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Generationswechsel im Landgasthof

Thomas Michel übernimmt den Heidekrug Cotta von seinen Eltern. Er hat viel vor.

Von Mareike Huisinga

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Nein, Sigmar Gabriel hat nicht in dem gemütlichen Wintergarten am Kaminofen des Landgasthofes Heidekrug in Cotta Kaffee und Kuchen genossen. Der SPD-Chef kurte vor Kurzem im nahe gelegenen Bad Gottleuba. Bundesprominenz hat der Gasthof mit Hotelbetrieb aber auch gar nicht nötig, denn im Jahr kommen rund 30 000 Gäste aus ganz Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte.

Vor 25 Jahren kauften Egon und Ina Michel das historische Gebäude, um dort den Heidekrug zu gründen. „Das war schon ein Wagnis, denn damals nach der Währungsunion wollten die Menschen ihr Geld lieber für Westware ausgeben, anstatt für ein Bier oder gutes Essen in einem Lokal“, erinnert sich Egon Michel. Dennoch verwirklichte sich Michel, der aus dem Baufach stammt, seinen Traum von der Selbstständigkeit. Besonders mit der Ausrichtung von Feiern konnte sich der Familienbetrieb schnell einen Namen in der Region machen.

Die Michels nahmen viel Geld in die Hand, um zu investieren. Ein Wintergarten wurde angebaut, Nachbargrundstücke erworben, um darauf ein Apartmenthaus sowie ein Schwimmbad mit Wellnessbereich zu errichten. 2011 kam ein weiteres Gelände dazu, hier steht heute die Bauernstube mit Bowlingbahn.

Bereut haben die Michels ihren mutigen Schritt nie. Sie hatten ein Ziel: Der Gasthof sollte einmal von Sohn Thomas weitergeführt werden und somit in Familienhand bleiben. Diese Übergabe erfolgte jetzt im Januar. Seit Neujahr ist Thomas Michel der Besitzer des Gasthofes Heidekrug. Gunter Claus, Geschäftsführer des Dehoga Regionalverbands Sächsische Schweiz, spricht übrigens von einer beispielgebenden Geschäftsübergabe. „Viele Gaststätten- und Hotelbetriebe im Landkreis haben keinen Nachfolger innerhalb der Familie.“

Thomas Michel hingegen brannte schon immer für den elterlichen Betrieb. Deshalb hat er sich auch konsequenterweise zum Koch ausbilden lassen. Berufserfahrungen sammelte er unter anderem im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn.

Angebot soll weiter wachsen

Angst vor der großen Verantwortung hat der 39-Jährige nicht. „Meine Eltern kann ich um Rat fragen, außerdem habe ich ein gutes Team mit neun Angestellten.“ Dazu zählt übrigens auch Heike Müller, die treue Seele des Hauses. Sie ist im Dorf keine Unbekannte: Früher leitete sie die Schulküche in Cotta. Mit der Gründung des Heidekrugs vor 25 Jahren wechselte sie von der Schulküche in das Lokal, wo sie noch heute mitarbeitet. „Außerdem steht meine Frau Antje vollkommen hinter mir, obwohl sie aus einer ganz anderen Branche kommt“, sagt Thomas Michel. Seine Ehefrau ist Logopädin. Kennengelernt haben sich die beiden – bei einer Feier im Heidekrug.

Thomas Michel steht vor Herausforderungen. Die Einführung des Mindestlohns trifft natürlich auch seinen Betrieb. „Die Angestellten haben schon vorher den Mindestlohn als Netto-Lohn erhalten, aber wir müssen jetzt höhere Sozialversicherungsbeiträge zahlen und haben einen größeren bürokratischen Aufwand“, erklärt der Unternehmer.

Seine Vorstellung ist, mehr Gäste durch neue Angebote anzulocken. Dabei setzt er die von seinen Eltern begonnene Erweiterung der Anlage fort. Das Grundstück mit der großen Scheune nördlich des Gasthofes hat die Familie Michel bereits von der Agrargenossenschaft Pirna-Cotta für Parkplätze gepachtet. Thomas Michel will das Gelände erwerben, um hier weitere Stellflächen zu errichten. Pläne für die Scheune gibt es auch schon, die er allerdings noch nicht verraten möchte. „Es geht in Richtung eines weiteren gastronomischen Angebots“, sagt er geheimnisvoll.

Ob Sohn Felix (12) oder Tochter Marlene (8) die Begeisterung für Gastronomie von ihrem Vater vererbt bekommen haben und den Gasthof mal übernehmen werden, kann man noch nicht sagen. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn sie den Heidekrug einmal weiterführen würden“, sagen Vater und Großeltern übereinstimmend.

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