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Geheimsache Theatersanierung

Hinter der Bühne ist noch viel zu tun. Angeblich haben sich die Kosten vervierfacht. Aber stimmt das denn?

Von außen schick, von innen nur teilweise: Das Görlitzer Theater.
Von außen schick, von innen nur teilweise: Das Görlitzer Theater. © Foto: Danilo Dittrich

Zumindest die Zeitachse bei der dringend nötigen weiteren Sanierung des Görlitzer Theaters war eigentlich längst klar. Baubeginn sei für Herbst 2021 geplant, sagte Intendant Klaus Arauner vor einem Jahr im SZ-Interview. Die Zeit bis dahin sei nötig für die Planung, die Absicherung der Finanzierung und die Suche nach einem möglichen Spielort. „Während der umfangreichen Sanierung werden wir an einem alternativen Spielort auftreten, denn das Theatergebäude können wir in dieser Phase nicht nutzen“, so Arauner.

Es geht um den Brandschutz

Den Laien mag die Theatersanierung überraschen, schließlich ist das Gebäude am Demianiplatz von außen längst schick. Auch drinnen sind all jene Bereiche, die die Besucher zu Gesicht bekommen, hochwertig saniert. Doch während seit 1990 etwa 15 Millionen Euro in Zuschauersaal, Dach und Brandschutz geflossen sind, standen für neue Technik kaum Gelder zur Verfügung. So können die drei Hebepodeste der Bühne aufgrund von modernen Sicherheitsvorschriften nicht im laufenden Theaterbetrieb eingesetzt werden.

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Zudem gibt es immer noch keinen Fahrstuhl zum Theatergraben. Wenn dort ein Klavier hingebracht werden soll, braucht es zwei Planken und mindestens vier kräftige Mitarbeiter. Nicht zuletzt sind in den vergangenen 20 Jahren die Anforderungen an den Brandschutz enorm gewachsen. „Jetzt ist es Zeit, diese Auflagen zu erfüllen“, sagt Arauner. Sie betreffen vor allem die Bereiche hinter der Bühne, die das Publikum nicht zu sehen bekommt, und reichen vom Bühnenturm bis hinunter in den Keller.

Ursprünglich gab es nach SZ-Informationen Kostenschätzungen, die von acht bis zwölf Millionen Euro ausgingen. Jetzt heißt es hinter vorgehaltener Hand: 37,5 Millionen Euro sind nötig. Das wäre eine glatte Vervierfachung der Kosten. Zumindest ein Teil des Geldes soll angeblich bei den Strukturwandelfördertöpfen beantragt werden, die die Lausitz beim Kohleausstieg erhält.

Stadt verweist auf den Kreis

Doch stimmt das alles? Und wer kann dazu etwas sagen? Die Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH wird von vier Gesellschaftern getragen. Das sind die Beteiligungsgesellschaft des Landkreises, der Landkreis selbst sowie die Städte Görlitz und Zittau. Die Stadt Görlitz als Eigentümerin des Gebäudes will sich aber nicht äußern – und verweist stattdessen auf den Landkreis als Projektsteuerer. Der ist derzeit auch nicht besonders aussagefreudig. „Gegenwärtig können wir weder zu genauen Sanierungskosten noch zu deren Finanzierung Aussagen treffen, da die Planungen für die Sanierung des Görlitzer Theatergebäudes noch nicht abgeschlossen sind“, sagt Sprecherin Julia Bjar.

Im Oktober werde sich die Gesellschafterversammlung des Gerhart-Hauptmann-Theaters mit dieser Problematik befassen: „Frühestens nach dieser Sitzung sind verlässliche Aussagen hierzu möglich.“

Ausnahmegenehmigung gilt weiter

Der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler – einst selbst Theater-Intendant – sagt, dass es eine Vereinbarung zwischen den Gesellschaftern gibt, wonach Stadt und Landkreis Bau- und Planungskosten zu je 50 Prozent zusätzlich zum Betriebszuschuss finanzieren – jedenfalls, wenn Fördermittel möglich sind. Für den Betrieb der Bühne bis zur Sanierung existiere eine Ausnahmegenehmigung: „Es gibt ein festgelegtes Betriebsverfahren, das eingehalten werden muss und unbefristet ist“, erklärt Wieler. Also besteht zumindest keine Eile.

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