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Genossenschaft saniert letzten Block

In der Otto-Buchwitz-Straße ist an einem Haus jahrelang nichts passiert. Jetzt holen die neuen Eigentümer den Rückstand mit Riesenschritten auf.

© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Christmann

Vier Generationen wohnen in dem Hauseingang, vom Opa bis zum Urenkel. Die Eltern von Gabriele Tannert sind mit ihr nach dem Bau des Blocks 1967 in die Otto-Buchwitz-Straße 19 gezogen, haben dafür Aufbaustunden geleistet. „Das war wie ein Lottogewinn“, sagt die 52-Jährige heute angesichts der Wohnungsknappheit und modernen Ausstattung damals. Frau Tannert zog 1987 in einen anderen Block und 1994 zurück. Seither hat sie dort eine eigene Wohnung, die nur wenige Meter von ihrer Arbeitsstelle auf der Gemeinde entfernt liegt. Kaufhalle, Grundschule, Kita, Bad, Apotheke, Arzt – alles ist in der Nähe. Auch ihre zwei erwachsenen Töchter wohnen inzwischen in der 19. „Um die Familie um sich zu haben“, sagt Nicole Tannert, die ebenfalls zwei Töchter hat.

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Doch eines ärgerte alle: Ihr Gebäude blieb als einziges in der Otto-Buchwitz-Straße unsaniert. Der Grund: Die anderen neun Blöcke gehören zur Wohnungsgenossenschaft Niederoderwitz, die diese von 2000 bis 2001 für 3,5 Millionen Euro umfangreich sanieren ließ. Ihrer hingegen befand zuerst im Eigentum der Gemeinde, danach im Besitz einer Frau aus Berlin. Sie sei einmal dagewesen und habe versprochen, alles zu machen, sagt Gabriele Tannert. Doch bis auf Reparaturen passierte nichts. So blieb immer die Hoffnung, dass die Genossenschaft das Haus irgendwann einmal übernimmt. Das konnte diese erst voriges Jahr aus einer Zwangsversteigerung heraus für 123 000 Euro kaufen. Die erste Maßnahme passierte noch vor dem Winter: Der Austausch der Holzfenster. Die Rahmen verzogen sich über die Jahrzehnte. Eines soll bei starken Wind immer von alleine aufgegangen sein. „Alle Achtung, dass die Mieter das solange ausgehalten haben“, sagt die Vorstandsvorsitzende Sabine Jähne. Drei Familien sind wegen der Zustände sogar aus- und in einen Block der Genossenschaft eingezogen.

Seit dem Frühjahr laufen nun die Außenarbeiten mit Baufirmen aus der Region. Strom-, Wasser- und Gasleitungen werden ausgetauscht, Dach und Fassade erneuert, Dachboden und Kellerdecke gedämmt. Erstmals erhalten auch alle 18 Wohnungen einen Balkon. Bislang traf diese Annehmlichkeit nur auf die Hälfte zu. „Und auf den alten Balkonen konnte keiner mehr treten“, sagt Frau Jähne. Dort ragten Drahtstäbe aus dem Betonboden. Die neun leerstehenden Wohnungen werden auch innen komplett erneuert, die belegten nach Mieterwunsch. Dafür investiert die Genossenschaft 700 000 Euro. Bis Juni soll der letzte Block an der Otto-Buchwitz-Straße saniert sein. Der Mietpreis liegt dann bei 4,32 Euro pro Quadratmeter.

Der gilt bereits für die Gebäude mit den Hausnummern eins bis zwölf. Dort hat die Genossenschaft ebenfalls Dachboden- und Kellerdecke dämmen lassen. Pro Jahr folgen zwei Blöcke für 82 000 Euro. Dort zahlen die Mieter bislang 3,91 pro Quadratmeter. Perspektivisch sollen auch alle Wohnungen einen Balkon erhalten. „Wir achten auf Gleichbehandlung“, sagt Frau Jähne. Der Unterschied zu privaten Eigentümern: Bei einer Genossenschaft erhalten die Mieter ein Dauernutzungsrecht. Das gebe Sicherheit und schaffe Vertrauen, erklärt die 50-Jährige. Auch sie wohnt mit ihrer Familie in der Otto-Buchwitz-Straße. Wie beliebt die neun Blöcke sind, zeigt sich an der Leerstandsquote. Der lag für die bislang 173 Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren bei einem halben Prozent. Nun kommen 18 hinzu. Die neun freien Wohnungen sind bereits reserviert. Es gebe viele, die gesundheitlich oder wegen des Todes ihres Partners das eigene Heim nicht mehr bewirtschaften können und in die Blöcke ziehen, berichtet die Vorsitzende. Das sind oft Senioren. Deshalb liegt der Altersdurchschnitt in der Genossenschaft bei 64 Jahren. Für Drei-Raum-Wohnungen führt Frau Jähne sogar eine Warteliste, die bis 2010 zurückreicht. Ein Punkt für die Interessenten ist auch die Barrierefreiheit. Der Grundriss lässt aber nur bedingt Veränderungen zu. Türschwellen auszubauen, ebenerdige Duschen zu installieren, Handläufe anzubringen, Toiletten höher zu setzen oder Lichtschalter anders anzuordnen zählen dazu. Die Hausgemeinschaften würden sich vor allem untereinander helfen, sagt die Vorsitzende. Da gehe man schon mal für den anderen einkaufen. Deshalb freut sie sich, wenn mehrere Generationen in einem Block wohnen. Das fördere die Gemeinschaft, sagt die 50-Jährige. Den Zusammenhalt will die Genossenschaft vorantreiben und die alte Baubaracke an der Rudolf-Renner-Straße zu einem Veranstaltungsraum ausbauen lassen. Dort stehen bislang die Antennenanlage und die Wäschemangel. Die Medien sind bereits neu verlegt, das Gebäude ist trockengelegt. Von der Gemeinde kaufte die Genossenschaft sogar schon die Wiese davor, um ihn als Bolzplatz zu nutzen, Sitz- und Grillmöglichkeit zu haben. Der Ausbau der Baracke ist ein Projekt für die nächsten vier Jahre.