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Geknickte Bäume, abgedeckte Dächer

Der Orkan Xaver hat es im Landkreis Meißen vor allem auf Bäume abgesehen. In Großenhain fällt ein Strommast um.

Von Catharina Karlshaus, Peter Anderson und Peter Redlich

Der ganz große Schaden bleibt dieses Mal aus. „Großenhain ist glücklicherweise weitestgehend verschont geblieben“, sagt Diana Schulze gestern auf SZ-Anfrage. Wie die Rathaussprecherin erklärt, sei am Donnerstagabend lediglich ein Strommast der Enso in Zschauitz umgekippt. Darüber hinaus eine bereits morsche Birke im Stadtpark und zwei kleine Bäumchen auf dem Großenhainer Weihnachtsmarkt. Geschlossen werden, so Diana Schulze, musste dieser jedoch nicht. „Im Gegensatz zu anderen Städten haben wir Glück, dass er sich inmitten von Häusern befindet und dadurch gut geschützt ist.“

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Den Naturgewalten zum Opfer fällt hingegen ein stattlicher Baum im Lauterbacher Park. Völlig entwurzelt liegt er inmitten des Weges, der heute zum Weihnachtsmarkt führen soll, und muss deshalb schnell weggeräumt werden.

„Bei uns ist es trotz des Sturmes ruhig gewesen“, vermeldet Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel (DSU) am Vormittag erleichtert. Bestandsaufnahme im Schlosspark habe er wegen der Gefahr von vielleicht doch noch umstürzenden Bäumen zwar noch nicht gemacht. „Aber die Feuerwehren mussten in der Nacht nicht ausrücken, und insofern bin ich ganz optimistisch“, so Weigel.

Schreck in den Nachtstunden dagegen im Nossener Schollglaswerk: Der Orkan Xaver reißt in der Nacht von Donnerstag zu Freitag Teile des Flachdaches von der riesigen Halle ab. Kräftige Windböen tragen den Belag auf die nur unweit entfernt verlaufende Bundesstraße 101. Die Verbindung zur A 14 muss kurzzeitig gesperrt werden. Nach Auskunft der Zentrale des Unternehmens wird in den Vormittagsstunden sofort daran gegangen, die Reste des Hallendachs zu sichern. Ausläufer von Xaver sollen keine Chance erhalten, das Werksgebäude stärker zu beschädigen. Nähere Details zu dem Unfall will der Betrieb nicht veröffentlichen. Unklar ist, bis zu welchem Grad die Produktion an dem Standort weiterläuft. Für Schollglas ist der Schaden ein Rückschlag auf dem Weg zur Sanierung speziell des Werkes im Gewerbegebiet Heynitz-Lehden. Ende vergangenen Jahres war es hier zu tiefen Einschnitten für die Belegschaft gekommen.

Neben Nossen wird aus Roßwein ein zweiter schwerer Sturmschaden gemeldet. Dies deutet darauf hin, dass der Klosterbezirk und das Vorerzgebirgsland von dem Orkan besonders stark betroffen sind. In Roßwein legen heftige Böen auf dem Weihnachtsmarkt den Baum um. Zu Schaden kommt jedoch niemand. Nördlich des Klosterbezirks rücken die Feuerwehren in der Nacht zum Freitag vor allem wegen umgestürzter Bäume aus. Nach Aussagen der Gemeindeverwaltung Käbschütztal fallen in Niederjahna zwei Stämme über die Straße. Die Feuerwehr aus Löthain fährt los, kommt aber über Oberjahna nicht hinaus, da dort ein weiterer Baum quer liegt. Die Kameraden aus Krögis eilen zu Hilfe. In Lommatzsch wird die Feuerwehr wegen des gleichen Problems alarmiert.

Die Kreisstadt Meißen scheint durch ihre geschützte Lage im Elbtal vor Ärgerem bewahrt worden zu sein. Die Feuerwehr sei zwar in Bereitschaft gewesen, habe jedoch nicht eingreifen müssen, heißt es aus dem Feuerwehrgerätehaus auf der Großenhainer Straße. Steffen Sang, Bürgermeister von Niederau (parteilos), bestätigt diese Einschätzung. Aus seiner Gemeinde seien ihm keine Vorkommnisse bekannt, sagte er. Der Wind habe Spitzengeschwindigkeiten von 90 Kilometern pro Stunde erreicht.

Teilweise kritisch ist die Lage in Radebeul: Bereits am Donnerstagabend fliegen Baustellenabsperrungen samt Beleuchtung und Verkehrsschildern an der Bahnhofstraße in Kötzschenbroda durcheinander. Autofahrer haben rechtzeitig ihre sonst in der Nähe geparkten Fahrzeuge in Sicherheit gebracht. Unterm Laternenpfad auf dem Weihnachtsmarkt in Kötzschenbroda werden sämtliche Holzkonstruktionen durcheinandergewirbelt. Das soll bis zum Sonnabend aufgerichtet und die Laternen ebenfalls wieder angebracht sein.

Wenige Schritte weiter in der Uferstraße bietet der Zaun um den Weihnachtsmarktparkplatz den Böen zu viel Widerstand und wird auf fast der gesamten Länge auf die Straße gekippt. Stadtwehrleiter Roland Fährmann: „Die Feuerwehr hat den Zaun wieder aufgerichtet und gesichert.“ Am Freitagmorgen reißt der heftige Wind einen Schuppen aus der Verankerung. Beide Male können die Feuerwehrmänner rechtzeitig eingreifen.