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Gemeindebibliothek steht vor dem Aus

Die Bücherei ist in der alten Schule untergebracht.Weil der Zustand des Gebäudes miserabel ist, wird sie kaum genutzt.

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Von Maria Lotze

Ihre dicke Winterjacke will Cornelia Händel nicht ablegen, auch wenn sie drinnen ist. Die Gleisbergerin ist Mitglied im Verein „Sonnenstrahl“ und öffnet aller zwei Wochen für eine Stunde die Gemeindebibliothek in der ehemaligen Schule. Wie lange sie das noch macht, ist offen. Denn selbst die Stunde in der Bücherei ist, vor allem im Winter, eine Zumutung.

Die alte Schule erweckt von außen nicht den Eindruck, als sei darin noch Leben. Doch das täuscht. Neben der Gemeindebibliothek sind in dem Haus der Jugendclub und die Räume des Vereines „Sonnenstrahl“ untergebracht. Aber auch der Heimatverein nutzt einige Räume. Die Bücherei ist in der oberen Etage. Der Weg durch das Treppenhaus ist beinahe unheimlich. Alles ist dunkel, von den Wänden im Hausflur bröckelt der Putz ab, es riecht modrig.

Zwei Räume sind für die Gemeindebibliothek eingerichtet, ein kleines Zimmer für den Empfang mit Schreibtisch und ein Zimmer für die Bücher und andere Medien. Eine Heizung gibt es nicht, die Steckdose für das Licht befindet sich im Nebenraum. Die Möbel sind alt, die Regale stehen schief. Von den Wänden löst sich die Tapete. „Es läuft überhaupt nicht“, sagt Händel.

Zwei bis maximal vier Gleisberger kommen noch zu den Öffnungszeiten vorbei, um sich mit Lesestoff, CDs, Spielen oder Zeitschriften für die nächsten Tage einzudecken. Viel ist es meistens nicht, was sie mitnehmen. Die Quote ist zu niedrig. „Für diese Gleisberger wäre es ein großer Verlust, wenn die Bücherei geschlossen wird. Sie sind der Grund, warum ich das noch mache“, sagt Cornelia Händel. Aber bei dem minimalen Zuspruch fehlt ihr oft die Motivation, sich in die Kälte zu stellen.

Keinen zum Lesen zwingen

Dabei hat die Gleisbergerin schon viel versucht, um neue Leser zu gewinnen, hat Handzettel verteilt und im Kindergarten nachgefragt. „Der hat kein Interesse. Ich kann den Leuten die Bücher ja nicht hinterher tragen“, sagt Cornelia Händel. Schon im vergangenen Jahr hat sie aufgrund der wenigen Besucher beschlossen, nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch aller zwei Wochen zu öffnen. Zurzeit ist Cornelia Händel die einzige aus dem Verein, die sich um die Bücherei kümmern kann. Ihre Arbeitszeiten passen, bei den anderen Mitgliedern ist das nicht so.

Ines Reimer, Leiterin der Kreisergänzungsbibliothek (KEB) Döbeln, kennt den Zustand der Bücherei. „Gleisberg ist ein Extrem“, sagt Reimer, die für alle 20 Gemeindebibliotheken im Altkreis Döbeln zuständig ist. Den Zustand der Gleisberger Einrichtung ändern, kann sie jedoch nicht. Ines Reimer hat das Problem der übergeordneten KEB in Freiberg gemeldet. Eine Entscheidung, wie es weitergeht, muss die Stadt Roßwein treffen. Immer wieder hat Reimer nachgefragt, wie es weitergehen soll. Bis jetzt fehlt eine Lösung.

Die alte Schule ist in privater Hand, sollte saniert werden. Zurzeit liegt das Vorhaben laut Eigentümer jedoch auf Eis. Die einzige Chance, um die Bücherei im Ort zu halten, wäre eine andere Unterkunft. „Die Leute kommen nicht, weil die Räumlichkeiten sie abschrecken“, weiß Ines Reimer. An dem Angebot würde es nicht liegen. Regelmäßig wird der Bestand erneuert. Doch wo soll die Bibliothek hin?

Nach Ortsvorsteher Bernd Handschack gibt es für die Bücherei nur noch eine Lösung: „Eine Privatperson muss sie zu Hause weiterführen.“ Im Dorfgemeinschaftshaus und in der Feuerwehr sei kein Platz für die Bibliothek. Demnächst will er mit den Mitgliedern des Vereins „Sonnenstrahl“ sprechen, wie es weitergehen soll. Wie es mit der alten Schule weitergeht, weiß auch der Ortsvorsteher nicht.

Schon seit Jahren sucht der Verein ein neues Domizil, weil die ehemalige Schule mehr und mehr verfällt. „Durch das Dach kommt jetzt massiv Nässe rein. Die Bücherei trifft das in der oberen Etage zuerst“, sagt Cornelia Händel. Die kühlen Temperaturen und die Feuchtigkeit greifen auch den Buchbestand an. Mit seinen Veranstaltungen weicht der Verein „Sonnenstrahl“ bereits ins Dorfgemeinschaftshaus aus. Dort ist jedoch nicht immer Platz.

Es geht auch anders

Sollte die Gemeindebibliothek wegen dem Zustand des Gebäudes schließen, muss das nicht das endgültige Aus bedeuten. Das zeigt das Beispiel der Haßlauer Bücherei. Drei Jahre lang mussten die Bürger auf ihre Gemeindebibliothek verzichten. Das alte Dorfgemeinschaftshaus wurde verkauft, die Bücherei musste raus. Erst im Mai 2009 eröffnete die Einrichtung wieder im neu gebauten Feuerwehrhaus in Haßlau. Und wird gut angenommen. 41 Leser sind angemeldet. Mit rund 30 Lesern läuft es auch in Niederstriegis gut. Die Einrichtung dort ist ebenfalls im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht.