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Generationenwechsel im Klassenzimmer

Im Schnitt sind die Lehrer der Region um die 50 Jahre alt. Nicht für alle Schulen ist der Nachwuchs da.

Von Maria Lotze

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Ruhestand? Daran will Christine Gasch eigentlich noch gar nicht denken. Doch im Juli 2016 geht die dann 64-Jährige in Altersrente. Schon zu DDR-Zeiten hat sie als Lehrerin an einer Hilfs-, heute Förderschule gearbeitet. In den kommenden Jahren verlässt fast immer ein Lehrer das Kollegium, 2017 die jetzige Schulleiterin Birgit Saupe. Der Generationenwechsel in den Klassenzimmern, für die Albert-Schweitzer-Förderschule stellt er keine große Herausforderung dar. In den vergangenen Jahren sind einige junge Lehrer an die Bildungsstätte gekommen – eine Rückkehrerin aus Baden-Württemberg, die sich gegen die Verbeamtung und für ihre Heimat entschieden hat, sowie ein Diplom-Sportler, der das Kollegium besonders schätzt. In Kürze beendet Lehramtsanwärterin Linda Kenzig ihre Zeit an der Förderschule. Und auch sie bleibt, zumindest an einer sächsischen Schule.

Soviel Glück, wie die Roßweiner Schule, hat allerdings nicht jede Bildungseinrichtung in der Region. Fünf von zehn Lehrern werden bis 2019 die Roßweiner Grundschule am Weinberg verlassen. Etwa mehr als ein Drittel der Belegschaft wechselt in den nächsten sieben Jahren am Döbelner Lessing-Gymnasium. Nicht überall ist die Situation so prekär, wie an diesen beiden Bildungsstätten. Noch nicht. Um die 50 Jahre alt sind die meisten Lehrer in der Region. Die große Renten-Welle, sie wird erst in den nächsten zehn Jahren auf die Schulen zukommen. Rund 15 000 Lehrer, etwa die Hälfte der Pauker an öffentlichen Schulen, wird dann in den Ruhestand gehen. Die Schulleiter blicken der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen.

Der Nachwuchs fehlt vor allem

in den ländlichen Schulen.

Ihren letzten Lehramtsanwärter hatte Angelika Schmidt von der Roßweiner Weinbergschule vor knapp zwei Jahren. „Unsere Schule ist zu weit weg, die Leute bleiben in den Großstädten“, sagt die Schulleiterin. Sie mache sich Sorgen, könne aber auch nur abwarten, was die Zeit bringt. Denn die Personalhoheit liegt nicht bei den Schulen, sondern bei der Sächsischen Bildungsagentur (SBA). Dasselbe Problem treibt Kerstin Wilde von der Pestalozzi-Oberschule in Hartha um. „Zurzeit gibt es kaum Bewerber für die Oberschule und erst recht nicht für Hartha“, bedauert die Direktorin, die auch als Trainerin für Führungskräfte im sächsischen Schulsystem tätig ist. Aus dieser Arbeit weiß sie, dass der Nachwuchs vor allem an die Gymnasien geht. Das bestätigen auch die Daten der amtlichen Hochschulstatistik 2014. Fast 47 Prozent der Lehramtsstudierenden in Sachsen haben sich für das Gymnasium entschieden, die verbleibenden 53 Prozent wollen Lehrer an Förder-, Ober-, Grund- und berufsbildenden Schulen werden. Der Bedarf für diese Lehrer liegt laut dem Sächsischen Kultus allerdings bei 75 Prozent. Heiko Felgener, der Schulleiter der Waldheimer Förderschule, hat in diesem Jahr einen Grund, sich besonders zu freuen. Nach ungefähr zehn Jahren wird Anfang Februar erstmals wieder eine Lehramtsanwärterin in der Schule ausgebildet (DA berichtete).

Genügend Lehrer fürs Gymnasium, aber nicht in jedem Fach.

An Lehrern für das Gymnasium wird es in Zukunft nicht fehlen. Allein am Lessing-Gymnasium (LGD) in Döbeln wurden in den vergangenen Jahren um die 20 Referendare ausgebildet. Am Harthaer Martin-Luther-Gymnasium lernen bald sechs das Unterrichten. „Dass Nachwuchs für das Gymnasium kein Problem ist, die Aussage muss man hinterfragen“, sagt Michael Höhme, Schulleiter des LGD. Für Deutsch, Ethik, Geschichte und Gemeinschaftskunde gebe es zahlreiche Lehrer, für die Naturwissenschaften oder Fremdsprachen fehlen sie dagegen. Lothar Weisheit, der Direktor des Harthaer Gymnasiums, befürchtet, dass es zukünftig vermehrt Bedarf an Informatik-Lehrern geben wird. Das Kultus bestätigt das. Vor allem in den Fächern Chemie, Biologie, Informatik, Mathematik und Physik sei der Anteil an Studierenden geringer als der Bedarf. Ähnlich sieht es für den Bereich der Oberschulen aus.

Viele Schulleiter lassen die Renten-Welle auf sich zukommen.

In den meisten Bildungsstätten der Region gehen die ersten Lehrer in den kommenden drei bis vier Jahren in den Ruhestand. Manche Direktoren wagen noch keine Prognosen darüber, wann ihre Kollegen ihr Berufsleben beenden werden. „Ich kann nicht sagen, ob welche vorhaben, in den Ruhestand zu gehen“, sagt zum Beispiel Katrin Wagner von der Oberschule Am Holländer in Döbeln. Die meisten ihrer Kollegen sind zwischen Ende 40 und Anfang 60. Gut durchmischt sei das Kollegium an der Kunzemannschule in Döbeln, so Rektorin Heidemarie Egerer. Elf Stammlehrer verschiedenen Alters unterrichten die Grundschüler, von etwa 30 bis Anfang 60. Auch Egerer lässt die Renten-Welle auf sich zukommen. „Jeder Lehrer, der in den Ruhestand geht, ist ein Einzelfall.“

Die Bildungsagentur wirbt, um die Lücken auf dem Markt zu schließen.

Bis 2019 will der Freistaat Sachsen mindestens 6 100 Lehrer unbefristet einstellen. Doch die müssen erst einmal ausgebildet werden. Ein neues Mittel, um junge Leute für den Beruf zu interessieren, ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) an einer Schule, das seit dem Schuljahr 2013/14 angeboten wird. In der zweiten Runde, die derzeit läuft, ist keine Schule aus der Region Döbeln dabei. Für das neue Schuljahr können sich Interessierte zwischen 1. Februar und 31. Mai bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, dem Träger des FSJ, melden.

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