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Geplanter Abriss ruft Canaletto auf den Plan

Der berühmte Maler sorgt sich. Ein von ihm gezeichnetes Haus soll einem Supermarkt weichen. Da hat er einen Vorschlag.

Von Alexander Müller

Es muss schon viel passieren, damit Canaletto sich noch einmal auf den Weg nach Pirna macht. Schließlich ist er nicht mehr der Jüngste. Und doch – er wurde gesichtet. Mit Sorgenfalten im Gesicht schritt er die Breite Straße auf und ab. Vor einem Gebäude aber blieb er stehen – dem Haus mit der Nummer 10. Gut, hinter der Verkleidung steckte Uwe Kelly, der als Canaletto regelmäßig Besucher durch die Stadt führt. Doch seine Sorgen, die sind echt.

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„Zwischen 1753 und 1755 malte Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, die elf berühmten Ansichten von Pirna“, berichtet Uwe Kelly. Eine davon ist die „Breite Gasse in Pirna mit Postmeilensäule“. Mithilfe einer Camera obscura habe Canaletto die Gasse, die heutige Breite Straße, fotografisch genau erfasst. Vergleiche man sein Bild mit der westlichen Straßenseite, so werde man feststellen, dass sich diese über Jahrhunderte nur unwesentlich verändert hat. „Besonders das Haus Nummer 10 entspricht fast dem Anblick, den es Canaletto vor etwa 260 Jahren bot, und es befindet sich darüber hinaus außen noch in einem guten baulichen Zustand“, erläutert Uwe Kelly. Es sei ein Beleg dafür, dass ärmere Bürger die Vorstadt Pirnas bewohnten und stelle deshalb ein besonders wichtiges Zeugnis dieser vergangenen Epoche Pirnas dar. „Es ist völlig unverständlich, dass das Gebäude der Ausfahrt eines künftigen Supermarkts weichen soll“, sagt Uwe Kelly.

Nach derzeitigem Stand will ein sogenannter Schwarzer Netto an der Ecke Königsteiner-/Kochstraße bauen. Dafür soll zum einen die Kochstraße bis zum Supermarkt wieder zweispurig geöffnet werden, zum anderen soll es eine weitere Zufahrt von der Breiten Straße aus geben. Das historische Haus soll deshalb abgerissen werden. Die Denkmalschutzbehörde hat bereits zugestimmt (SZ berichtete).

Die geplante überbreite Ausfahrt reiße eine unschöne Lücke in die bisher optisch geschlossene Gebäudefront der oberen Breiten Straße, bedauert Uwe Kelly. „Die daneben befindliche Ausfahrt mit vier Metern möglicher Breite dürfte für Lieferfahrzeuge, von denen Kühllaster mit 2,50 Metern die breitesten sind, völlig genügen.“ Und der Stadtführer hat einen Vorschlag. „Das Haus Breite Straße 10 könnte als Verwaltungs- und Sozialgebäude für den Supermarkt genutzt werden, aber auch eine Leergutannahme oder eine Dienstleistungsreinrichtung könnten darin untergebracht werden.“

Pirna, das auch mit dem Beinamen „Canalettostadt“ werbe, solle sorgsam bewahren, was aus Canalettos Zeiten übrig ist.