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Gelebte Tradition in Wittichenau

In der Mehrzweckhalle wurde mit mehr als 600 Gästen Vogelhochzeit gefeiert.

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Die Viertklässler aus der Wittichenauer Krabat-Grundschule dürfen alljährlich den sorbischen Brauch der Vogelhochzeit mit einem großen Fest ausleben, seit zwei Jahren sogar mit richtigen Hoyerswerdaer und katholischen Trachten.
Die Viertklässler aus der Wittichenauer Krabat-Grundschule dürfen alljährlich den sorbischen Brauch der Vogelhochzeit mit einem großen Fest ausleben, seit zwei Jahren sogar mit richtigen Hoyerswerdaer und katholischen Trachten. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Wittichenau. Der erste Monat im neuen Jahr ist schon wieder fast vorüber. Jetzt beginnen die ersten Vögel mit der Balz und der Nachwuchsplanung. Eingebettet in dieses immer wiederkehrende Ritual des Jahreskreises ist der uralte sorbische Brauch der Vogelhochzeit. Am Vorabend des 25. Januars stellen Kinder (leere) Teller auf die Fensterbretter oder vor die Türen. Am nächsten Morgen finden sich darauf gebackene Vogelnester und andere Leckereien. 

Sie symbolisieren Geschenke der Vögel, die sich damit für die Fütterung im Winter bedanken und gern etwas von ihrer „Festtagstafel“ abgeben. Die Krabat-Grundschule Wittichenau macht seit Anfang der 1990er-Jahre daraus ein großes Fest, dessen Vorbereitung bereits im Herbst beginnt. Denn wenn in Wittichenau gefeiert wird, dann richtig. Sorbische Bräuche und Traditionen werden zelebriert und somit an die nächsten Generationen weitergegeben.

Deshalb war vor zwei Jahren die Freude sehr groß, als die Krabat-Grundschule mit neuen Trachten ausgestattet wurde. Im Herbst eines jeden Jahres werden die sorgsam behüteten Kleidungsstücke aus ihren Truhen geholt, um sie für die Vogelhochzeit vorzubereiten. Unter dem wachsamen Auge von Gisela Scholze werden sie gewaschen, gestärkt, gebügelt, geformt und wenn nötig repariert. Es werden Pläne zum Ablauf geschmiedet, Termine abgestimmt, und die vierte Klasse beginnt mit der Probe des Hochzeitsprogramms. Alles will gut vorbereitet sein. Und das war es auch.

Am Donnerstagnachmittag nahmen mehr als 650 Gäste an einer mit viel Liebe zum Detail geschmückten Festtagstafel Platz. „Ohne die vielen Helfer im Hintergrund könnten wir das gar nicht stemmen. Ganz besonderer Dank gilt unseren Eltern, Lehrern und Mitarbeitern sowie den vielen anderen fleißigen Helfern, die uns wieder großartig unterstützt haben“, erklärte Schulleiterin Gabriele Bulang.

Bis vor Kurzem wurde die Vogelhochzeit noch etwas anders gestaltet. Umzüge durch die Stadt, bei denen der Brautzug das Rathaus, den St. Adalbert Stift und das katholische Pfarramt besuchte, bildeten in den Vorjahren den Abschluss des Projekttages, bei dem der sorbische Brauch der Vogelhochzeit im Mittelpunkt steht. Warum nicht am Nachmittag das Elterncafé und andere Gäste mit einbeziehen, fragten sich die Organisatoren. Gesagt, getan. Dass die Entscheidung goldrichtig war, zeigten am Donnerstag die Begeisterung der Besucher und auch der Grundschüler selbst.

Braut und Bräutigam, das sind diesmal Mirijam Scholze und Michael Scholze, brauchen extra viel Zeit beim Anlegen der Trachten und natürlich die Unterstützung der Ankleidefrauen. Gleich 15 Frauen kümmern sich vom frühen Morgen an mehrere Stunden um den korrekten Sitz der Hoyerswerdaer Trachten und katholischen Trachten von Brautpaar, Braschka (Hochzeitsbitter), Brautführern, Patinnen, Brautjungfern und den anderen Festtrachtträgern. Der Teufel liegt hier im Detail.

Dann war es endlich so weit. Mit dem feierlichen Einmarsch des Brautzuges begann das große Fest. Es wurde nach altem sorbischem Brauch getanzt, gesungen und natürlich auch viel gelacht. „Ihr seid ein würdiger Brautzug. Das Programm und die gesamte Organisation sind großartig“, lobte Gabriele Bulang die Schüler. Das Publikum sah das ähnlich und honorierte die Hochzeitsfeier mit sehr viel Applaus.