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"Gemeinden brauchen mehr Spielraum"

Rico Hertrampf will für die Freien Wähler in den Landtag einziehen. Er tritt im Wahlkreis 59 an, der den Altkreis Löbau umfasst. Seine Ziele erklärt er hier:

Rico Hertrampf tritt für die Freien Wähler im Wahlkreis 59 an.
Rico Hertrampf tritt für die Freien Wähler im Wahlkreis 59 an. © Rafael Sampedro/ Montage: SZ-Bildstelle

Herr Hertrampf, wie würden Sie den Wahlkreis beschreiben, für den Sie antreten - manche bezeichnen ihn als abgehängt ...

Rico Hertrampf: Nein, das wir hier abgehängt sind, das kann ich nicht nachvollziehen. Unsere Region ist wirtschaftlich und touristisch noch nicht komplett erschlossen, aber wir sind auf gutem Weg. Was mir persönlich auf den Nägeln brennt, ist die Fertigstellung der B178. Das ist für unsere Region eine wichtige, gerade, wenn es darum geht, dass die Kaufkraft hier vor Ort bleibt, neue Gewerbeansiedlungen kommen und die Gegend auch touristisch besser angefahren werden kann - zum Beispiel auch durch Busunternehmen. Die Straße ist aber auch eine Chance für die Region als Tor zum Osten.

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Liegt die Lösung der Verkehrsprobleme für Sie buchstäblich auf der Straße?

Hertrampf: Eine gut funktionierende Infrastruktur ist die Grundlage für eine sich entwickelnde Region. Ich finde, man sollte da aber auch Bus und Bahn und den Güterverkehr fördern. Da gibt es gerade hier im Dreiländereck noch Potenzial. Auch für den Tourismus, der mir persönlich als Thema sehr wichtig ist, wäre das nötig. Gerade hier gibt es noch einiges anzuschieben und zu organisieren, beispielsweise auch ein gemeinsames Marketing. Wenn man all die Kräfte bündeln würde, die sich engagieren, wäre das der richtige Weg.

Das löst aber noch nicht das Problem des Arbeitskräftemangels gerade auch in der  Tourismusbranche ...

Hertrampf: Wenn die Betriebe nicht langsam dazu übergehen, Tarif zu bezahlen, bekommen sie keine Arbeitskräfte. Dass sich das beispielsweise auch in den Preisen der Gastronomie niederschlägt, ist klar, aber was will man machen - man kann sich ja keine Arbeitskräfte backen. In meinen Augen sind Löhne und flexible Arbeitszeiten der Knackpunkt. Es gibt inzwischen Modelle, wo Köche drei Tage frei haben und an den anderen vier Tagen richtig ranklotzen. Das führt dann auch zu veränderten Öffnungszeiten der Gaststätten.

Kann da die Politik viel tun?

Hertrampf: Klar, das meiste reguliert der Markt selbst. Aber solche Faktoren, auch das kulturelle Angebot sind wichtig für die Attraktivität einer Region.

Apropos Attraktivität: Ist das auch ein Punkt bei der Suche nach Lehrern?

Hertrampf: Sicherlich, da spielt alles mit rein - auch, ob der Partner hier einen Job bekommt, ob die Infrastruktur da ist. Ich glaube aber, dass man dem Sog der Großstadt nur bedingt etwas entgegensetzen kann. Als junger Mensch hätte ich das vielleicht auch gemacht - für eine Weile weggehen. Ich denke, das ist auch kein Problem, das es nur bei uns auf dem Land gibt, das gibt es überall. Mit der Verbeamtung ist man da schon einen richtigen Weg gegangen. Längst überfällig finde ich beim Bildungssystem zudem, dass es endlich einmal ein einheitliches Abitur gibt, um Vergleichbarkeit zu schaffen. Generell bin ich für Vielfalt im Bildungssystem, es muss nur am Ende zum selben Ziel führen.

Welche Ziele visieren Sie für die Sicherheit im Lande an?

Hertrampf: Dass jetzt zusätzliche Polizisten kommen sollen, ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber ich würde das nicht allein an Personenzahlen festmachen. Wichtig ist, dass hier im Dreiländereck auch die Kooperation mit Tschechien und Polen fortgeführt und ausgebaut wird. Zudem halte ich Prävention für ein wichtiges Thema, um potenzielle Diebe abzuschrecken und das Negativimage abzulegen - das ist wiederum auch für den Tourismus wichtig.

Prävention - das zielt auch auf mehr Eigenverantwortung. Ist das generell ein Thema für Sie auch mit Blick auf die Arbeit der Gemeinden?

Hertrampf: Ja, ich bin für mehr Eigenverantwortung und mehr finanziellen Spielraum für die Kommunen. Es sitzen überall kluge Leute. Derzeit wird viel über Geld gelenkt, ich finde, hier könnte sich der Staat mehr zurücknehmen. Die Stadt- und Gemeinderäte wissen, was wichtig für ihren Ort ist, wenn sie mehr Verantwortung hätten, würden diese Ämter mehr wahrgenommen und attraktiver werden. Außerdem stehen ihnen ja die Mitarbeiter in den Verwaltungen mit ihrem Fachwissen zur Seite und erarbeiten die Vorlagen für Ausschuss- und Ratssitzungen.

Der Freistaat sollte mit Fördergeldern also nicht mehr lenken?

Hertrampf: Fördergeld soll es auch weiterhin geben, aber oft können die Gemeinden nicht einmal den dafür nötigen Eigenanteil stemmen. Deshalb bin ich der Ansicht, dass die Kommunen mehr Steuergeld erhalten sollten, um in Eigenregie zu entscheiden. Außerdem würde ich mich im Landtag für Bürokratieabbau einsetzen: Wenn man zwei neue Gesetze beschließt, sollte man gleichzeitig vier unnötige streichen.

Wenn Räte mehr Entscheidungsspielraum hätten, würde aber auch die Verantwortung der ehrenamtlich tätigen Ratsmitglieder steigen. Ist das ihr Ziel?

Hertrampf: Das wäre sicherlich der Fall. Ich habe mir aber auch auf die Fahnen geschrieben, das Ehrenamt zu stärken. Man verlässt sich in Sachsen zu sehr darauf, dass Ehrenamtliche da sind und etwas tun. Das muss man besser honorieren. Wie genau, das kann man diskutieren. Vorstellbar wäre in meinen Augen beispielsweise, dass Engagierte zusätzliche Rentenpunkte bekommen können.

Wenn Sie in den Landtag gewählt werden - wie möchten Sie dann ihr Amt ausüben?

Hertrampf: Mir ist eine bürgernahe Politik wichtig. Gerade diese Bürgernähe fehlt mir momentan. Man muss den Menschen zuhören und ihre Anliegen ernst nehmen. Wichtig ist mir auch, dass es bei bestimmten Themen Bürgerbeteiligung und Bürgerentscheide gibt und nicht alles vorgegeben wird. Deshalb engagiere ich mich seit 2001 bei den Freien Bürgern Zittau und - wenn man es mal zusammenzählt - sind die Bürgerbewegungen auf kommunaler Ebene eine starke Kraft. Dieses Potenzial, dass sich Bürger für ihre Interessen engagieren, sollte man nutzen und im Landtag vertreten.

Rico Hertrampf ist 49 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Der gelernte Koch und Betriebswirt ist beim Deutsch-Sorbischen Volkstheater als Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Verantwortlicher für die Theatergastronomie tätig. Er ist Mitglied der Freien Bürger Zittau und kandidiert für die Freien Wähler Sachsen zum zweiten Mal für den Landtag. Er lebt mit seiner Familie in Oderwitz.

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