SZ +
Merken

Gerätewerk lebt für einen Abend auf

Ehemalige Mitarbeiter des Traditionsbetriebs treffen sich im Stadtkulturhaus, um Erinnerungen wieder aufzufrischen.

Teilen
Folgen

Von Peter Hilbert

Fast 15 Jahre ist Thomas Kraft kein Prüfgerätewerker mehr. Doch an die Zeit in dem Freitaler Traditionsbetrieb erinnert sich der heute 47-Jährige gern. Gleich nach seiner Lehre fing der Elektriker im Werk auf der Leßkestraße an. Er war Ende 1990 allerdings einer der ersten, die den Hut nehmen mussten.

Heute sei er darüber nicht traurig. Mit seinem Vater Siegfried Kraft hat er sich mit einer Elektrofirma selbstständig gemacht, wurde zwar ins kalte Wasser geschmissen, konnte aber so die nötigen Erfahrungen sammeln. Mittlerweile hat der erfahrene Fachmann ausreichend. Zudem hat Kraft auf der Abendschule noch seinen Meisterbrief gemacht. Und so wird er Anfang 2006 den Freitaler Familienbetrieb von seinem Vater übernehmen, der in den Ruhestand geht.

Zuvor steht noch ein großer Höhepunkt an. Am 17. September wird es im Stadtkulturhaus ein Wiedersehen der Freitaler Prüfgerätewerker geben. Gemeinsam mit Sonja Lätzsch und anderen tatkräftigen Ex-Prüfgerätewerkern hält Kraft die Fäden für die Vorbereitung in der Hand. So ein Treffen gab es auch schon 2001. „Die früheren Brigaden hatten sich nach der Wende immer wieder getroffen. Da habe ich mich gefragt: Warum machen wir nicht mal ein großes Betriebsvergnügen?“, erinnert sich Thomas Kraft.

Gesagt, getan. Für November 2001 wurde das erste Treffen der ehemaligen Prüfgerätewerker im Stadtkulturhaus angesetzt. In der Personalabteilung des Preiss-Daimler-Prüfgerätewerkes Dresden, des letzten Überbleibsels des einstigen Großbetriebs, wurden die Adressen von Mitarbeitern ausgegraben. Ein Kulturprogramm wurde organisiert und auch das ganze Drumherum bis hin zum kalten Büfett. Der Andrang übertraf alle Erwartungen. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele kommen.“

Und so konnte der frühere Betriebsdirektor Bernhard Haufe bei der Eröffnung 460 ehemalige Mitarbeiter begrüßen. Er erinnerte daran, wie sich Gaukler und Hasardeure nach der Wende reihenweise die Klinke seines Arbeitszimmers in die Hand gaben. Bis die Treuhand das Werk, das dann den Bach hinunter ging, aus seiner Sicht unter Wert verkauft habe.

Kraft erinnert sich gern an das Treffen. „Es war schön, mal über alte Zeiten zu reden. Alte Kollegen fielen sich in die Arme, manchen kamen die Tränen.“ Das Wiedersehen wurde gefeiert, bis morgens gegen zwei. Viele hätten noch lange danach vom Treffen geschwärmt und sich gewünscht, dass wieder eins auf die Beine gestellt wird. Nun ist es soweit. Thomas Kraft hofft, dass wieder viele kommen.

Kartenvorverkauf im Bestell-Shop von Steffen Heinz, Freital, Bahnhofstraße 2,

0351/6 49 21 21. Kartenpreis 18 Euro. Die Wiedersehensveranstaltung beginnt im Stadtkulturhaus am 17. September, 16 Uhr, Einlass 15.15 Uhr.