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Pirna

Gemeinde mit Ausblick

Fernab vom großen Geschehen schlägt sich ein Rat wacker durch, organisiert viel Geld, gibt nicht auf und hat Ideen.

Wie sich das private Schloss Ottendorf weiterentwickelt, wird sich zeigen. Für das, was kommunal in Bahretal ist, hat der Gemeinderat einen Plan.
Wie sich das private Schloss Ottendorf weiterentwickelt, wird sich zeigen. Für das, was kommunal in Bahretal ist, hat der Gemeinderat einen Plan. © Archiv: Norbert Millauer

Manchmal ist ein bisschen Talkshow-Stimmung bei den Bahretaler Gemeinderäten. Dann reden alle durcheinander und irgendwann haut Bürgermeisterin Brigitte Kolba verbal auf den Tisch und bitte um Ruhe. Beim nächsten Mal verzichtet sie dann schon auf das „Bitte“ und sagt nur: „Jetzt mal Ruhe.“ Nach umstrittenen Debatten sagt sie: „Das war ja ne heiße Diskussion“, und dann nehmen alle einen Schluck Wasser oder Bier und sind wieder ganz friedlich. „Wir diskutieren schon mal hart und lehnen auch mal was ab“, sagt Dirk May. Er will zum dritten Mal gewählt werden. Am Ende aber kommen sie gut miteinander aus in der sich duzenden Truppe, die fast ausschließlich aus Männern besteht, aber eine Chefin an der Spitze hat. Gemeinsam hat man in den vergangenen fünf Jahren einiges geschafft und durchgestanden. Schwerpunkt waren die Feuerwehren, die Kindertagesstätten und die Beseitigung der Hochwasserschäden. Reichlich zwei Millionen Euro Investition mit über 1,5 Millionen Euro Fördermitteln sind beachtlich, zumal es ja Förderungen nicht ohne Anträge gibt.

Der Friedhofsweg Ottendorf: Das Hochwasser 2013 hat in der Gemeinde Bahretal vor allem Wege und Flüsse beschädigt. Neben fünf Bächen wurde auch der Friedhofsweg Ottendorf wieder in Ordnung gebracht. r
Der Friedhofsweg Ottendorf: Das Hochwasser 2013 hat in der Gemeinde Bahretal vor allem Wege und Flüsse beschädigt. Neben fünf Bächen wurde auch der Friedhofsweg Ottendorf wieder in Ordnung gebracht. r © D. Schäfer

Ein Kampf aber blieb erfolglos: der um die Wiederbelebung der 2006 endgültig geschlossenen Schule. Das wurmt die Bahretaler nach wie vor. Sie fahren jetzt ihre Kinder durch die Gegend, nach Liebstadt und Bad Gottleuba. Die Schulschließung sollte Geld sparen. Die Eltern kommt sie teuer, bedauert man in der Gemeinde.

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Deshalb hält sich der Gemeinderat ein Hintertürchen offen. Zwei Etagen in der ehemaligen Schule bleiben auch nach der Sanierung zum barrierefreien Gemeindezentrums frei. Da könnte also jederzeit auch wieder eine Schule rein.

Das Gemeindezentrum ist eine der großen Zukunftsaufgaben. Die Grundlage bildet jetzt eine Machbarkeitsstudie, die nun erstellt wird und für die Gemeinde Bahretal Eckpunkte der Entwicklung benennen soll. Neben der Schule sind die Modernisierung und besseren Nutzung der Nentmannsdorfer Kita und attraktivere kommunale Wohnungen ein Ziel.

Die größten Herausforderungen

Die größte Bewährungsprobe für die Bahretaler in den vergangenen Jahren war wohl die lange Krankheit der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Was woanders vielleicht zu einem halben Weltuntergang geführt hätte, hat Bahretal offenbar fast schadlos überstanden. Weil Brigitte Kolba trotzdem viel zuarbeitete und Stellvertreter Manfred Fraulob die Gemeinde managte. Man habe in der Zeit zwar weniger Sitzungen gehabt, aber gelitten habe weder die Arbeit noch das Dorfleben, sagt May.

Die ehemalige Schule Gersdorf: Am liebsten hätten die Bahretaler wieder eine Schule. Doch weil da wohl nichts wird, wollen sie die 2006 geschlossene Schule zum barrierefreien Gemeindezentrum machen. 
Die ehemalige Schule Gersdorf: Am liebsten hätten die Bahretaler wieder eine Schule. Doch weil da wohl nichts wird, wollen sie die 2006 geschlossene Schule zum barrierefreien Gemeindezentrum machen.  © Schäfer

Das größere Problem sei die übergestülpte Verwaltungsgemeinschaft mit Bad Gottleuba-Berggießhübel. Man habe zwar nichts gegen die Verwaltung dort, aber gegen das Prinzip. Für das bezahle mal viel Geld, obwohl man überzeugt ist, die Gemeinde auch allein managen zu können. Doch daran ist wohl auf absehbare Zeit so wenig zu ändern, wie wieder eine Schule in den Ort zu holen ist. Die Bahretaler sind pragmatisch. Sie konzentrieren sich auf das, was eben machbar ist.

Einige der bisherigen Mitentscheider im Gemeinderat werden künftig nicht mehr dabei sein. So tritt zum Beispiel das kommunalpolitische Urgestein Manfred Fraulob nicht mehr an. Genau wie noch drei Räte der Wählerinitiative, die bisher mit zwölf Vertretern am stärksten vertreten war. Die Linken stellten zwei Räte und verabschieden sich ganz. Dazu gehört auch Hans-Peter Retzler, der Liebstädter Amtskollege von Brigitte Kolba. Vor fünf Jahren war er bei der Wahl Bahretaler Stimmenkönig. Statt der Linken wollen nun in Bahretal die Freien Wähler mitmischen. Die Wahl am 26. Mai wird zeigen, wie es in Zukunft weitergeht.

Die Kandidaten

Wählerinitiative Bahretal: Frieder Kühnel, Hannes Pillat, Andreas Frei, Karsten Richter, Henrik Klengel, Dirk May, Christian Kaule, Frank Fiedler, Thomas Schanze, Susanne May, Ronny Schietzold, Alexander Walla, Tobias Peukert, Marina Schindler,

Freie Wähler Bahretal: Olaf Handrick, Jana Löser, Andreas Meyer, Katja Zimmer Quelle: Gemeindeverwaltung

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