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Geising, ein Faschingsmärchen

Der 66. Umzug nimmt die kleine und große Politik aufs Korn. Für den Bürgermeister haben die Narren noble Ideen.

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Von Franz Herz

Was gehört zu einem guten Märchen? Ein Schloss, ein schönes Prinzenpaar, böse Tiere und eine gute Geschichte. All das hat der Geisinger Faschingsumzug gestern reichlich geboten. Das Motto lautete ja „Märchenhaftes Geising“. Prinzessin Jessica 1. und Prinz Sven 1. hatten den Prinzenwagen liebevoll als Moritzburger Märchenschloss gestaltet. Selbst an die drei Haselnüsse für Aschenputtel haben sie dabei gedacht. Rund 3 000 Zuschauer haben sich gestern bei bestem Umzugswetter das Ergebnis ihre Mühe angesehen.

Die Gruppe Fraulob schickt Alice mit dem Geldkoffer ins Wunderland.
Die Gruppe Fraulob schickt Alice mit dem Geldkoffer ins Wunderland.
Die Prinzengarde, hier Leutnant Madlen Scholz, führt mit der Faschingspolizei den Umzug an. Die jungen Mädels sind immer wieder ein Hingucker für die Zuschauer.
Die Prinzengarde, hier Leutnant Madlen Scholz, führt mit der Faschingspolizei den Umzug an. Die jungen Mädels sind immer wieder ein Hingucker für die Zuschauer.
Jens Gleditzsch mit seiner Frauentruppe aus 1001er-Nacht nimmt die Schweizer Ausländerpolitik aufs Korn. Ihre Kostüme waren ein Blickfang im gestrigen Umzug.
Jens Gleditzsch mit seiner Frauentruppe aus 1001er-Nacht nimmt die Schweizer Ausländerpolitik aufs Korn. Ihre Kostüme waren ein Blickfang im gestrigen Umzug.
Mit viel Liebe zum Detail gestaltet, rollte der Prinzenwagen als Märchenschloss im Geisinger Faschingsumzug mit. Fotos: Frank Baldauf
Mit viel Liebe zum Detail gestaltet, rollte der Prinzenwagen als Märchenschloss im Geisinger Faschingsumzug mit. Fotos: Frank Baldauf

Die weiteren Gruppen hatten ihre Märchenmotive mit Hintersinn gestaltet. Viele spießten die Idee von Olympia 2026 im Erzgebirge auf. Die Gruppe Tiebel ließ den „Rumpelstilz vom Altenberg“ aus Stroh Goldmedaillen spinnen und singen: „Heute bau ich, morgen plan ich und übermorgen hole ich Olympia“. Um das alles zu bezahlen, rollte ein Dukatenesel mit fünf Ringen mit. Ein anderes Bild zeigte „Kaiser Kirstens neue Kleider“. Da durfte der Altenberger Bürgermeister, Thomas Kirsten, in verschiedene noble Rollen schlüpfen und sich in vielen Spiegeln bewundern, beispielsweise als Olympia-Präsident.

Rotkäppchen war auch beliebt. Denn zu ihr gehört der Wolf, und der sorgt im Osterzgebirge für Furore. Schneewittchen geriet mal ins Milieu als Schneeflittchen. Mal spürte sie den Fachkräftemangel, weil ihr Zwerge für ihr Bergwerk fehlen. „Vielleicht zahlt sie ja zu wenig Lohn“, vermutete Moderator Silvio Maschek.

Diese Sorgen haben die Politiker nicht, die ihre Diäten selbst festlegen können und dann leben wie im Schlaraffenland. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, der ebenfalls nach Geising gekommen war, kannte aber keinen von den Schlaraffen auf dem Umzugswagen, wie er versicherte.

Die Geisinger Narren haben dieses Mal sogar Außenpolitik gemacht. Eine Gruppe wie aus 1001er-Nacht stellte fest, dass sie als Orientalen im Alpenland nicht willkommen wären, aber in Geising. Anders ging das Feministin Alice Schwarzer, die ihr Geld ins Wunderland des Steuersparens getragen hat. Bleibt als Fazit: Die kleine und die große Politik bieten viele verrückte Themen, und die Narren machten daraus ein schönes Geisinger Faschingsmärchen.