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Ein kurzes Versagen brachte den Tod

Ein Radfahrer kam vor zwei Jahren bei einem Verkehrsunfall nahe Königsbrück ums Leben. Für den Verursacher gab es jetzt ein mildes Urteil.

Vor zwei Jahren kam an dieser Kreuzung in Koitzsch bei Königsbrück ein Radfahrer ums Leben. Jetzt wurde der Unfallverursacher verurteilt.
Vor zwei Jahren kam an dieser Kreuzung in Koitzsch bei Königsbrück ein Radfahrer ums Leben. Jetzt wurde der Unfallverursacher verurteilt. © René Plaul

Kamenz. Es war ein verhängnisvoller Sonnabendabend im August 2018, als ein Polizeibeamter 19.48 Uhr auf der Staatsstraße 100 bei Königsbrück im Ort Koitzsch bei einem Unfall starb. Unfallfahrer Silvio D. musste sich jetzt vor dem Amtsgericht Kamenz für sein Versagen verantworten.

Der Polizist war mit seinem Fahrrad auf der Staatsstraße unterwegs zum Dienst. Aus Richtung Weißbach näherte sich Silvio D. auf der Nebenstraße in seinem Opel der Kreuzung. Dann geschah das Unglück. D. wollte die Straße queren, da krachte es. Der Opelfahrer hatte den Radfahrer übersehen. Jetzt stand er  wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

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Zwei Gutachter befassten sich mit dem Fall, so Richter Thomas Kranke, aus medizinischer und unfalltechnischer Sicht. So hatte wohl die Bauart des Fahrzeuges den Unfall begünstigt. Dabei spielten die A-Säule, links der Frontscheibe aus Fahrersicht, und ein Fensterdreieck eine Rolle. Beides habe den Blick eingeschränkt. Auch die Lichtverhältnisse hätten Einfluss gehabt.

Nicht leichtfertig gehandelt

Außerdem hatten wohl entgegenkommende Fahrzeuge den Radfahrer verdeckt. Er sei nur in zwei Situationen wahrzunehmen gewesen und recht zügig mit etwa 50 km/h unterwegs gewesen. Aber das könne man ihm natürlich nicht zum Vorwurf machen, so Richter Kranke. Er spricht von einer großen Tragik. So sei wohl auch der Aufprall selbst so unglücklich gewesen, dass er tödlich endete.

Der Angeklagte habe falsch gehandelt, der Unfall mit Todesfolge sei sein Verschulden. Aber es sei keine Leichtfertigkeit im Handeln erkennbar gewesen, schätzt der Richter ein. Er spricht von einem Augenblicksversagen, das nicht passieren sollte, aber jedem passieren könne. Jeder könne in so eine Situation kommen. Der Kraftfahrer sei nicht vorbestraft, auch nicht in der Bußgeldkartei erfasst.

Das sei alles in Betracht zu ziehen. Der Unfall habe den Angeklagten getroffen wie ein Hammerschlag, so Thomas Kranke. Der Mann habe sich sichtlich betroffen gezeigt. Er sei noch immer in psychologischer Behandlung. Während der Verhandlung habe er mehrfach geweint und sich für sein Versagen entschuldigt.

Zu einer Geldstrafe verurteilt

Der Rechtsanwalt der Nebenklage, der Angehörigen, hatte mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr ein höheres Strafmaß gefordert, als der Richter letztlich verhängte, dazu den Entzug der Fahrerlaubnis. Thomas Kranke verurteilte den Angeklagten am Ende der Verhandlung zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro. 

Das mag milde erscheinen angesichts der schwerwiegenden Folgen dieses  Augenblicks der Unaufmerksamkeit. Für Angehörige sei das manchmal schwer zu verstehen, so Kranke. In der öffentlichen Meinung werde es wohl in so einer Sache nie eine gerechte Strafe geben können.

Für den Richter sei aber beim Strafmaß das individuelle Verschulden ausschlaggebend. Es liege bei fahrlässiger Tötung zwischen einer Geldstrafe und fünf Jahren Haft. In diesen Rahmen sei ein Fall einzuordnen. So habe er im Fall von Silvio D. eine grobe Fahrlässigkeit nicht feststellen können, sagt der Richter. Er habe die individuelle Schuld zu beurteilen.

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