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Radebeul

Gemeinderäte lehnen Kompromiss ab

Das Kreisdenkmalamt fordert für den Hortanbau in Reichenberg überraschend ein Spitzdach. Das kostet mehr und bringt den knappen Zeitplan in Gefahr.

So sieht die bisherige Planung für den neuen Anbau am Hort in Reichenberg aus. Nun soll dieser ein Spitzdach bekommen.
So sieht die bisherige Planung für den neuen Anbau am Hort in Reichenberg aus. Nun soll dieser ein Spitzdach bekommen. © Visualisierung: Reiter Architekten
Die neu gewählten Gemeinderäte standen in der ersten Sitzung des Technischen Ausschusses vor einer schwierigen Frage: Soll das Reichenberger Hort-Projekt wie geplant durchgezogen oder umgeplant werden?

Die erste Variante hätte den Vorteil, dass es so wahrscheinlich endlich mit dem derzeit ausgebremsten Vorhaben weitergehen würde und der Bezugstermin Ende 2020 sicherer eingehalten werden könnte. 

Der Nachteil dabei wäre: Die Forderung der Denkmalbehörde des Landkreises nach einem Spitz- statt einem Flachdach auf dem neu zu errichtenden Anbau müsste dann im Nachgang innerhalb der nächsten fünf Jahre umgesetzt werden. 

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Das jedenfalls sieht der von Landrat Arndt Steinbach (CDU) im Streit zwischen der Gemeinde und der Behörde vermittelte Kompromiss vor, wie Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) sagt. „Verbunden wären damit in jedem Fall höhere Kosten, als wenn wir das Spitzdach gleich bauen würden.“

Der von der Gemeinde beauftragte Architekt habe zu der Beratung daher auch schon einmal eine erste Zeichnung mitgebracht, wie das Gebäude nach einer Umplanung aussehen könnte. „Das Dach sollte nicht allzu spitz werden und über dem Erdgeschoss auch keine Decke eingebaut werden“, sagt der Bürgermeister. 

Was zu der Frage geführt habe, ob dadurch die Heizkosten nicht deutlich höher als bei einem Flachdach oder einer eingezogenen Decke wären, die natürlich die Baukosten noch weiter in die Höhe treiben würde. Aber von den Heizungsfachleuten, „davon gibt es im Technischen Ausschuss jetzt gleich drei“, habe es in dieser Beziehung Entwarnung gegeben. Auch bei dem größeren Raum müssten die Heizkosten nicht zwangsläufig aus dem Ruder laufen.

Auch schallschutztechnisch sei eine Umplanung kein Problem. „Und lufttechnisch ist ein größeres Raumvolumen für einen Speiseraum sicher sogar besser“, ergänzt Jörg Hänisch.

Beim sofortigen Bau eines Spitzdaches geht die Gemeinde derzeit von einem Mehraufwand von rund 60 000 Euro aus. Eingeplant ist diese Summe im Moritzburger Haushalt bisher nicht. 

Für den Neubau mit Speisesaal, Küchentrakt und Foyer und Sanierungsarbeiten am Bestandsgebäude will die Gemeinde Fördergelder aus dem Programm Brücken in die Zukunft nutzen. Diese müssen aber bis Ende nächsten Jahres abgerechnet werden. 

„Wir wollen jetzt die Anpassung des Bauantrages so schnell wie möglich ans Landratsamt nachreichen“, sagt der Bürgermeister. Geprüft werde dort, ob nach der Moritzburger Entscheidung schon eine Teilbaugenehmigung erteilt werden kann. „Dann könnten wir vielleicht schon ausschreiben und mit dem Tiefbau beginnen“, ergänzt Jörg Hänisch.

Die Denkmalbehörde hatte ihre Forderung mit dem Umgebungsschutz begründet. Durch den Anbau mit Spitzdach soll der Charakter des Grundstücks als Dreiseithof erhalten bleiben. Deshalb gab es auch keine Zustimmung zum geplanten Abriss des Nebengebäudes, des sogenannten blauen Hauses. Auf der Denkmalliste steht allerdings nur das Haupthaus.