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Gemüse aus dem eigenen Garten reicht nicht

Familie Kluge ist einer von 99 Ernteteilern vom Schellehof.  Sie hat gute Gründe fürs Mitmachen bei diesem Projekt.

Von Heike Wendt

Mit den drei „Ms“ fing alles an. „Es ging um Möhren, Milch und Müsli“, erzählt Hartmut Kluge. Er und seine Frau Anne hatten es satt, Lebensmittel zu essen, die große Konzerne ohne Rücksicht auf Naturkreisläufe und Verbraucherwünsche produzieren. Der Weg führte in den Bioladen. Inzwischen reicht ihnen das Signum „Bio“ nicht mehr aus. „Wir wollen schon genau wissen, wo unser Essen herkommt“, sagt der Familienvater.

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Genau das können sie beim Verein Lebenswurzel in Struppen. Der ist gerade erst gegründet und hat schon um die 130 Mitglieder. Nicht alle beanspruchen einen eigenen Ernteteil, daher ist die Zahl der Vereinsmitglieder nicht identisch mit der der Ernteteiler. Als Landwirt André Türk vom Struppener Schellehof das Projekt mit dem gemeinsamen Wirtschaften zum ersten Mal in der Öffentlichkeit vorstellte, kannte Hartmut Kluge das Vorhaben bereits. Schon mehrere Jahre hatte er sich mit nachhaltiger Bodenbewirtschaftung beschäftigt und hinterfragt, wie Kreisläufe in der Natur funktionieren. Bei einem Kurs über Humusaufbau im Tharandter Umweltzentrum Johannishöhe hatte er den Struppener kennengelernt und sich mit ihm über neue Formen in der Landwirtschaft ausgetauscht.

Die eigenen Erfahrungen finden bei Familie Kluge im Kleingarten Anwendung. „Als Johanna etwa zwei Jahre alt war, habe ich in der Umgebung nach einem Garten gesucht“, erzählt Anne Kluge. Zufälligerweise traf sie ein älteres Ehepaar, das gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, ihren etwa 300 Quadratmeter großen Garten weiterzuführen. Sie wollten ihn ohnehin abgeben – zum großen Glück für Familie Kluge. Nur wenige Meter von der Wohnung entfernt, wird seitdem gegärtnert und experimentiert. Kürbis, Topinambur, Tomaten, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren kommen seitdem erntefrisch in die Küche. Auch Kräuter für den Tee, wie verschiedene Minzesorten wachsen im eigenen Garten. Über den Winter hat Hartmut Kluge an seiner Bienenkiste gebaut. Es ist eine Warré-Beute, eine Ökobienenkiste, mit reinem Naturwabenbau. Sie lässt dem natürlichen Schwarmtrieb freien Lauf. Die Bienenhaltung ist engstens an der natürlichen Lebensweise der Bienen ausgerichtet.

Für die Vollversorgung reicht der Kleingarten natürlich noch nicht aus. Familie Kluge fiel es nicht schwer, sich für das Projekt Solidarische Landwirtschaft (Solawi) zu entscheiden. Getreide aus ökologischem Anbau, selbst zu Flocken gequetscht oder frischem Mehl vermahlen – damit kennt sich Anne Kluge gut aus. Dass künftig frisch gemahlenes Mehl in der Ernteteilerkiste liegen wird, freut sie besonders.

Was den Freitalern ebenso wichtig ist, sind regionale Kreisläufe. Statt bisher mehrmals in der Woche Lebensmittel zu besorgen, wird Familie Kluge einmal wöchentlich die Erntekiste abholen. Wo ihr Getreide und das Gemüse wachsen, haben sie sich längst in Struppen angesehen. Und dass es Arbeit und Mühe kostet, dem Boden Essbares zu entlocken, haben sie selbst erfahren. „Die Argumente, dass die Versorgung in großem Maße mit nachhaltiger Landwirtschaft nicht möglich sei, ist ein Vorwand“, findet Hartmut Kluge.