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So wird die Lukaskirche neu

Ihre Geschichte ist kurz und wechselhaft, jetzt wird die Kirche seit Jahren saniert - am Donnerstag gibt es deshalb ein kleines Fest.

50 Meter hoch empor ragt der Turm der Lukaskirche in der Südvorstadt. Die ersten Sanierungsarbeiten sind jetzt abgeschlossen.
50 Meter hoch empor ragt der Turm der Lukaskirche in der Südvorstadt. Die ersten Sanierungsarbeiten sind jetzt abgeschlossen. © Sven Ellger

Dresden. Stefan Jarmer steht im Hauptturm der Lukaskirche über dem Glockenstuhl. Der ist jetzt wesentlich besser geschützt, erklärt der Dresdner Architekt. Der 54-Jährige hat mit seinen Mitarbeitern die Sanierung des Turms und des östlichen Treppenhauses ab 2015 geplant und die folgenden Arbeiten überwacht. Im Inneren und an der Fassade haben Handwerker seit 2017 viel geschafft. An diesem Donnerstag feiert Jarmer mit ihnen den Abschluss des ersten Abschnitts mit einem kleinen Baufest. „Das war aber nur der Auftakt für die weitere Sanierung der Kirche“, sagt Jarmer. Denn zu tun bleibt noch genug. „Dafür muss aber erst einmal die Finanzierung organisiert werden.“ 

Architekt und Bauüberwacher Stefan Jarmer steht im Hauptturm. Der Glockenstuhl ist jetzt wesentlich besser vor Wind und Wetter geschützt.
Architekt und Bauüberwacher Stefan Jarmer steht im Hauptturm. Der Glockenstuhl ist jetzt wesentlich besser vor Wind und Wetter geschützt. © Sven Ellger

Der Bau: Tiefe Fundamente am Südhang nötig

Die Lukaskirche war zwischen 1899 und 1903 nach Plänen des Leipziger Architekten Georg Weidenbach gebaut worden. „Die Bauzeit war verhältnismäßig lang“, sagt Jarmer. Dafür habe es aber gute Gründe gegeben. Der Baugrund am Südhang war schwierig. Deshalb mussten bis zu sieben Meter tiefe Fundamente gebaut werden, damit sie auf tragfähigem Untergrund standen.

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So sah die Lukaskirche nach ihrer Einweihung 1903 aus. Damals war der Südhang hinter ihr noch nicht bebaut.
So sah die Lukaskirche nach ihrer Einweihung 1903 aus. Damals war der Südhang hinter ihr noch nicht bebaut. © Sven Ellger

Bei der in der damals wachsenden Stadt errichteten Kirche gibt es eine weitere Besonderheit. Die meisten Gotteshäuser stehen an historischen Dorf- oder Stadtplätzen. Bei denen ist der Altar auf der Ostseite, bei der Lukaskirche hingegen auf der Südseite. Sodass das dreischiffige Langhaus mit seiner Turmfront in Richtung Zentrum steht.

Der Schaden: Bei Angriff knickte Turmspitze um

Bei den Luftangriffen im Februar 1945 wurde die Kirche von Stabbrandbomben getroffen. „Dadurch gab es Brandschäden am Turm und am südlichen Anbau“, erläutert der Architekt. Von Sprengbomben, die auf umliegende Gebäude fielen, wurden auch das Kirchendach und die Fenster zerstört. Zudem habe die starke Hitze der Stahlkonstruktion des fast 90 Meter hohen Turms so zugesetzt, dass die Spitze umgekippt war. „Sie hing wie eine alte Zipfelmütze runter“, erzählt Jarmer. Bis 1948 wurde die Kirche wieder notdürftig repariert. Die Bauschäden seien aber so groß gewesen, dass sie in den 1950er-Jahren wieder gesperrt werden musste.

Bei den Angriffen im Februar 1945 hatte die Kirche ihre Turmspitze verloren.
Bei den Angriffen im Februar 1945 hatte die Kirche ihre Turmspitze verloren. © Sven Ellger (Archiv)

Der Umbau: Kirchenraum wird zum Tonstudio

Durch eine glückliche Fügung habe sich dann der VEB Deutsche Schallplatten Berlin für die Lukaskirche interessiert. Wegen der guten Akustik, aber auch aufgrund der ruhigen und verkehrsgünstigen Lage wurde der große Kirchenraum zwischen 1964 und 1972 zum Tonstudio umgebaut. Seitdem konnte die Gemeinde die Kirche auch wieder für Gottesdienste nutzen.

Die Hülle: Besondere Technologie für Sandstein-Fugen

Die Kirche war seit der Einweihung vor 117 Jahren noch nie saniert worden. Das war für Jarmer und seine Mitarbeiter eine enorme Herausforderung. Zumal auch die Heizungstechnik, die Elektrik und die Sanitäranlagen sehr alt waren. Zuvor musste die Sandsteinfassade bereits mit Netzen gesichert werden, da einige Teile herabgefallen waren. 

Nach verschiedenen Versuchen sei entschieden worden, die Sandstein-Fassade nicht zu reinigen, um die natürliche Patina und somit das Aussehen zu erhalten. Allerdings mussten einige zu stark beschädigte Steine ersetzt werden. Der beim Bau verwendete Postelwitzer Sandstein konnte nicht eingesetzt werden, da die Brüche nicht mehr betrieben werden. Also wurde Cottaer Sandstein aus der Gegend von Pirna mit einer ähnlichen Farbe verwendet. 

„Es war besonders schwierig, die offenen Fugen instand zu setzen“, sagt Jarmer. Denn die sind nur drei Millimeter breit. Dafür wurde eine spezielle Technologie eingesetzt. Zuerst musste der Sandstein mit Tausenden Litern Wasser getränkt werden. „Das war nötig, damit er später nicht den dünnflüssigen Mörtel aufsaugt“, erklärt der Bauüberwacher. Letztlich konnten die äußerst dünnen Fugen dann mit Spezialmörtel so verpresst werden, dass sie gut verfüllt sind und wieder lange halten.

Hier hat die Gedenktafel an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ihren neuen Platz gefunden.
Hier hat die Gedenktafel an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ihren neuen Platz gefunden. © Sven Ellger

Die Überraschung: Gedenktafel hinter Wand entdeckt

Im Zuge der Arbeiten wurde auch das östliche Treppenhaus saniert. Beim Ausbau der Toiletten im Erdgeschoss entdeckten die Bauleute eine große Gedenktafel für Gefallene des Ersten Weltkrieges hinter einer Wand. „Wir haben lange gesucht, um einen würdigen Platz dafür zu finden“, sagt Jarmer. Den gibt es nun im ersten Obergeschoss des Aufgangs. Dort entfernten Handwerker zwei Zwischendecken, um den Raum mit dem historischen Gewölbe wieder herzustellen. Um die schweren Sandsteinplatten mit einem Spezialkran dorthin zu hieven, mussten sogar die Fenster ausgebaut werden.

Das ist ein Stück der freigelegten früheren Wandbemalung. Nach diesem Vorbild, nur etwas heller, wurden die Wände neu gestaltet.
Das ist ein Stück der freigelegten früheren Wandbemalung. Nach diesem Vorbild, nur etwas heller, wurden die Wände neu gestaltet. © Sven Ellger

Im Treppenhaus entfernten die Handwerker die alte Sprelacart-Verkleidung aus der DDR-Zeit. Entdeckt wurden Reste der originalen Bemalung. Nach dem Vorbild wurde sie wieder hergestellt, allerdings mit etwas helleren, freundlicheren Farben. 

Ein Blick ins frisch sanierte östliche Treppenhaus.
Ein Blick ins frisch sanierte östliche Treppenhaus. © Sven Ellger

Der Glockenstuhl: Anlagen vor Wind und Wetter geschützt

Der genietete Stahlglockenturm stammt von Claus Köpcke, der das Blaue Wunder entworfen hatte, das deutschlandweit als eine der schönsten Brücken gilt. Schließlich war er in der Lukaskirchgemeinde. „Es war das letzte Werk vor seinem Tod“, sagt Jarmer. Am Glockenstuhl sind jetzt die größten Schäden, beispielsweise durch Rost, beseitigt worden. 

Der stählerne Glockenstuhl wurde von Claus Köpcke, dem Planer des Blauen Wunders, entworfen.
Der stählerne Glockenstuhl wurde von Claus Köpcke, dem Planer des Blauen Wunders, entworfen. © Sven Ellger

Außerdem wurde der ohne seine Spitze 50 Meter hohe Turm zusätzlich gesichert. In Öffnungen bauten die Handwerker Türen oder Fenster ein, um das Innere vor Wind und Wetter zu schützen. Außerdem wurden die Schall-Lamellen so saniert, dass das Wasser wieder ablaufen kann. „Hinter ihnen haben wir Vogelschutzgitter angebracht, sodass Vögel nicht mehr innen nisten können. „Für die Turmfalken wurde jedoch außen ein Nistkasten angebracht“, erklärt er. 

Das Notdach des Turms verstärkten die Bauleute mit einer Holzkonstruktion. Der Förderverein der Kirche hat dort bereits eine Turmuhr wieder einbauen lassen.

Rund 1,5 Millionen Euro haben die jetzt abgeschlossenen Arbeiten insgesamt gekostet. Rund 60 Prozent davon sind Fördermittel.

Das ist der historische Dachstuhl, der noch saniert werden muss. Dort hängen alte Freileitungen aus den 1930er-Jahren.
Das ist der historische Dachstuhl, der noch saniert werden muss. Dort hängen alte Freileitungen aus den 1930er-Jahren. © Sven Ellger

Die Aufgaben: Haustechnik noch aus den 1930er-Jahren

Zwar wird seit Jahren über den Wiederaufbau der Turmspitze diskutiert. „Zuvor müssen wir aber erst einmal den Kirchenraum mit dem alten Tonstudio sanieren“, erklärt der Architekt eine der vielen Aufgaben. Auch im historischen Dachstuhl sind viele Arbeiten nötig. So hängen dort noch alte Freileitungen aus den 1930er-Jahren. 

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