merken
PLUS Großenhain

Baseballschläger hinter der Tür

Ein Großenhainer beugt einem Nachbarschaftsstreit mit nicht ganz gesetzeskonformen Mitteln vor – und kommt mit einer kleinen Geldbuße davon.

Unglaublich, aber wahr: Auch zwischen Nachbarn kommt es nicht allzu selten zu Handgreiflichkeiten.
Unglaublich, aber wahr: Auch zwischen Nachbarn kommt es nicht allzu selten zu Handgreiflichkeiten. ©  Foto: dpa

Großenhain. Die Redewendung „auf die Finger klopfen“ muss in der praktischen Umsetzung nicht so harmlos sein, wie sie klingt. Zumindest nicht, wenn dabei ein Baseballschläger verwendet wird. Der gilt in der Rechtsprechung unter Umständen als „gefährliches Werkzeug“. Das musste ein Frührentner aus Großenhain erfahren, den das Sportgerät auf die Anklagebank brachte. Was war passiert?

Uwe M. wohnt in einem Plattenbau der Röderstadt, und da kommt es schon vor, dass man sich mal von einer Mietpartei im Haus gestört fühlt. Im konkreten Fall waren es die Kinder einer Nachbarin im Geschoss weiter oben, die wohl immer mal Gegenstände aus dem Fenster warfen. Diese landeten auf M.s Balkon, was den Großenhainer furchtbar ärgerte. Also nahm er die Sprösslinge schon mal beiseite und ermahnte sie. Das wiederum sah die Mutter der beiden als Eingriff in ihre erzieherischen Kompetenzen an. Der Angeklagte habe ständig an ihren Kindern herumgemeckert, sagt sie im Zeugenstand.

Anzeige
Deine Chance auf Heimspiele:
Deine Chance auf Heimspiele:

Jetzt DSC-Saisonkarte 2020/21 sichern!

Eines Tages wollte die resolute Dame, nennen wir sie Sabrina, Uwe M. deswegen zur Rede stellen. Dieser hatte gerade Besuch vom Pflegedienst und die Wohnungstür war noch offen, als seine Nachbarin klingelte. M. wollte einer Auseinandersetzung aus dem Wege gehen und Sabrina die Tür vor der Nase zuschlagen. Die aber hielt von außen gegen. Deshalb nahm der Angeklagte einen Alu-Baseballschläger, den er griffbereit hinter der Wohnungstür stehen hatte und schlug der Nachbarin damit auf den Handrücken. Das tat wohl ziemlich weh und hatte auch ein Hämatom zur Folge. Außerdem sei ihr der Schreck dermaßen in die Glieder gefahren, dass sie anschließend vor dem Hauseingang zusammenbrach, sagt die Großenhainerin aus. Das brachte Uwe M. nun eine Anklage wegen Körperverletzung ein.

Dass bei Nachbarschaftsstreitigkeiten die Stimmung derart hochkocht, kommt gar nicht so selten vor. Meist geht dem eine lange Kette von Ärgernissen voraus, und so ist es auch bei der Auseinandersetzung in der Siedlung am Rande von Großenhain. Sabrina hatte sich zum Beispiel erst vor Kurzem von ihrem Lebensgefährten getrennt, mit dem sich Nachbar Uwe offenbar gut verstand und im Hof des Wohnblocks auch gern grillte. Dabei hatten die beiden wohl über die Ex gelästert, und das auch noch in Anwesenheit ihrer Kinder. Die wesentlich jüngere Frau macht gegenüber dem nicht allzu hochgewachsenen Angeklagten einen ziemlichen wehrhaften Eindruck. Deshalb kann man ihm durchaus abnehmen, dass er sich durch den energischen Auftritt seiner Nachbarin bedroht fühlte. Als Notwehr will Richterin Ingeborg Schäfer die Sache aber auch nicht betrachten - war doch vonseiten der Geschädigten keine körperliche Gewalt im Spiel.

Braucht es hier überhaupt eine Verurteilung? Nein, entscheidet das Gericht. Das Verfahren wird gegen die Zahlung eines symbolischen Betrages von 200 Euro eingestellt. Zum einen habe Uwe M. in Sachen Strafverfolgung eine blütenweiße Weste. Da er zum anderen von einer schmalen Rente und Sozialleistungen lebt, sei ein höherer Geldbetrag, wie ihn die Staatsanwaltschaft forderte, nicht angebracht. „Wenn Sie in diesem Leben keine Freunde mehr werden, ist das eben so“, gibt die Richterin den Kontrahenten mit auf den Weg. Im Falle von Uwe M. reiche aber ein kleiner Denkzettel aus. Der soll ihn bei künftigen Meinungsverschiedenheiten daran erinnern, dass sich diese auch mit zivilisierten Mitteln beilegen lassen.

Mehr zum Thema Großenhain