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Geldstrafe für zwei Backpfeifen

Ein 22-Jähriger aus Leisnig soll einen 18-Jährigen geschlagen haben. Zeugen sahen die Tat nicht. Trotzdem gab es ein Urteil.

Von Helene Krause

Zum zweiten Mal steht der große, schlanke Mann mit den kurzgeschorenen, braunen Haaren vor Gericht, wieder wegen Körperverletzung. Am 4. September 2013 soll er in der Colditzer Straße in Leisnig einen 18-Jährigen zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. Grund für die Tat war, dass Leute aus der linken Szene das Klubhaus, in dem der Beschuldigte mit seinen rechten Freunden verkehrte, mit Farbe besprüht und Farbbomben gegen die Fassade geworfen hatten.

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„Ich ging die Straße lang“, erklärt der Geschädigte vor Gericht. „Da hielt ein Auto an. Der Angeklagte sprang von der Beifahrerseite und drückte mich gegen die Wand. Er wollte von mir wissen, wer das Haus besprüht hat.“ Bei dem Gerangel soll der Beschuldigte ihm zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. Das Opfer erlitt einen Riss an der Unterlippe. Weil der Geschädigte Angst hatte, von den Rechten belästigt zu werden und nicht mehr ungeschoren durch Leisnig gehen zu können, erstattete er erst drei Wochen noch dem Vorfall Anzeige bei der Polizei. Aufgrund der Anzeige erhielt der Angeklagte einen Strafbefehl. Er sollte 600 Euro Geldstrafe zahlen. Gegen den ging er in Einspruch. Der Fall landete vor Gericht.

Zum Tatvorwurf befragt, bestreitet der Angeklagte, den Geschädigten geschlagen zu haben: „Er hat mich geschubst. Ich schubste zurück.“ Mehr sei nicht vorgefallen. Sein Freund, der das Auto fuhr, sagt als Zeuge vor Gericht, dass er nur gesehen habe, wie die beiden sich schubsten und miteinander stritten. „Es war eine sehr emotionale Diskussion“, sagt er. Die Schläge hat er nicht gesehen. Eine weitere Zeugin hat von den Backpfeifen nur gehört. „Er rief mich an“, erklärt sie vor Gericht, „und erzählte mir von den Schlägen.“

Obwohl der Verteidiger auf einen Freispruch plädiert, weil Aussage gegen Aussage steht, gehen Staatsanwalt Detlef Zehrfeld und Richter René Stitterich von der Schuld des Angeklagten aus. Sitterich legt dem Beschuldigten und seinem Verteidiger nahe, den Einspruch zurückzuziehen, da bei einer Verurteilung die Geldstrafe höher ausfällt, als die im Strafbefehl. Daraufhin verlassen Verteidiger und Mandant den Gerichtssaal zur Beratung. Der Einspruch wird nicht zurückgenommen.

Das Gericht verurteilt den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 810 Euro. „Der Geschädigte hat keinen Belastungseifer gezeigt und die Tat vor Gericht genauso geschildert, wie damals bei der Polizei“, sagt Richter Sitterich in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.