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Gemeindebus ausgemustert

Die Räte in Hohendubrau lehnen ein Bürgerbegehren ab. Das alte Fahrzeug ist nicht mehr da, sorgt aber für Zwist.

Von Alexander Kempf

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Beinahe 400 Menschen haben in Hohehendubrau unterschrieben, dass sie selbst abstimmen wollen, ob die Gemeinde sich auch in Zukunft einen eigenen Bus leisten soll oder nicht. Das ist angesichts von nicht mal 2 000 Einwohnern eine beachtliche Zahl. Doch das erhoffte Bürgerbegehren wird nicht stattfinden. Die Gemeinderäte haben es mehrheitlich in geheimer Wahl abgelehnt.

Zuvor ist der Vorsitzende des Verwaltungsverbandes Diehsa bei einer Prüfung zu der Einschätzung gekommen, dass das Bürgerbegehren unzulässig sei. Laut Dirk werden zwar viele Formalien eingehalten. „Im wirtschaftlichen Bereich wurden aber nicht alle Kosten in der Kalkulation berücksichtigt“, stellt er fest. Demzufolge könne Hohendubrau die Aufgabe eben nicht wie ein privater Anbieter erfüllen und das Anliegen des Bürgerbegehrens verstoße gegen die Sächsische Gemeindeordnung.

Die Lesart von Dirk Beck teilen nicht alle. Vier Gewählte wollen die Abstimmung der Bürger, sind aber deutlich in der Minderheit. Im Publikum fragt sich indes mancher, wie der Gemeindebus über Jahre fahren konnte, wenn es dafür keine rechtliche Grundlage gegeben hat. Der Bus hat in der Vergangenheit für mehrere hitzige Diskussionen gesorgt. Viele Bürger wollen ihn erhalten, sie schätzen den Komfort eines Busses auf Abruf. Die Mehrheit der Gemeinderäte erachtet es aber als ungerecht, wenn alle für einen Bus zahlen, den nur einige nutzen. Zumal ihn die Gemeinde mit öffentlichem Geld subventioniert und so der Privatwirtschaft Konkurrenz macht.

Fahrt aufgenommen hat die Debatte im vergangenen Herbst. Denn als der altgediente „Schorsch“, wie Busfahrer Bend Stephan das Fahrzeug nennt, keinen Tüv mehr erhält, besteht dringend Handlungsbedarf. Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank bemüht sich genau wie Elternvertreter um Alternativlösungen. Doch sie können die Gemeinderäte auch in mehreren Anläufen nicht überzeugen.

Der Bürgermeister hadert bis heute mit dem Aus für den Gemeindebus. Ein eilig organisierter Ersatzbus hätte bisher 12 800 Euro Mietkosten verursacht. Im zweiten Schulhalbjahr kämen laut seiner Rechnung weitere 17 700 Euro hinzu. Hans Hermann Zschieschank ist überzeugt, dass die Gemeinde billiger gefahren wäre, wenn sie stattdessen einen gebrauchten Bus gekauft hätte. Er habe günstigere Alternativen unterbreitet, erklärt der Bürgermeister. Gehör gefunden hätte er nicht.

Warum sich die Gemeinderäte gegen den Kauf eines gebrauchten Busses entschieden haben, kommentieren sie nicht. An anderer Stelle schaut zumindest Hans Peter Soldan sehr genau auf die Zahlen. Der ausgemusterte „Schorsch“ ist für 500 Euro an einen Polen verkauft worden. Dabei hätte es Interessenten gegeben, die vielleicht 1 900 Euro für das Fahrzeug bezahlt hätten, behauptet der Gemeinderat aus Weigersdorf. Doch nach einem Blick in das zugemüllte Gepäckfach hätten sie vom Kauf lieber Abstand genommen. „Das ist so nicht in Ordnung“, kritisiert Hans Peter Soldan. Aufgrund des dreckigen Busses seien der Gemeinde 1 400 Euro entgangen.

Busfahrer Bernd Stephan widerspricht dieser Darstellung. Lediglich ein Wasserkanister habe sich noch im Bus befunden. Auch verwehrt er sich gegen Behauptungen, er habe mit dem Bus Essen ausgefahren. Offensichtlich stören sich die Weigersdorfer daran, dass der Bus oft nicht voll ist. Gemeinderat Gerd Dobrzykowski meint, die Fahrten sollten künftig optimiert werden. „Ich weiß nicht, ob der Bus so oft leer durch die Gegend fahren muss“, sagt er.

Einmal mehr sorgt der Bus also für Streit. Auch Elternsprecherin Ina Bimmrich ist mit dem Ausgang nicht zufrieden. Sie sei zwar dankbar, dass bis Schuljahresende der Ersatzbus fahre. „Wir gehen als Eltern aber wieder mit vielen offenen Fragen raus“, sagt sie. Teile der Eltern bezweifeln, dass sich im nächsten Schuljahr überhaupt ein gleichwertiger Dienstleister finden lässt. Für Ina Bimmrich ist die Entscheidung ein Rückschritt. Sie spricht gar von einer Schande. Es ist Gemeinderat André van Leeuwen, der mahnt, nun endlich vernünftig nach vorne zu schauen. Der Bus ist endgültig abgefahren.

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