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Generationswechsel im Rathaus

Weil 30 Jahre nach der Wende viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, sucht die Gemeinde nach neuem Personal.

Eben erst eingestellt, ist Denise Metzler als Sachbearbeiterin für das Personalwesen im Weinböhlaer Rathaus mit dafür verantwortlich, wer künftig zu den neuen Kollegen in der Verwaltung gehören wird.
Eben erst eingestellt, ist Denise Metzler als Sachbearbeiterin für das Personalwesen im Weinböhlaer Rathaus mit dafür verantwortlich, wer künftig zu den neuen Kollegen in der Verwaltung gehören wird. © Norbert Millauer

Weinböhla. Wie überall im Land, in den Städten und in den Gemeinden, so ist auch in Weinböhla das große Stühlerücken angesagt: Dreißig Jahre nach der Wende gehen viele Mitarbeiter in den Ruhestand. Im Weinböhlaer Rathaus betrifft dies etwa zwei von drei Amtsleitern. Nachdem im vergangenen Jahr der altersbedingte Wechsel im Bauamt vollzogen worden ist, hatte an diesem Freitag Hauptamtsleiterin Julia Schneider ihren letzten Arbeitstag. Seit 1. Juli ist als neue Hauptamtsleiterin Tina Freytag eingearbeitet worden, die nun das Amt führt.

Zwei Beispiele, die für den Umbruch in der Gemeindeverwaltung stehen. Dieser gehören insgesamt 250 Beschäftigte an - von den Mitarbeitern im Bauhof bis hin zu den Sekretärinnen und Hausmeistern in den Schulen - nicht alle arbeiten in Vollzeit. Da würden die jetzt anstehenden Personalwechsel kaum ins Gewicht fallen, könnte man meinen.

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 Allerdings ist davon vor allem auch die Kernverwaltung betroffen, also diejenigen, die direkt im Rathaus arbeiten bzw. leitende Positionen einnehmen - und das sind nur 27 Mitarbeiter.

Dazu gehört Denise Metzler. Die 37-Jährige ist ebenfalls seit 1. Juli im Rathaus und als Sachbearbeiterin für das Personalwesen zuständig. Sie wird gemeinsam mit Bürgermeister Siegfried Zenker, dem jeweils zuständigen Amtsleiter und weiteren Mitarbeitern die Einstellungen der kommenden Zeit vornehmen. 

Sie listet auf, wie viele Mitarbeiter seit 2018 in Rente gegangen sind. 2018 waren es vier, davon zwei aus der Kernverwaltung, 2019 sind es drei gewesen - alle aus der Kernverwaltung und in diesem Jahr werden es ebenfalls drei sein - mit Hauptamtsleiterin Julia Schneider einer aus der Kernverwaltung.

Diese sieht eine der Ursachen in den geburtenstarken Jahrgängen der 1950er-Jahre: „Wir hatten zeitweise acht Mitarbeiter aus dem 1954er Jahrgang.“ Bislang gab es in diesem Jahr sieben Neueinstellungen, davon vier als Nachrücker für Altersrenter, sagt Denise Metzler. 

Und im Amtsblatt, der Weinböhla-Information vom Juli, sind fünf Stellenausschreibungen abgedruckt. Die Stelle für einen Schulhausmeister zu besetzen, ist kein Problem. „Mit den Bewerbungen für solche Stellen könnten wir unsere Büros tapezieren“, so Bürgermeister Siegfried Zenker. Aber die drei Stellen für den Baubereich - zwei erfordern Hoch- bzw. Fachschulabschlüsse, eine einen Meister- bzw. Technikerabschluss – sind nicht so einfach zu besetzen.

Dabei gilt: Je höher die erforderliche Qualifikation, desto schwieriger die Besetzung. Da kommt etwa auch die Konkurrenz zwischen großen und kleineren Kommunen ins Spiel. 

Auf die Habenseite für Orte wie Weinböhla schlägt Julia Schneider die Tatsache zu, dass „die Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung, ein breiteres und damit abwechslungsreicheres Arbeitsfeld als in großen Städten haben“. Immer wichtiger werde auch die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort. „Die Leute wollen mehr Freizeit - das verträgt sich nicht mit langen Arbeitswegen.“

Dennoch gibt es auch Bewerbungen aus Dresden auf die ausgeschriebenen Stellen, weiß Denise Metzler. Als einen Grund dafür sieht Bürgermeister Siegfried Zenker die „tolle Verkehrsanbindung nach Dresden“. Sowohl per Eisen- als auch per Straßenbahn ist die Landeshauptstadt erreichbar.

Nicht nur für Julia Schneider war und ist es wichtig, möglichst bruchlose Übergänge im Generationenwechsel zu schaffen. „Am besten ist es, wenn der Bürger überhaupt nichts davon mitbekommt.“ Bürgermeister Siegfried Zenker sieht den Übergang mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Es ist schade, dass das Erfahrungswissen, das die älteren Kollegen angesammelt haben, verloren geht. Aber ihre Nachfolger haben zu vielem einen anderen Zugang, was ihnen hilft, fehlende Erfahrung zu kompensieren.“

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