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Gericht spricht Erzieherin frei

Der erste Misshandlungsprozess im Fall der Kita Weißkeißel hat begonnen – und endet rasch.

Von Jost Schmidtchen

Ulla Grundwald*, langjährige Erzieherin in der Kita Weißkeißel, saß jetzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts Weißwasser. Die Sache, um die es ging, ist drei Jahre her, trotzdem waren die Zuschauerreihen im Gerichtssaal voll besetzt: Kolleginnen aus der Kindertagesstätte, Eltern und selbst Bürgermeister Andreas Lysk waren gekommen. Die Gemeinde ist Träger der Kita.

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In einem nicht mehr genau bekannten Zeitraum im August oder September 2011 soll die heute 53-jährige Angeklagte einem elf Monate alten Mädchen beim Füttern die Wangen zugedrückt und dann das Essen mit einem Löffel nachgestopft haben. Plötzlich wurde das kleine Mädchen blass und bekam keine Luft mehr. Die Erzieherin stellte das Kind daraufhin auf den Kopf und schüttelte es an den Füßen, worauf es sich erbrach. Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sie sich nun verantworten.

Die Angeklagte sagte, sie habe von dem Vorwurf erst im Juli 2013 erfahren, als die Mutter des Mädchens Anzeige erstattet hatte. Selbst bei einem Gespräch mit weiteren Eltern kurz vor der Anzeigeerstattung in der Kita zu anderen Problemen wurde darüber nicht gesprochen. Ulla Grundwald sagte unmissverständlich, die Mutti hat den Unfall erfunden. Eine zweite Erzieherin, die bei der Vesper bei der Betreuung der Gruppe anwesend war, äußerte sich nicht zu dem angeblichen Vorfall.

Die Klägerin behauptete dagegen vor Gericht, dass sie von dieser Erzieherin im Juli 2013 den Tipp bekommen habe, auf ihre Tochter aufzupassen, denn in der Kita gäbe es seltsame Vorgänge. Dann sei ihr der angebliche Unfallhergang geschildert worden, woraufhin sie Anzeige erstattet habe. Als er Staatsanwalt wissen wollte, warum die Zeugin nicht sofort zur Kita-Leiterin gegangen sei, blieben deren Antworten jedoch unklar. Amtsrichter Ralph Rehm fragte sich öffentlich, wer nach drei Jahren einen Vorfall aufklären könne, den es womöglich gar nicht gab, zumal es in der Kita auch keine unmittelbaren Zeugen gibt. So standen schließlich die Aussagen gegeneinander und das Gericht befand, dass Ulla Grundwald wohl keinen Grund hatte, die Unwahrheit zu sagen. Sie war im Sommer 2013 vom Träger der Kita zunächst beurlaubt und im März 2013 unter Auflagen wieder eingestellt worden. Staatsanwalt, Verteidiger und Amtsrichter waren vollkommen gleicher Auffassung: Grundwald wurde freigesprochen.* Name von der Redaktion geändert