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Gemeinsamer Kampf gegen Crystal

Das Fachkrankenhaus behandelt immer mehr von der Droge Abhängige. Der Blick über den Tellerrand soll nun helfen.

Von Carina Brestrich

Jeder kennt die Droge Crystal, zumindest ein bisschen: Der Polizist weiß, wo sie gern versteckt wird und dass ihr Handel strafbar ist. Der Arzt hat das Wissen, was die Droge im Körper anrichtet. Die Vereine kennen Strategien, Betroffene wieder auf die Bahn zu bringen. Das Jugendamt hat ihre Kinder im Blick. Crystal beschäftigt mittlerweile viele Menschen allein von Berufs wegen her. Und egal ob Landratsamt, Schule oder Klinik – jede Stelle hat seit dem Aufkommen der Drogen vor rund zehn Jahren ihre Erfahrung gemacht. Diese nun zu bündeln und gemeinsam gegen Crystal vorzugehen, das ist das Ziel einer Konferenz, die das Sächsische Krankenhaus Großschweidnitz zusammen mit seiner Schwesterklinik aus Arnsdorf nächste Woche veranstaltet.

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Crystal in einem beschlagnahmten Verkaufskoffer: Die Droge wird immer mehr zum Problem. Das Sächsische Krankenhaus in Großschweidnitz ist nun federführend an einer Konferenz zum Thema beteiligt.Foto: kairospress
Crystal in einem beschlagnahmten Verkaufskoffer: Die Droge wird immer mehr zum Problem. Das Sächsische Krankenhaus in Großschweidnitz ist nun federführend an einer Konferenz zum Thema beteiligt.Foto: kairospress © kairospress

Schließlich schrillen die Alarmglocken mit Blick auf die Statistik lauter denn je. So ist die Zahl der Crystal-Abhängigen voriges Jahr so stark gestiegen, wie noch nie. Laut dem jüngsten Suchtbericht der Sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren hat sie in Sachsen im Vergleich zu 2011 um 47 Prozent zugenommen.

„Diese Zahl ist erschreckend“, sagt Loretta Farhat. Sie ist Ärztliche Direktorin am Krankenhaus in Großschweidnitz und hat die Konferenz in Arnsdorf nach Anstoß durch das Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz mitorganisiert. Ziel dabei ist, auf das hohe Schädigungspotenzial von Crystal aufmerksam zu machen, erklärt Frau Farhat. Schließlich hat die Problematik inzwischen eine gesamtgesellschaftliche Dimension erreicht und betrifft nicht mehr nur das Gesundheitswesen. Deshalb wolle man der Frage nachgehen, wie die Behandlung Abhängiger verbessert werden kann: „Gleichzeitig wollen wir Präventionsmaßnahmen diskutieren, um einen weiteren Anstieg zu vermeiden“, sagt die Medizinerin.

Diese Zunahme ist auch in der Klinik in Großschweidnitz zu spüren. In deren Suchtabteilung werden neben alkoholabhängigen Patienten auch Drogenpatienten behandelt. Dabei hat sich das Bild in den vergangenen zehn Jahren allerdings entscheidend gewandelt, erklärt Frau Farhat: „Damals haben wir noch deutlich mehr alkoholkranke Menschen aufgenommen. Jetzt ist es umgekehrt.“ So werden auf der Sucht-Akutaufnahmestation mittlerweile zu 80 Prozent Drogenpatienten behandelt, ein Großteil davon besteht aus Crystal-Abhängigen.

Viele der Konsumenten der synthetischen Droge haben keinen Schulabschluss oder keine Berufsausbildung, weiß Michaela Priehäußer. Sie ist Sozialpädagogin bei der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle Görlitz, die auch in Löbau eine Suchtberatungsstelle unterhält. Täglich hat sie mit Crystal-Abhängigen zu tun und weiß: „Um ein drogenfreies Leben führen zu können, brauchen die Betroffenen eine Lebensperspektive und entsprechende Unterstützungsangebote, um Defizite auszugleichen.“

Diese zu bieten, damit tun sich die Verantwortlichen schwer, sagt sie. Es habe lange gedauert, bis über das Risiko durch illegale Drogen überhaupt gesprochen wurde, das Thema Prävention ins Rollen gekommen ist. Zudem wurden mit der Verwaltungsreform im Kreis Görlitz mehr als vier Stellen in der Suchtberatung gestrichen, sagt Priehäußer: „Das führt dazu, dass die Klienten weniger beraten werden können und Wartezeiten ansteigen, was bei Suchtkranken unhaltbar ist“, sagt sie. Der Beratungsbedarf sei höher als man decken könne, vermutet sie. Daher wünscht sie sich eine Aufstockung der Fachkräfte.

Probleme wie diese anzusprechen, darum geht es in der Crystal-Regionalkonferenz in Arnsdorf. Sozialarbeiter, Polizeibeamte, Ärzte und Psychologen aus ganz Ostsachsen werden dann diskutieren. So sind unter anderem die Beratungsstellen, die Jugendhilfe, die Bildungsagentur, die Leiter der Justizvollzugsanstalten zu Gast. Unter den 120 angemeldeten Teilnehmern sind auch der Amtsarzt und drei Sozialarbeiter aus dem Landratsamt Görlitz dabei. Dieses startete erst Anfang Oktober eine Anti-Drogen-Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Nun verspreche man sich bei der Regionalkonferenz neues fachliches Wissen und einen Erfahrungsaustausch mit Akteuren angrenzender Regionen zu führen, sagt Landratsamt-Sprecherin Gerlind Walter zu den Erwartungen an die Konferenz.