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Geld für Kitas kontra Müllgebühren für alle

Einrichtungen konnten sich bisher mit Papiersammeln problemlos ein Taschengeld verdienen. Der Entsorger Veolia stoppt das nun als erster. Zu Recht? Zwei Kommentare.

© SZ Bildstelle

Große Sammelcontainer an Kitas und Schulen gibt es zwar noch. Für die Entsorgungsbetriebe wird es aber immer schwerer, die Kosten für Bringen und Abholen zu stemmen. Denn die Preise auf dem Papiermarkt sind gesunken. Der Löbauer Betrieb Veolia verlangt nun eine Gebühr. Und löst damit einen Aufschrei aus. Denn das Sammeln im Großcontainer lohnt sich kaum noch, wenn die Gebühr zu entrichten ist. Zwei SZ-Redakteure betrachten die Lage. 

"Gut, dass das aufhört"

Von Thomas Mielke

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Ich höre schon das Totschlag-Argument: Aber es ist doch für die Kinder ... Ja, natürlich ist es schön, wenn Kitas, Schulen und andere Altpapier sammeln, es verkaufen und sich so die Klassen- oder Hortkasse aufbessern. Aber ist den Eltern klar, dass sie alle anderen, die nicht freiwillig für die Grundschule A in Dorf B sammeln wollen, mitbezahlen lassen? Das Altpapier in den Blauen Tonnen hilft nämlich, den Gesamt-Müll-Preis zu stabilisieren. Während der Restmüll zum Beispiel richtig Geld kostet, macht der Abfallzweckverband mit Pappe und Papier Gewinn. Dieser wird gegen die Kosten gerechnet, sodass die Abfallgebühren, die alle zahlen müssen, geringer ausfallen. 

Wenn es nur um ein paar Kilogramm ginge, wäre das zu verschmerzen. Aber in den letzten Jahren hatte man das Gefühl, dass fast jede Schule und jede Kita sammelt. In der gesamten Oberlausitz. Und wenn man noch dazu die Erfolgsmeldungen hört, wie viele Tonnen jede einzelne Grundschule zusammengetragen hat, wird schnell klar, dass da relevante Größenordnungen aus dem Gebührensystem abgezogen werden. Wenn nun die Kosten für den Abtransport der Container so steigen, dass das Sammeln für Schulen und Horte keinen Sinn mehr macht, dann mag das für die einzelne Einrichtung schlecht sein. Sie muss sich nun neue Einnahmequellen erschließen. Wie wäre es mit einem Limostand beim Hexenbrennen? Für die Gebührenzahler dagegen kann diese Entwicklung nur gut sein.  

"Schade, dass es immer die Kleinen trifft"

Von Romy Altmann-Kühr

Da schwächelt ein Wirtschaftsmarkt und wer muss es wieder ausbaden? Klar - die Kleinen. In diesem Fall kann man das sogar wörtlich nehmen. Vielerorts wurde an Schulen und Kitas bisher eifrig Altpapier gesammelt. Das klappte jahrelang gut. Nun soll damit Schluss sein, weil es den Entsorgern weniger einbringt, als bisher. Sehr schade, denn: Papier ist ein wertvoller Rohstoff. Wie sollen Kinder das verstehen, wenn die alte Zeitschrift oder der ausgediente Pappkarton einfach bloß in die Blaue Tonne hinterm Haus fliegen? Ganz anders ist das doch beim bewussten Sammeln für Schule oder Kindergarten. Sie bringen das Papier hin, dafür kriegt ihre Schule ein bisschen Geld, es gibt ein neues Spielgerät, über das sie sich freuen können. Das ist ein Kreislauf, den sie begreifen. Und eine Einnahme bleibt dem Versorgungsunternehmen ja trotzdem. 

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Bislang finanzierten sich viele Kitas oder Vereine ein paar Extras mit dem Sammeln von Papier und Pappe. Diese Einnahmequelle versiegt nun immer mehr. 

Zum Glück machen einige private Entsorgungsfirmen da nicht mit. Sie lassen Kitas weiter sammeln und sponsern die Leerung der Container. Das Sammeln bringt ja nicht nur Geld, sondern kann auch den Umweltgedanken fördern. Wie trennt man Müll, was gehört in welche Tonne und was passiert mit dem Abfall? Die großen Sammelaktionen tragen immer auch dazu bei, dass sich Kinder - und nicht nur die - damit beschäftigen. Die Alternative wird nun wohl sein, dass sich die Eltern selber ins Auto setzen und ihr gesammeltes Papier zum Recyclinghof bringen, um das Geld der Klassenkasse zukommen zu lassen. Wenn nun aber jeder mit dem Auto dahin fährt, ist das für die Klimabilanz ziemlich schlecht. Das kann auch keiner wollen. 

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