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Weißwasser

„Gerade jetzt sind wir besonders gefragt“

Weißwassers Wirtschaftsförderer Thorsten Rennhak sagt, wie sich seine Aufgaben in Corona-Zeiten geändert haben.

Thorsten Rennhak ist als Wirtschaftsförderer der Stadt Weißwasser mehr denn je Ansprechpartner und Vermittler für Firmen.
Thorsten Rennhak ist als Wirtschaftsförderer der Stadt Weißwasser mehr denn je Ansprechpartner und Vermittler für Firmen. © privat

Herr Rennhak, was macht ein städtischer Wirtschaftsförderer in Zeiten wie diesen, wo es durch Covid-19 kaum noch eine funktionierende Wirtschaft in Weißwasser gibt?

Gerade jetzt ist die Wirtschaftsförderung besonders gefragt. In der Krise geht es um Perspektiven für danach und Strategien, um durch die schwere Zeit zu kommen. Sicher, momentan ist die Lage ganz anders, als wir sie bisher kannten. Der Virus hat vieles verändert. Entsprechend groß sind die Sorgen, Probleme und Nöte der Menschen, auch der Unternehmer, und die diesbezüglich im Rathaus eingehenden Anfragen. Sie reichen von Fragen zu konkreten Festlegungen und Auswirkungen der Allgemeinverfügungen des Freistaates – die ja ständig überarbeitet und an die aktuelle Lage angepasst werden – auf die Unternehmen, über Unterstützungsmöglichkeiten und Regelungen bis hin zur Hilfestellung bei Antragstellungen für Soforthilfen, zinslose Darlehen oder Kredite von Bund und Land. Mein Hauptbetätigungsfeld stellt momentan das Sammeln, Aufbereiten und Weiterleiten von Informationen dar. Immerhin gibt es für alle Firmengrößen und Branchen unterschiedliche und sich ändernde Regelungen. Meine Rolle als Wirtschaftsförderer war, ist und bleibt die des Ansprechpartners und Vermittlers.

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Haben Sie Beispiele dafür?

Nehmen wir zum Beispiel das Thema zinslose Kredite. Bisher galt im Freistaat, dass sie nur Unternehmen bis maximal 10 Mitarbeiter und einem Jahresumsatz von maximal einer Million Euro erhalten. Seit 15. April erhalten sie allerdings auch Firmen mit maximal 100 Mitarbeitern, wobei es keine Begrenzung des Jahresumsatzes gibt. Ein anderes Beispiel sind Regelungen für sächsische Unternehmen, die Mitarbeiter aus Polen und Tschechien beschäftigen. Dies betrifft vor allem das Gesundheitswesen, Transport und Logistikfirmen, Landwirtschaft oder Lebensmittelindustrie, die nun Übernachtungszuschüsse für ihre Mitarbeiter und deren Familienmitglieder beantragen können, wenn diese während Corona in Deutschland bleiben.

Nicht nur in sozialen Medien werden allerdings auch Forderungen örtlicher Unternehmen nach konkreter Unterstützung durch die Stadt immer lauter. Als Beispiel werden oft Gutschein-Aktionen anderer Städte genannt.

Auch die Stadt Weißwasser wird Gewerbetreibende, insbesondere Einzelhändler und Gastronomen, praktisch unterstützten. Es musste jedoch erst geklärt werden, in welcher Form und finanziellen Höhe das möglich ist. Nun steht fest: Eine Gutschein-Aktion wird auch in der Glasmacherstadt starten. Die Stadt selbst wird Gutscheine erwerben und diese an aktive Vereine verteilen. Ansonsten appellieren wir an alle Bürger und Partner, die Aktion zu nutzen und selbst Gutscheine von Unternehmen zu erwerben, damit unsere Stadt auch in Zukunft Lebensqualität und Vielfalt bietet.

Gibt es trotz Corona noch Anfragen von Unternehmen, die Interesse an einer Ansiedlung in Weißwasser haben?

Natürlich. Virus-Krise hin oder her, es muss schließlich für die Zeit danach weiter gedacht und geplant werden. Gerade in der Wirtschaft. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Weißwasser inzwischen mehr in den Fokus gerückt ist und regelmäßig Ansiedlungsanfragen aus ganz Deutschland kommen. Dies betrifft vorrangig Klein- und mittelständische Betriebe, die jedoch meist aus dem produzierenden Gewerbe kommen. Noch gibt es keine Verträge, denn alle warten derzeit auf die Verabschiedung des Strukturstärkungsgesetzes, die sich auf Grund von Corona verzögern wird, und darauf, was und wie es ansiedlungswillige Unternehmen unterstützt.

Also lautet das Motto derzeit „Still ruht der See!“?

Nein. Gemeinsam mit dem Citymanager informieren wir, auch und gerade während Corona, die örtlichen Kleinunternehmen und Geschäfte über Fördermöglichkeiten zu ihrer Stärkung durch ein EU-Programm, das noch bis Ende 2020 läuft. (*) Damit können Technik, Umbauten, Ausstattung und vieles mehr durchgeführt oder erworben werden. Aber wir wissen auch, dass situationsbedingt die Investitionsbereitschaft gerade nicht sehr groß ist. Außerdem versuchen wir, unsere Unternehmen und Geschäfte zu unterstützen, indem wir sie über soziale Medien wie Facebook unter Glasturbine mit ihren Angeboten und Aktionen bekannt machen. Außerdem müssen wir die Zeit nutzen, also auch jetzt, um Rahmenbedingungen und Infrastrukturen zu schaffen, damit im Strukturwandelprozess neue Firmen und Arbeitsplätze nach Weißwasser kommen. Das können wir als Stadt Weißwasser natürlich nicht alleine leisten. Doch wir leisten alle notwendigen Zuarbeiten. Letztlich hängt die weitere Entwicklung der Region jedoch maßgeblich vom noch zu beschließenden Strukturstärkungsgesetz der Bundesregierung, seiner Inhalte, Regularien, Fördermodalitäten ab.

Da werden momentan sicher auch keine Rückkehrer-Anfragen kommen!

Es kommen immer mal wieder Anfragen. Meist handelt es sich dabei um Jobanfragen. Doch eine Weitervermittlung ist derzeit – wo die Firmen ums Überleben kämpfen – schwierig. Gesucht übers Rückkehrer-Telefon werden aber auch Wohnraum, Kinderbetreuungsplätze, sogar Garagen. Abgesehen davon plane ich, trotz aller Schwierigkeiten, bereits den diesjährigen Rückkehrer-Tag. Der soll am 28. Dezember sein. Klar kann momentan noch keiner sagen, ob er stattfinden kann. Die Vorbereitung muss trotzdem anlaufen.

Apropos öffentliche Veranstaltungen: Gibt es 2020 in Weißwasser wieder einen Tag der offenen Unternehmen?

Vorgesehen ist er. Selbst der Termin, 6. November, steht fest. Auch die Fördergelder dafür sind beantragt. Wir hoffen nun, dass dieses Angebot, trotz Corona-Krise, wie im Vorjahr stattfinden kann und sich Schüler sowie alle interessierten Bürger in den Firmen der Stadt über Ausbildungsplätze, Jobangebote oder das Unternehmen informieren können. Noch ist es Ziel, im Frühsommer mit der Vorbereitung zu starten.

Informationen zu EU-Investitionsbeihilfen an Kleinst- und kleine Unternehmen im EFRE Fördergebiet „Lebendige Mitte“ bis 2020 gibt es hier

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