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Bautzen

So viel hat jeder im Kreis Bautzen auf dem Konto

Jeder Einwohner besitzt 39.000 Euro und kann jeden Monat 174 Euro sparen – statistisch gesehen. Aber was heißt das?

© SZ Grafik

Etwa 91.000 Euro – so viel Geld hat im Durchschnitt jeder Einwohner im Landkreis Starnberg am Rande der bayerischen Metropole München auf der Kante. Jeder – da sind Säuglinge und Obdachlose mitgerechnet. Mit etwa einem Drittel davon müssen die Einwohner im nordrhein-westfälischen Landkreis Gelsenkirchen auskommen. 30.100 Euro – mit diesem Pro-Kopf-Vermögen ist der Norden des Ruhrgebiets das Schlusslicht aller 401 Landkreise und kreisfreien Städte in ganz Deutschland. Auf den Plätzen zwei und drei finden sich übrigens der Landkreis München und der Hochtaunuskreis wieder, auf den Plätzen 399 und 400 Vorpommern-Greifswald und die Stadt Halle an der Saale.

Der Landkreis Bautzen rangiert mit einer durchschnittlichen Habenseite von 39.000 Euro im deutschlandweiten Ranking auf Platz 345 von 401. In Sachsen belegt der Landkreis Bautzen immerhin den fünften von dreizehn Plätzen – zwar hinter Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, aber vor Görlitz und sogar der Landeshauptstadt Dresden. Aufgearbeitet hat diese Statistik auf Bitte der SZ die Deka-Bank, das Wertpapierhaus der Sparkassen.

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Aus dem Zahlenwerk der Deka geht hervor, dass im Kreis Bautzen die Einwohner von Elsterheide bei Hoyerswerda das meiste Geldvermögen besitzen: rund 56.300 Euro pro Person. Auch Wachau (51.800), Ottendorf-Okrilla (51.500) und Steina (48.800) stehen gut da. Das Wenigste haben im Landkreis die Einwohner in Puschwitz bei Bautzen angespart: etwa 29.700 Euro je Einwohner. Aber auch Bischofswerda (32.500), Frankenthal (33.700) und Wilthen (33.800) liegen am anderen Ende der Sonnenseite.

Speckgürtel am Rand der Kreisstadt

Die Gründe für diese Unterschiede liegen für Dirk Albers auf der Hand. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Bautzen führt zum einen höheres Geldvermögen im Dresdener Speckgürtel an, zum anderen die seit Jahrzehnten guten Löhne im Braunkohlerevier im Norden. Aber selbst am Rande der Kreisstadt gibt es so etwas wie einen Speckgürtel: Obergurig mit durchschnittlich 46.000 Euro Vermögen pro Einwohner steht deutlich besser da als zum Beispiel Cunewalde mit 37.300 Euro.

Sparpotenzial für den Vermögensaufbau ist im Landkreis Bautzen durchaus vorhanden, findet die Deka. Nach ihren Recherchen hat jeder Einwohner im Durchschnitt monatlich 174 Euro übrig und kann sie anlegen. Das ist so viel wie im sächsischen Landesschnitt, liegt aber unter dem Bundesmittel von 201 Euro. „Entscheidend ist, was die Sparer aus ihrem Vermögen machen“, sagt Deka-Volkswirtin Gabriele Widmann. „Insbesondere für die langfristige Geldanlage, so die Altersvorsorge ist es wichtig, auf renditeträchtige Anlagen wie beispielsweise Wertpapiere zu setzen.“

Doch das tun die wenigsten Sparer im Landkreis. Mehr als die Hälfte der Gelder liegen für wenig oder keine Zinsen bei Banken. Knapp jeder zehnte Euro ist bei Lebensversicherungen angelegt. Aktien besitzt nur jeder zwanzigste Einwohner des Landkreises, das ist weniger als im Bundesdurchschnitt. Fonds wiederum stehen Oberlausitzer etwas aufgeschlossener gegenüber als der Durchschnittsdeutsche. Allein in den letzten fünf Jahren hat der Fondsbesitz im Kreis Bautzen um 2,5 Prozent zugenommen. Sparkassenchef Dirk Albers freut sich, dass auch der Anteil der Aktienbesitzer in den letzten Jahren etwas gestiegen ist. Aktien seien „ein guter Renditebaustein in der Altersvorsorge. Andere europäische Länder leben es uns vor – denn dort besitzen Sparer deutlich mehr Aktien und erwirtschaften höhere Renditen.“

Reserven in Aktien und Fonds

Welche Reserven in Wertpapieren wie Aktien und Fonds schlummern, verdeutlicht diese Zahl: 95 Millionen Euro. So viel Geld verschenken die Sparer im Landkreis Bautzen insgesamt jedes Jahr, weil sie ihr Vermögen nicht zukunftsträchtig anlegen. Fast 54 Prozent der Kreisbewohner bunkern ihr Geld zinslos auf Tagesgeld- und Girokonten. „Das ist durchaus typisch für deutsche Anleger“, erklärt Deka-Volkswirtin Gabriele Widmann. „Ein Aussitzen der Niedrigzinsphase wird jedoch nicht funktionieren. Wir gehen davon aus, dass sich an der Zinssituation in den nächsten Jahren wenig ändern wird.“ Mit anderen Worten: Niemand soll sich große Hoffnungen machen, dass aus null Prozent Zinsen plötzlich wieder fünf Prozent werden, wie nach 1990 bei mancher Bank. Für das Bautzener Kreissparkassen-Vorstandsmitglied Gerald Iltgen steht fest: „Die fehlenden Zinsen machen sich in den Geldbörsen der Sparer bemerkbar.“

Aber ist der Besitz von Aktien und Fonds sinnvoll in einer Zeit, in der durch Corona die Kurse purzeln und sich Verunsicherung breitmacht? Ja, sagt Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Denn der gegenwärtige Börsencrash sei im Unterschied zu bisherigen zeitlich begrenzt – auch wenn im Moment niemand genau sagen kann, wie lange. In solchen Zeiten sollten private Aktiensparer „stoische Besonnenheit“ an den Tag legen, rät Kater. „Verluste werden dadurch erst Realität, dass man an solchen Tiefpunkten verkauft“, warnt Kater. „Denn dann hat man nicht mehr die Chance, an der nachfolgenden Erholung der Märkte zu partizipieren, wie sie auch nach diesem Kursrutsch wieder stattfinden wird.“

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