäste, je nach Wetter. Regulär würde die Saison am 16. Mai starten. Doch die Vorbereitungen, also Becken leeren, Laub ausräumen, Moos abbürsten, neu befüllen, Chemie einstellen, Wasser beproben, liegen auf Eis. "Die Arbeiten beginnen erst, wenn ersichtlich ist, wann wieder geöffnet wird", sagt der Badchef.

Das Problem: Für ihn ist einfach nichts ersichtlich. Das Robert-Koch-Institut sieht die Lage an der Corona-Front unverändert kritisch. Und die Bedingungen, zu denen jetzt kleinere Geschäfte und einige öffentliche Orte wiederbelebt wurden, sieht Rico Eglin für sein Bad als unerfüllbar an. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie es gehen soll."

Abgesehen davon, dass niemand mit Mundschutz schwimmt:  Gänge und Kabinenbereiche sind so eng, dass die Mindestabstände nicht zu gewährleisten wären. Das selbe gilt für den Raum vor den Spinten und in den Duschen. Auch das Desinfizieren der Oberflächen, der Türgriffe, der Kassenautomaten, wäre kaum zu leisten. Und wer kontrolliert die Zwischenräume auf der Liegewiese?

Rico Eglin sagt, dass die Badöffnung eigentlich erst dann realistisch ist, wenn der Betrieb genauso laufen könnte, wie vor dem Virus. Bis es dazu kommt, so fürchtet er, könnte es noch viele Wochen dauern. Schließlich seien schon jetzt Großveranstaltungen bis Ende August abgesagt. Und sein Bad, sagt er, ist auch so etwas wie eine Großveranstaltung, jedenfalls wenn das Wetter passt. Zweitausend Gäste und mehr sind dann keine Seltenheit.

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