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Radebeul

Geriatrie-Klinik frei von Corona

Das sächsische Zentrum für Altersmedizin versorgt Hochrisiko-Patienten auch in der Krise zuverlässig und hat Pläne für die Zukunft.

Chefärztin Daniela Diessner-Koerner führt die Fachkliniken für Geriatrie Radeburg, die ältere Patienten behandeln, durch die Corona-Krise.
Chefärztin Daniela Diessner-Koerner führt die Fachkliniken für Geriatrie Radeburg, die ältere Patienten behandeln, durch die Corona-Krise. © Norbert Millauer

Frau Dießner-Koerner, Sie sind die neue Chefärztin der Fachkliniken für Geriatrie in Radeburg. Wie hat Sie Ihr beruflicher Weg bis hierher geführt?

Wir helfen Händlern in Dresden
Wir helfen Händlern in Dresden

Corona ist bedrohlich. Für die Gesundheit, aber auch für Dresdner Händler und Gewerbetreibende. Hier können Sie helfen – und haben selbst etwas davon.

Aus der Oberlausitz hat es mich zum Medizinstudium an das Uniklinikum Dresden gezogen. Im Rahmen meiner Facharztausbildung für Innere Medizin, die ich 2014 abschloss, machte ich bereits Station in den Fachkliniken Radeburg. Was im Vergleich zu anderen Krankenhäusern sofort auffiel, war neben der fachlichen Spezialisierung auf ältere Patienten und ihre Bedürfnisse der persönliche Umgang mit ihnen, was meines Erachtens wesentlich zum Wohlbefinden und der raschen Genesung beiträgt.

2016 kehrte ich als Oberärztin in das Geriatrische Fachkrankenhaus zurück und freue mich nun, in meiner neuen Position als Chefärztin das Fachkrankenhaus zusammen mit der Rehaklinik als Zentrum für Altersmedizin weiterzuentwickeln.

Mit Geriatrie können die meisten etwas anfangen, es hat etwas mit alten Leuten zu tun. Was ist Geriatrie aus fachlicher Sicht?

Die Altersmedizin oder auch Geriatrie macht eine gewisse Komplexität aus, da Patienten aufgrund ihrer Lebens- und Krankheitshistorie mehrere zum Teil chronische Erkrankungen mitbringen, die wir in ihrer Gesamtheit betrachten und therapieren.

Aufgrund der teils langwierigen Genesungsprozesse beschränkt sich die Betreuung der Patienten jedoch nicht nur auf den Klinikaufenthalt hier vor Ort. Wir arbeiten eng mit ambulanten Ärzten, Therapeuten und Klinken in der Region zusammen, um den einzelnen Patienten bestmöglich bei der Genesung zu begleiten. Dieses Konzept ist so erfolgreich, dass wir 2018 zum offiziellen Zentrum für Altersmedizin des Freistaats Sachsen ernannt wurden.

Worin bestehen für Sie der Reiz und die Herausforderung bei der Arbeit mit alten Menschen?

Ich denke, der Reiz besteht genau in der beschriebenen Vielfalt bei der Behandlung älterer Patienten. Dabei beschränken wir uns nicht auf Symptome, sondern versuchen die Lebensqualität und Selbstständigkeit unserer Patienten so lange wie möglich sicherzustellen.

Die aktuelle Virus-Epidemie hat für alte Menschen, die besonders gefährdet scheinen, zu erheblichen Einschränkungen geführt. Seit dem 16. März, also seit acht Wochen, besteht ein generelles Besuchsverbot in Ihren Häusern. Wie gehen Sie mit dieser Sondersituation um?

Die Fachkliniken Radeburg hatten bereits sehr frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um Patienten und Personal vor Covid-19-Infektionen zu schützen. Dies ist sehr aufwendig, zeigt aber auch seinen Erfolg. So konnten wir die Klinik bis heute frei von Corana-Infektionen halten und sowohl akute als auch rehabilitative Patienten durchgehend behandeln.

Unter anderem haben wir zum Schutz aller Patienten eine Aufnahmestation mit einem Isolationsbereich eingerichtet. Alle neu aufgenommenen Patienten erhalten dort als Vorsichtsmaßnahme einen Corona-Abstrich. Wir arbeiten derzeit mit drei Laboren zusammen, sodass wir innerhalb von wenigen Stunden die Ergebnisse der Tests erhalten. Erst bei Vorliegen eines negativen Laborbefundes und bei Symptomfreiheit werden die Patienten auf die anderen Stationen verlegt.

Sie versuchen, den Kontakt zwischen Ihren Patienten und deren Angehörigen über digitale Medien zu verbessern, etwa über das Portal für Videotelefonie Skype. Wie wird das angenommen und gibt es einen Termin für die Aufhebung der Kontaktsperren?

Das Besuchsverbot bleibt weiterhin gemäß den gesetzlichen Vorgaben bestehen. Auch wenn es zum Schutz der älteren Menschen, die nun einmal zur Hochrisikogruppe gehören, lebensnotwendig ist, tut es mir doch leid für sie. Wir ermöglichen unseren Patienten auf alternativen Wegen, den Kontakt zu ihren Angehörigen über Skype zu halten. Die Patienten werden dabei von Klinikmitarbeitern unterstützt.

Darüber hinaus denken wir über die Einrichtung eines Besucherfensters in einem speziellen Raum nach, sodass die Patienten - natürlich mit zwei Metern Abstand und Mundschutz - mit ihren Angehörigen sprechen könnten. Kontakt zu seinen Angehörigen zu haben, ist ja ein Teil des Genesungsprozesses. Es wäre schön, wenn vonseiten der Politik Möglichkeiten eines Kontaktes ohne direkten Körperkontakt erlaubt würden, unter Beachtung der Bestimmungen zum Infektionsschutz. 

Jährlich werden in den Radeburger Kliniken durch Ihre 150 Mitarbeiter etwa 1.600 Patienten behandelt. Ist der Bedarf damit abgedeckt?

Ich denke, unser Ruf als Spezialist bei der Versorgung älterer Patienten ist mittlerweile bekannt. Wir werden bereits seit längerer Zeit sehr gut nachgefragt. Die demografische Entwicklung wird sich in der Region in absehbarer Zeit auch nicht umkehren. Das heißt, wir werden immer älter und der Anteil der älteren Personen in der Bevölkerung nimmt zu. Insofern ist es Aufgabe unserer Gesellschaft, das medizinische Versorgungsangebot entsprechend anzupassen.

Daher haben wir bereits Pläne in der Schublade, wie wir unser Profil und unsere Expertise in der nahen Zukunft weiter ausbauen wollen. Im Zentrum unserer Strategie stehen bei uns kooperative Modelle. Man kann also gespannt sein!

Gibt es Pläne zur Erweiterung der Klinken?

Für die weitere Entwicklung ist geplant, die räumliche Kapazität der Kliniken zu erneuern und auszubauen, um auch zukünftig die hohe medizinische Versorgungsqualität dauerhaft zu garantieren. Immerhin profitieren Patienten und medizinische Partner in der Gesundheitsbranche gleichermaßen von unserer Expertise als offiziell anerkanntes Zentrum für Altersmedizin des Freistaats Sachsen.

Für dieses Jahr haben wir bereits im vierten Quartal die Eröffnung unserer Tagesklinik mit zehn Betten geplant, in welcher Patienten akut-medizinisch und frührehabilitativ versorgt werden können. Diese sollten aber ein gut funktionierendes soziales Umfeld haben und im Alltag noch zurechtkommen, weil diese Patienten nachts, an den Wochenenden und Feiertagen zu Hause sind.

Für diese Erweiterung unserer räumlichen Kapazitäten sind wir in Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium, die wir immer als partnerschaftlichen und guten Dialog verstehen und wahrnehmen. 

Wird sich Ihre künftige Arbeit durch die Epidemie verändern?

Grundsätzlich sollten wir uns darauf einstellen, mit Covid-19 zu leben. Gleichzeitig sind wir uns sehr wohl bewusst, dass ältere Menschen mit Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe für Corona-Infektionen gehören. Deshalb steht für den Klinikbetrieb die weitestgehende Reduzierung von Infektionsrisiken an erster Stelle, inklusive der beschriebenen Aufnahmestation und der Testung von neuen Patienten.

Werden Menschen jenseits der 70 künftig ihren Lebensabend mit Einschränkungen verbringen müssen?

Im Alltag älterer Menschen sollten die allgemeinen Hygieneregeln streng eingehalten und enger Körperkontakt vermieden werden. Auch sollten potenzielle Risikosituationen, wie Menschenansammlungen, gemieden werden. Angehörige oder Nachbarn können hier etwa durch die Übernahme von Einkäufen entsprechend entlasten. Für die Zukunft ist es wichtig, dass die ambulanten Pflegedienste und die Pflegeheime ausreichend ausgestattet werden mit notwendigem Schutzmaterial. Denn, wenn diese nicht funktionieren, können auch die Krankenhäuser nicht mehr funktionieren, weil sie genesene Patienten nicht mehr in die ambulante Versorgung entlassen können. 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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