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Gemeinde Lohsa spart jetztGeld im Schlaf

In fünf Ortsteilen werden Laternen nicht abgestellt, sondern heruntergedimmt. Die Investition soll sich binnen Monaten auszahlen.

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Von Uwe Schulz

Wer des Nachts auf der S108 durch Riegel fuhr, fühlte sich in den vergangenen Jahren an belgische Autobahnen erinnert: Jede Ecke an der Straße perfekt ausgeleuchtet. Finster ist es jetzt in Riegel zwar auch nicht, aber dunkler. Obwohl nicht eine einzige Straßenlaterne ausgeschaltet ist. Möglich macht dies das Dimmen der Straßenlaternen. Das funktioniert nicht wie zu Hause über eine Spannungsänderung, sondern über die Veränderung der Stromstärke.

33 Prozent in der Nacht

In fünf Ortsteilen hat die Gemeinde Lohsa die Technik nachrüsten lassen. Vor vielen Monaten fasste man die Grundsatzentscheidung, es zu tun. Natürlich aus Kostengründen, um Einsparpotenzial zu finden. Planer Horst-Dieter Tannhäuser aus Weißkollm schaute sich im gesamten Gemeindegebiet Straßenlaternen und die dazugehörige Technik an. Vor Ort wurde in Zusammenarbeit mit dem Technischen Ausschuss bestimmt, geschaut, wann es wie hell sein sollte. Dass man das selbst bestimmen kann, ist einer der Vorzüge des Dimmers der Zerbster Firma KD Elektroniksystem GmbH. Bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage demonstrierten am Donnerstagabend in Weißkollm Bernhard Dombrowski, Horst-Dieter Tannhäuser und Andreas Koar von der Firma Elektro-Schnabel die Funktionsweise. Eingestellt sind die Anlagen in Weißkollm, Riegel, Tiegling, Steinitz und Dreiweibern so, dass schon beim Einschalten der Straßenbeleuchtung abends nur noch 60 Prozent der ursprünglichen Stromstärke genutzt werden. Ein paar Stunden später sind es dann nur noch 33 Prozent. Von Sonntag bis Donnerstag wurde als Startzeit 21 Uhr gewählt, Freitag- und Samstagnacht 22 Uhr. Danach, so die aktuelle Auffassung in der Gemeinde, sind die meisten Leute eigentlich daheim. Morgens um 4.30 Uhr dimmen die Anlagen automatisch auf die 60 Prozent wieder hoch. Und ab 6.45 Uhr, wenn die Schüler unterwegs sind, liegen gar 100 Prozent an. Bauamtsleiter Wolfgang Tietze weiß, dass allein in Weißkollm 8200 Watt an Straßenbeleuchtung installiert sind.

Bürgermeister Udo Witschas schätzt, dass sich die Investition in die Dimmtechnik schnell amortisiert. Technik und Installation für die 236 Laternen haben zusammen rund 33000 Euro gekostet. Siebzig Prozent davon bekommt die Gemeinde über Fördermittel bezuschusst. Da man von einer Einsparung von 8000 bis 9000 Euro pro Jahr in den jetzt gedimmten Bereichen ausgeht, ist der Eigenanteil mehr oder weniger nach einem Jahr schon wieder eingespielt.

Schaltzeiten leicht zu ändern

Die Schaltzeiten selbst kann man jederzeit ändern. Es ist auch möglich, an bestimmten Tagen, beispielsweise bei Dorffesten, in dieser Nacht eben die Beleuchtung bei 100 Prozent zu belassen.

Nur die Ausstattung aller 1200 Straßenlaternen in der Gemeinde Lohsa mit Dimmtechnik wird sich noch etwas hinziehen. Zum einen muss die Investition über die nächsten Jahre verteilt werden, zum anderen, so betont Horst-Dieter Tannhäuser, funktioniert das Dimmen nicht bei allen Leuchtmitteln, da noch die unterschiedlichsten Systeme aus mehreren Jahrzehnten verwendet werden. Da müsste vorher eigentlich in die Straßenbeleuchtung investiert werden. An belgischen Autobahnen wird man sich dabei aber gewiss nicht orientieren.