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Gemeinsam gegen Bahnlärm

Die Coswiger Bürgerinitiative sucht Verbündete in der Sächsischen Schweiz. Doch die sind nicht einfach zu finden.

© Thomas Kube

Von Heike Wendt und Ines Mallek-Klein

Die Bahn ist laut. Unbestritten. Und in den nächsten zehn Jahren könnte sich die Zugfolge im Elbtal verdoppeln, sagen Verkehrsexperten voraus. Weitere Lärmschutzmaßnahmen jedoch sind aus Sicht der Deutschen Bahn nicht geplant. Grund genug für Bürger, zu handeln.

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In Coswig ist die Bürgerinitiative Bahnemission Elbtal (BI) schon seit 2011 aktiv. Und mittlerweile weiß sie nicht nur viele Bürger auf ihrer Seite, sondern auch viele Politiker. Dennoch war es eine Überraschung, als bekannt wurde, dass der Petitionsausschuss des Bundestages der Lärmbeschwerde der Coswiger einstimmig zugestimmt hat. Ein Novum, das gab es vorher noch nie. Die Abgeordneten sprechen sich unter anderem für die von der BI geforderte Verringerung der Geschwindigkeit in den Nachtstunden aus. Damit ist die Bundesregierung aufgefordert, für die vom Bahnlärm geplagten Elbtalbewohner etwas zu tun.

Allein darauf verlassen, wollen sich die Coswiger allerdings nicht. Und so gab es bereits im Februar ein Treffen mit der Bürgerinitiative Weinböhla. Deren Ziel ist der Erhalt und die Weiterentwicklung der Gemeinde als einem lebenswerten Ort. Künftig soll es regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktionen geben.

Jetzt gingen die Coswiger noch einen Schritt weiter. In der vergangenen Woche luden sie im Kurort Rathen interessierte Bürger ein. 34 folgten dem Aufruf „Das sind noch viel zu wenig“, findet Rathens Bürgermeister Thomas Richter (parteilos). Als erste Gemeinde hatte Rathen im März beschlossen, Mitglied der Bürgerinitiative zu werden. Inzwischen folgte Bad Schandau. Stadt Wehlen und Königstein haben sich zumindest schon dem Thema gewidmet. Königsteins Bürgermeister Frieder Haase plädiert für die Gründung einer eigenen Initiative „Oberes Elbtal“. Die Probleme hier seien andere als in Coswig, sagte er in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Die Deutsche Bahn will auf der Trasse zwischen Heidenau, Pirna und der deutsch-tschechischen Grenze bis 2020 rund einhundert Millionen Euro verbauen. Lärmschutz ist dabei nicht vorgesehen.

Schon jetzt gebe es beim Bundesverkehrsministerium eine Studie, die belegt, dass zwischen 17 und 18 Uhr alle sechs Minuten ein Zug rollt, sagt Bürgermeister Frieder Haase. Beim jüngsten Bahngipfel im Pirnaer Landratsamt war gar von einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens in den nächsten Jahren die Rede. „Dann rollen die Züge im Drei-Minuten-Takt, das vertreibt die Touristen und auch die letzten Einwohner“, sagt der Königsteiner Stadtrat Ivo Teichmann. Er hofft, dass die Bevölkerung aktiv wird, und erinnert an die Proteste gegen die Tiefflieger über der Sächsischen Schweiz. „Es hat gedauert, aber der Protest zeigt Erfolge“, sagt Teichmann. Die Militärjets seien jetzt deutlich seltener in der Region unterwegs. Königsteins Bürgermeister Frieder Haase sieht den Bund als Bahneigentümer in der Pflicht. Für Berlin gilt die Strecke durch das Elbtal aber längst als lärmsaniert. Dort hofft man auf Flüsterbremsen und darauf, dass die osteuropäischen Bahngesellschaften ihre Wagenflotten erneuern.

Die Coswiger Bürgerinitiative will mit ihrem Vorstoß in Richtung Sächsische Schweiz noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema Bahnlärm erreichen. Ziel sei es, im oberen Elbtal eine eigenständige Gruppe zu gründen, erklärte ein Vertreter der Initiative. Zwar ist das Thema Bahnlärm beiden gemeinsam. Die Probleme können jedoch nur von Betroffenen vor Ort genau angesprochen werden. Nichtsdestotrotz werden die Coswiger am 30. April, dem bundesweiten Tag gegen Lärm, bei der zentralen Kundgebung in Düsseldorf dabei sein, um sich mit Lärmgegnern aus ganz Deutschland zu treffen.