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Geldstrafe für Diebin von Blumenkästen

Eine Frau aus Tschechien und ihr Sohn standen in Zittau wegen Diebstahls vor Gericht. Die Frau wurde verurteilt – weil sie nicht das erste Mal gestohlen hat.

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Von Rolf Hill

Großschönau/Zittau. Mutter und Sohn aus der nordböhmischen Grenzstadt Varnsdorf (Warnsdorf) hatten sich dieser Tage wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Zittau zu verantworten. Ende März dieses Jahres seien beide mit dem Fahrrad in Großschönau unterwegs gewesen, erklärte der Staatsanwalt beim Verlesen der Anklageschrift. Dabei hätten sie von Wohnhäusern in Grenznähe zwei Blumenkästen gestohlen, in der Absicht, diese mit auf tschechisches Gebiet zu nehmen.

Nachdem beide Angeklagte anfangs erklärten, sich zum Tatbestand nicht äußern zu wollen, räumte die 52-jährige Mutter dann ein, es sei alles ihre Schuld gewesen. Der Sohn habe an ihrer Straftat keinerlei Anteil. Das war insofern glaubhaft, da eine Zeugin des Geschehens berichtete, dass eine der beiden Personen nur mit dem Fahrrad abseitsgestanden habe. Auch die von ihr herbeigerufene Polizei stellte fest, dass sich die beiden Blumengefäße nur auf dem Fahrrad der Mutter befanden. Die Beamten hatten beide gerade noch rechtzeitig vor der Grenze unweit des Lidl-Marktes erwischen können.

Umfangreiches Sündenregister

Aufgrund des späten Geständnisses der Frau war sowohl für den Staatsanwalt als auch für Richter Kai Ronsdorf diese Angelegenheit klar. Blieb somit noch der Blick in das Vorstrafenregister der beiden: Dabei zeigte sich, dass die Mutter bereits einmal in Deutschland straffällig war: 2008 hatte sie im Seifhennersdorfer Netto-Markt Bettwäsche und Textilien gestohlen und wurde damals zu 15 Tagessätzen je zehn Euro verurteilt.

Schwerer wiegt dagegen ihr Sündenregister im Heimatland: Es wies vier Eintragungen auf. Dabei immer wieder Diebstähle und am Ende sogar eine Brandstiftung. Auch der 29-jährige Sohn hatte im tschechischen Strafregister bereits zwei Eintragungen, die aber nichts mit einem ähnlichen Straftatbestand zu tun hatten.

Frau erhält Geldstrafe

Im Ergebnis der Beweisaufnahme und der Geständnisse beantragte der Staatsanwalt für die einschlägig vorbestrafte Mutter eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je vier Euro. Da man dem Sohn keine aktive Tatbeteiligung nachweisen konnte, beantragte er Freispruch. Diesen Anträgen der Staatsanwaltschaft schloss sich der Vorsitzende Richter im Wesentlichen an. Allerdings erhöhte er im Urteil die Strafe für die Mutter auf 30 Tagessätze. Er begründete dies mit den Vorstrafen, die sie sowohl in Deutschland als auch in Tschechien hat. Alle Prozessbeteiligten nahmen noch im Gerichtssaal das Urteil an.