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Mit Mundschutz ins "Corona-Abitur"

An den Gymnasien in Riesa stehen die Prüfungen bevor. Die SZ hat nachgefragt, wie die Schulen die Phase unter den jetzigen Bedingungen angehen.

Eine Stadt, vier Gymnasien, dutzende Abiturienten: Am Heisenberg-Gymnasium (o.l.), dem BSZ für Technik und Wirtschaft (o.r.), dem Rudolf-Stempel-Gymnasium (u.l) und dem Städtischen Gymnasium im Haus Planck (u.r.) finden bald Prüfungen statt.
Eine Stadt, vier Gymnasien, dutzende Abiturienten: Am Heisenberg-Gymnasium (o.l.), dem BSZ für Technik und Wirtschaft (o.r.), dem Rudolf-Stempel-Gymnasium (u.l) und dem Städtischen Gymnasium im Haus Planck (u.r.) finden bald Prüfungen statt. © Sebastian Schultz

Riesa. Sie gehören eigentlich kurz vor Schuljahresende  in den weiterführenden Schulen dazu: Die Schilder, die um Ruhe bitten, weil die Abschlussprüfungen laufen. Dieses Jahr kann auf sie vielleicht verzichtet werden. Außer den Prüflingen und einigen Lehrern wird ohnehin kaum jemand in den Schulgebäuden sein. Denn nur die Abschlussklassen dürfen ab kommender Woche in die Schulen zurückkehren. 

Auch in Riesas Gymnasien* startet dann die heiße Phase der Abiturprüfungen. Dass diese stattfinden, begrüßen die Direktorinnen des Heisenberg-Gymnasiums Sylvia Mebus und des Städtischen Gymnasiums Silke Zscheile ausdrücklich. "Es gibt keine Begründung dafür, die Abiturprüfungen auszusetzen", so Silke Zscheile, in deren Schule es dieses Jahr 72 Abiturienten gibt. "Das hätte ich nicht mitgetragen", sagt Sylvia Mebus, die mit 38 Schülern deutlich weniger Prüflinge hat. "Das würde den Schülern ein Leben lang als minderwertiges Abitur anhängen." 

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Faires Zeugnis auch ohne Prüfungen

Der Leiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Michael Hampsch hätte indes kein Problem damit gehabt, wären die Prüfungen für seine 61 Abiturienten dieses Jahr ausgesetzt und die Abschlussnoten aus den Vorleistungen gebildet worden. Die Schüler hätten sich während der dreijährigen Abiturphase schließlich bewiesen – und die Fachlehrer hätten auf Grundlage der Noten auch ein faires Abschlusszeugnis ausstellen können, ist Michael Hampsch überzeugt.

Nun aber werden Prüfungen stattfinden – unter besonderen Bedingungen für Lehrer und Schüler. Um den Infektionsschutz während der letzten Vorbereitungstage und während der folgenden Prüfungen zu gewährleisten, sollen ab kommender Woche strenge Hygiene- und Abstandsregeln  in den Schulen gelten, hieß es in einer Mitteilung des Kultusministeriums vom Mittwochabend. Donnerstag spezifizierte die Dresdner Behörde ihre Vorgaben (siehe Infokasten am Ende).

Übereinstimmenden Angaben von Riesaer Schulleitern zufolge, sollen Masken und Desinfektionsmittel vom Freistaat gestellt werden und ab Montag zum Einsatz kommen. Laut  Kultusministerium sind die Schüler über Infektionsschutzmaßnahmen wie Hand-, Husten- und Schnupfenhygiene sowie Abstandsregeln zu belehren, wenn sie das Schulgebäude kommende Woche erstmals wieder betreten.

Genügend Räume und Aufseher

Was die eigentlichen Prüfungen angeht, sehen sich die Schulen sowohl räumlich als auch personell gut vorbereitet. Um den nötigen Abstand zwischen den Schülern herzustellen, seien genug Räume da, sagt etwa Silke Zscheile. Kollegin Sylvia Mebus ist wegen der eher geringen Zahl an Abiturienten entspannt. Lediglich in den Fächern, in denen es viele Prüflinge gibt – Deutsch und Mathematik – müssten die Schüler diesmal voraussichtlich auf zwei Räume verteilt werden, statt sie wie sonst gemeinsam in der Schulaula zu platzieren. "Wir haben dafür zwei Räume, die ohnehin nur für Klausuren genutzt werden, sind also sehr gut aufgestellt." 

Wenn die Prüflinge auf mehr Räume verteilt werden, braucht es allerdings auch mehr Lehrer, die als Aufseher fungieren. Aber auch darin sehen die Schulleiter keine allzu große Hürde. Silke Zscheile vom Städtischen Gymnasium verweist darauf, dass mehr Lehrer zur Verfügung stünden, da in den unteren Klassenstufen kein Präsenzunterricht stattfinde. Und auch Sylvia Mebus sagt: "Wir kriegen das hin."

Gleichwohl wird in Riesa nicht jede Lehrkraft bei den Prüfungen als Aufseher eingesetzt. Sylvia Mebus will im Heisenberg-Gymnasium gesundheitlich vorbelasteten Kollegen aus der Schusslinie nehmen. Im städtischen Gymnasium ist eine schwangere Lehrerin außen vor. Das Kultusministerium teilte am Donnerstag dazu mit, dass Schulleitung und zur Risikogruppen gehörende Lehrer "eigenverantwortlich geeignete Vorgehensweisen" finden sollen. Schüler, die zur Risikogruppe gehören, sollen sich laut Ministerium rechtzeitig vorab in der Schule melden. Manch Schulleiter hätte sich unterdessen klarere Hinweise gewünscht, wie die Risikogruppen zu definieren sind. 

Vorfreude auf Prüfungen

Auch wenn das "Corona-Abitur" an mancher Stelle mehr Aufwand bedeutet – an anderer Stelle sinkt er. Sylvia Mebus zum Beispiel findet die Regelung gut, dass diesmal neben der Erst- auch die Zweitkorrektur der Abiturprüfungen an der "Heimatschule" der Schüler stattfindet. Das befürworte sie schon seit Jahren, so die Leiterin des Heisenberg-Gymnasiums. In den vergangenen Jahren hätten die gesammelten Prüfungsaufgaben immer mit dem Auto nach Dresden transportiert werden müssen, von wo sie dann in eine andere Schule für die Zweitkorrektur verteilt wurden. "Ein Wahnsinns-Verwaltungsaufwand", der nun vernünftigerweise wegfalle. Dass die Noten weniger objektiv ausfallen, wenn Lehrer aus derselben Schule die Aufgaben zum Beispiel in Deutsch kontrollieren, glaubt die  Schulleiterin nicht.

Aber wie finden es eigentlich die Schüler, dass die Prüfungen – wenn auch unter besonderen Vorzeichen – wie geplant stattfinden und nicht ausfallen? "Die Schüler, mit denen ich gesprochen habe, fiebern den Prüfungen entgegen", sagt Schulleiterin Silke Zscheile vom Städtischen Gymnasium. Wortwörtlich habe ihr eine Schülerin aus ihrem Deutsch-Leistungskurs gesagt: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich auf die Prüfungen freuen würde." 

Regeln für Infektionsschutz in den Schulen

Nur Schüler ohne "respiratorische Symptomatik" (das sind zum Beispiel Husten oder Atemnot) dürfen die Schulen betreten. Nach dem Betreten  soll jeder Schüler die Hände waschen oder desinfizieren. Über Hygienemaßnahmen muss die Schule die Schüler aktenkundig informieren.

Um die Abstände zu vergrößern und wenige Schüler beieinander zu haben, sollen große Räume genutzt und Klassen geteilt werden. Die Räume sollen regelmäßig gelüftet werden.

Schüler, die zu einer Risikogruppe gehören, sollen die Schulgebäude entweder durch einen gesonderten Eingang oder zu einer bestimmten Zeit einzeln betreten und wenn nötig die Prüfung in einem eigenen Raum absolvieren.

Bei Toilettengängen während Prüfungen soll darauf geachtet werden, dass sich Schüler nicht begegnen. Vor den Toiletten sollen Wartebereiche eingerichtet werden, für die es einen Aufseher gibt. (Quelle: SMK)

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*Die SZ hat auch das Christliche Gymnasium Rudolf Stempel um Antworten auf die Fragen gebeten. Die Schule war bisher dazu nicht erreichbar.

Das Riesaer BSZ stellt auf seiner Webseite aktuelle Informationen für Schüler, Eltern und Lehrer zu Abläufen ab kommender Woche bereit.

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