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Geld gibt es erst, wenn es wirklich auf dem Konto ist

Ein neuer Aufdruckauf den Kontoauszügender Sparkasse Meißen verunsichert derzeitviele Kunden.

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Von K. Krüger-M. und Jörg Mosch

Ursula K. aus Kalkreuth beschwerte sich gestern bei der SZ über die Sparkasse Meißen. Die habe alle zum Monatsbeginn fälligen Abbuchungen von ihrem Konto blockiert, obwohl das neue Gehalt schon auf dem Kontoauszug stand. „Das Konto war doch gedeckt. Ich begreife das nicht“, schimpft Frau K. „Nur weil die Sparkasse offenbar Tagesgeschäfte mit meinem Geld macht, bekomme ich Mahnungen und muss jetzt alles von Hand überweisen.“

Legitimiert habe das Kreditinstitut sein Vorgehen mit einem Satz, der seit 1. Januar auf jeden Kontoauszug steht: „Der angegebene Kontostand berücksichtigt nicht die Wertstellung der einzelnen Buchungen. Dies bedeutet, dass der genannte Betrag nicht dem tatsächlichen Kontoguthaben entsprechen muss und bei Verfügungen möglicherweise Zinsen ... für eine Kontoüberziehung anfallen können.“

„Wunderbar“, empört sich Frau K. „Die arbeiten mit meinem Geld und kassieren dafür auch noch Überziehungszinsen.“

Wertstellung entscheidet

Das möchte Ralf Krumbiegel, der Pressesprecher der Sparkasse Meißen, so nicht stehen lassen. Er beruft sich auf eine Reihe von Gerichtsurteilen. Danach sei es ein Verstoß gegen Paragraph 3 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, wenn beim neuen Kontostand Buchungen berücksichtigt werden, für die noch keine so genannte Wertstellung erfolgt sei.

Letztere könne erst vorgenommen werden, wenn die überweisende Bank das Geld nicht mehr zurückbuchen kann. Es könne ja sein, dass das Konto des Überweisenden nicht gedeckt ist, so dass die Buchung storniert werden muss. Wenn dann die Zielbank das Geld schon an den Empfänger ausgezahlt hat, gebe es ernste Probleme.

Dass das so ist, bestätigt auch eine Mitarbeiterin der Deutschen Bank. Bei Schecks sei die Frist zwischen Gutschrift und Wertstellung acht bis zehn Tage, bei vielen anderen Buchungen aber nur einen Tag. Um ihre Kunden nicht im Ungewissen zu lassen, gibt die Deutsche Bank den Tag der Wertstellung zusätzlich auf den Kontoauszügen an.

Zu wenig Interesse am Chip

Und noch eine Neuerung bei der Sparkasse sorgte für Irritationen. Zahlreiche Kunden bekamen zu Jahresbeginn eine neue Sparkassen-Card. Doch während auf der Rückseite des Begleitschreibens die Vorteile der Geldkarte mit Chip angepriesen werden, erhielten nur die wenigsten Empfänger tatsächlich eine solche Karte.

„Aus wirtschaftlichen Gründen“, sagt Ralf Krumbiegel, Sprecher des Geldinstituts. Bislang hätten im Bereich Riesa von 100000 Karteninhabern nur 500 den Chip genutzt. „Wer darüber aber dennoch verfügen will, bekommt kostenfrei eine neue Geldkarte“, so Krumbiegel. Er muss sie nur bei der Sparkasse beantragen.

Ausgediente EC-Karten sollten zudem nicht einfach weggeschmissen werden. „Wir bitten die Kunden, sie auch bei uns abzumelden“, sagt Ralf Krumbiegel. Sonst werden sie im Computersystem weiter geführt und nach Ablauf der Gültigkeit neu verschickt. Dann bekäme der Kunde gleich mehrere Karten, was für die Sparkasse unnötige Kosten verursacht.