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Leben und Stil

Geldsparen beim Camper

Die Ökonomie des Teilens hat die Caravaning-Branche erfasst. Private Vermieter bieten alles an - vom einfachen Campingbus bis zum luxuriösen Wohnmobil. Die Nachfrage ist enorm.

Beim Wohnmobil-Sharing mieten Urlauber das Gefährt von Privatpersonen - auch ältere Camper stehen auf dem Internet-Portalen zur Auswahl.
Beim Wohnmobil-Sharing mieten Urlauber das Gefährt von Privatpersonen - auch ältere Camper stehen auf dem Internet-Portalen zur Auswahl. © Yescapa/dpa

Von Thomas Flehmer

Berlin. Der Kauf eines Wohnmobils ist eine große Investition. Für viele wohl zu groß. Doch auch hier gilt wie in vielen Mobilitätsbereichen: Teilen liegt im Trend. Verschiedene Portale bieten Wohnmobil-Sharing an. Was steckt dahinter?

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Portale wie PaulCamper, SHAREaCAMPER, Yescapa oder Campanda führen Interessierte und private Vermieter zusammen. PaulCamper zum Beispiel gibt es seit 2013. Seitdem habe man rund 35.000 Mieter gelistet, die durchschnittliche Vermietdauer betrage zehn Tage, sagt Dirk Fehse, der die Sharing-Plattform gegründet hat.

Ähnliche Zahlen weist der Anbieter Yescapa auf, der 2012 in Frankreich gegründet wurde und seitdem über 300.000 Vermiettage verzeichnet. "Das sind rund 820 Jahre Campingurlaub", sagt Levin Klocker von Yescapa. Das Portal ist auch in Großbritannien, Spanien, Portugal oder Italien aktiv. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete Yescapa nach eigenen Angaben 100.000 Vermiettage. Die Tendenz steige. So habe der März 2019 den Juli 2018 als historischen Rekordmonat bei den Vermietungen abgelöst: "Und das bereits in der Nebensaison."

Die ansteigende Nachfrage bringt bereits Probleme in geographisch begrenzten Gebieten. "Das Kontingent kann auf Inseln wie Ibiza oder Mallorca mit der Nachfrage nicht mehr mithalten", sagt Klocker.

Familien müssen in Wohnmobilen nicht auf Komfort verzichten, dafür aber auch eine höhere Tagesmiete einkalkulieren. 
Familien müssen in Wohnmobilen nicht auf Komfort verzichten, dafür aber auch eine höhere Tagesmiete einkalkulieren.  © Thomas Bender/CIVD/dpa

Beim Caravaning Industrie Verband (CIVD) begrüßt man den Trend, den man selbst allerdings nicht mit Zahlen unterfüttern kann. Die Portale seien ein Bereich, in dem der CIVD keine eigenen Erhebungen vornimmt, wie Daniel Rätz, Sprecher des Branchenverbandes, erklärt.

Rund 6500 Fahrzeuge stehen bei Yescapa zur Auswahl, um die 4300 sind es bei PaulCamper. Manche Vermieter bieten ein oder mehrere Fahrzeuge auf verschiedenen Portalen an, wie Fehse sagt.

Natürlich gibt es private Vermieter, die mit ihren Angeboten nicht nur die Kosten für das eigene Wohnmobil decken wollen, sondern auch eine Geschäftsidee darin sehen. "Wenn man öfter vermietet, finanziert man sich zudem den eigenen Urlaub", sagt Klocker, "oder schafft sich - wie einige Vermieter - mit dem Zusatzverdienst ein zweites Fahrzeug an, das fast ausschließlich der Vermietung dient und sich damit selbst finanziert."

Insgesamt aber sollen die Sharing-Portale den privaten Charakter erhalten. "Wir legen enorm viel Wert auf den persönlichen Kontakt, Transparenz und Nähe", versichert Fehse.

Der Mietpreis hängt von Zustand, Alter und Art des Mobils ab. Ein Campingbus kostet ab 50 Euro pro Tag, während für andere Modelle - teilintegriert, vollintegriert oder Alkoven - in der Hauptsaison mit mindestens 100 Euro täglich gerechnet werden muss. Und die sehr gut ausgestatteten Wohnmobile können noch teurer sein.

Ein Campingbus kostet ab 50 Euro pro Tag, während für besser ausgestattete Modelle -  in der Hauptsaison mit mindestens 100 Euro täglich gerechnet werden muss.
Ein Campingbus kostet ab 50 Euro pro Tag, während für besser ausgestattete Modelle -  in der Hauptsaison mit mindestens 100 Euro täglich gerechnet werden muss. © CIVD/dpa

"Die Mieter sind zu 90 Prozent zwischen 30 und 60 Jahre alt", sagt Fehse. Klocker ergänzt: "Paare und Freunde bevorzugen tendenziell den klassischen Campingbus, vor allem in Ländern wie Portugal. Familien benötigen zumeist etwas mehr Komfort und Raum, tendieren daher zum Alkoven, teil- oder vollintegrierten Modell."

Für ihre Vermittlung verlangen die Portale eine Provision vom Vermieter. Bei manchen muss man als Mieter eine Buchungsgebühr zahlen. Die vermittelten Wohnmobile sind versichert. Das ist ein wichtiger Vorteil der Sharing-Plattform gegenüber einer Anmietung von ganz privat, etwa über ein Kleinanzeigen-Portal.

Der ADAC weist darauf hin, dass man bei der Miete eines Wohnmobils von einer Privatperson nur dann Versicherungsschutz im Schadensfall hat, wenn dieses als Selbstfahrer-Vermietfahrzeug zugelassen und mit gewerblichem Vollkaskoschutz versehen ist. Das sollte man sich schon in den Reservierungsunterlagen bestätigen lassen.

Die Online-Portale hingegen arbeiten mit Versicherungen zusammen. Andere Streitfälle wie verunreinigte Rückgaben der Wohnmobile werden zunächst per Kaution geregelt. Gebe es bei der Rückgabe Probleme etwa mit Verschmutzungen oder nicht aufgefülltem Tank, könne der Vermieter diese ganz oder zum Teil einbehalten, erklärt Klocker von Yescapa. (dpa)

Wo darf ich mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen parken? 

Schon mit dem Auto kann die Parkplatzsuche in Städten Nerven kosten. Wirklich kompliziert wird es aber, wenn der Parkplatz genügend Raum für Wohnmobil oder Caravan bieten muss: Aufgrund der Länge und Breite der Fahrzeuge kommen viele normale Parkplätze von vornherein nicht in Frage. 

"Generell darf im öffentlichen Straßenverkehr dort geparkt werden, wo es nicht ausdrücklich durch Verkehrszeichen untersagt ist", verweist Verkehrsexperte Karsten Raspe vom Tüv Thüringen auf die Straßenverkehrsordnung (StVO). Dazu ist im Regelfall der rechte Seitenstreifen beziehungsweise der rechte Fahrbahnrand zu benutzen. 

Existieren entlang der Fahrbahn Parkstreifen, muss dort geparkt werden. Doch Vorsicht: Wird die Benutzung gekennzeichneter Parkflächen aufgrund der Fahrzeuggröße verhindert, ist das Parken dort unzulässig. "Wird ein Wohnmobil in einer sehr schmalen Parkbucht abgestellt, die eigentlich für Pkw vorgesehen ist und ragt es dann in den Verkehrsraum hinein, kann von einer Behinderung ausgegangen werden", so Raspe. Hier hilft es demnach auch nicht, mit zwei Rädern auf dem Bordstein zu parken. Das muss durch das entsprechende Zeichen "Parken auf Gehwegen" (315) erlaubt sein. 

"Ist das Parken auf Gehwegen durch das Zeichen 315 erlaubt, müssen Reisemobilisten auf die zulässige Gesamtmasse ihres Wohnmobils achten", gibt Karsten Raspe zu bedenken. "Übersteigt das Fahrzeuggewicht die 2,8-Tonnen-Marke, ist hier das Parken für diese Fahrzeuge verboten." Außerdem ist es nicht erlaubt, auf Gehwegen über Schachtdeckeln oder ähnlichen Anschlüssen zu parken. 

Für Wohnanhänger ohne Zugfahrzeug sieht die StVO einen maximalen Parkzeitraum von zwei Wochen vor. Darüber hinaus kennt die StVO aber auch grundsätzliche Einschränkungen für das Parken, die für alle Verkehrsteilnehmer gelten. So ist das Parken vor sowie hinter Kreuzungen und Einmündungen im bekannten Fünf-Meter-Abstand, vor Bordsteinabsenkungen oder vor Ein- und Ausfahrten - bei schmalen Fahrbahnen auch gegenüber - verboten.

Verkehrsexperte Raspe empfiehlt Wohnmobilfahrern, ihr Fahrzeug wann immer möglich auf dafür vorgesehenen Plätzen abzustellen. Am besten informieren sie sich schon im Vorfeld einer Reise, wo es diese gibt. In vielen Städten dürfen Park-and-Ride-Flächen genutzt werden, oft gibt es spezielle Parkplätze für Wohnmobile und Caravan.

Das einmalige Übernachten auf einem Parkplatz fällt in aller Regel unter den sogenannten Gemeingebrauch oder dient der Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit. Für längere Aufenthalte rät der Experte jedoch zur Fahrt auf den Campingplatz.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten sich Wohnmobil- und Caravan-Fahrer zudem bei Auslandsreisen mit den entsprechenden Regelungen des Ziellands sowie der Transitländer beschäftigen. (dpa) 

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