merken
PLUS Dresden

Schneller Naidoo muss jetzt zahlen

Nach einem Konzert in Dresden drückte der prominente Sänger aufs Gaspedal. Ein jahrelanger Streit wegen 80 Euro folgte. So ging er aus.

Schillernder Sänger mit einem Faible fürs Gaspedal. Xavier Naidoo von den "Söhne Mannheims" ist im Juli 2017 nach einem Auftritt in Dresden geblitzt worden. Ein langer Rechtsstreit war die Folge, nun endete das letzte Kapitel.
Schillernder Sänger mit einem Faible fürs Gaspedal. Xavier Naidoo von den "Söhne Mannheims" ist im Juli 2017 nach einem Auftritt in Dresden geblitzt worden. Ein langer Rechtsstreit war die Folge, nun endete das letzte Kapitel. © dpa

Dresden. Mit einem Einzeiler hat das Oberlandesgericht Dresden jetzt einen Jahre andauernden Rechtsstreit gegen den Sänger Xavier Naidoo beendet. Der 48-jährige Mannheimer macht seit Monaten wieder mit abseitigen Botschaften auf sich aufmerksam. So flog er erst wegen eines fremdenfeindlichen Liedtextes aus der Jury der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ mit Dieter Bohlen. Danach stellte sich der Sänger, dem auch eine große Nähe zur Reichsbürger-Szene attestiert wird, als Anhänger wüstester Verschwörungstheorien dar. Zuletzt behauptet der Künstler etwa, die Erde sei eine Scheibe. Er habe sich auf dem Weg ins finsterste Mittelalter von der Unterhaltungsindustrie losgesagt, um „die Leute aufzuklären“, wie er sagt.

Nach Konzert geblitzt

2017 hatte Naidoo mit seinem Lied „Marionetten“ für Entrüstung gesorgt. Wenige Monate später, am 1. Juli, fand ein Konzert seiner Band, den „Söhnen Mannheims“ in der Jungen Garde statt. Unmittelbar nach dem Auftritt wurde der Bentley des Sängers um 22.05 Uhr in der Dohnaer Straße mit Tempo 73 geblitzt. Erlaubt waren dort nur 50 Stundenkilometer. Am Steuer saß, unverkennbar, der prominente Musiker.

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnenschutz
Sommer, Sonne, Sonnenschutz

Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Naidoo sollte dafür ein Bußgeld in Höhe von 80 Euro zahlen. Doch lange Zeit passierte nichts dergleichen, denn es war der Dresdner Bußgeldbehörde nicht gelungen, das Knöllchen zuzustellen. Zwar stimmte die Adresse, doch die Post wurde nicht angenommen. Der Bußgeldbescheid kam auch mal mit der Bemerkung zurück, der Barde sei „unbekannt verzogen“.

Amtshilfe wenig hilfreich

Das Ganze ging so weit, dass die Verwaltung sogar die Stadt Mannheim um Amtshilfe bat, den berühmten Sohn der Stadt anzuschreiben. Darauf hatte Naidoo brav geantwortet – auf die folgenden Bescheide aus Dresden jedoch wieder nicht. Erst eine „öffentliche Zustellung“, ein Aushang im Dresdner Rathaus, brachte den Erfolg. Einen Tag vor dem Ablauf der Frist hatte Xavier Naidoo Einspruch gegen seinen Bescheid eingelegt.

Zum Prozess wiederholte sich das Spiel, der Sänger konnte wieder nicht geladen werden. Schließlich schaltete das Gericht die Polizei ein. Erst im April 2019 fand das Bußgeldverfahren am Amtsgericht Dresden statt. Naidoo schickte zwei Anwälte, die jede Möglichkeit zu nutzen versuchten, das Knöllchen abzubiegen.

Es war ganz offensichtlich nicht ihr erster Einsatz in dieser Mission. Naidoo ist schon mehrfach am Steuer aufgefallen, weshalb die Dresdner Bußgeldstelle sogar versucht hatte, ihm ein weit höheres Bußgeld auszustellen. Die Anwälte griffen die Messtechnik an, die Eichprüfungen, machten geltend, dass die öffentliche Zustellung „unverhältnismäßig“ gewesen sei und der Vorwurf ohnehin verjährt sei. Sogar ein zweiter Sitzungstag war notwendig.

Doch die Richterin hatte sich von all dem verstreuten Sand nicht beirren lassen. Sie verurteilte den Sänger, der persönlich nicht anwesend war, zur Zahlung des Bußgeldes von 80 Euro und der Verfahrenskosten. 

Weiterführende Artikel

Der verstörende Absturz des Xavier Naidoo

Der verstörende Absturz des Xavier Naidoo

Geht's noch tiefer? Ja klar. Jetzt lobt der Sänger einen mehrfach verurteilten Reichsbürger als „wahren Helden“.

Justiz fand doch noch den Superstar

Justiz fand doch noch den Superstar

Xavier Naidoo steht in Dresden vor Gericht, nachdem er monatelang Post von der Bußgeld-Behörde ignorierte. Und der Knöllchen-Prozess gegen den Promi dauert an.

Natürlich gingen die Anwälte auch dagegen in Beschwerde – direkt vor dem Oberlandesgericht. Dort haben die Richter nun die Beschwerde von Xavier Naidoo verworfen. Das Urteil des Amtsgerichts Dresden ist rechtskräftig und kann nicht mehr angefochten werden, wie eine Justizsprecherin nun gegenüber der SZ bestätigte.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden