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Rentner beschimpft seine Nachbarn

In einem Mehrfamilienhaus soll ein Freitaler einer jungen Familie das Leben schwer gemacht haben. Jetzt muss er dafür eine Geldstrafe zahlen.

Am Amtsgericht Dippoldiswalde wurde jetzt der Fall eines renitenten Rentners verhandelt.
Am Amtsgericht Dippoldiswalde wurde jetzt der Fall eines renitenten Rentners verhandelt. © Egbert Kamprath

Von Anne Schicht

Der 75-Jährige kommt in den Gerichtssaal, setzt sich hin, holt tief Luft, gestikuliert mit seinen Armen und will gleich seine Sicht der Dinge erklären. Doch eine Gerichtsverhandlung folgt strengen formalen Abläufe. So werden zunächst die Anwesenden - Staatsanwalt, Justizbeauftragte, Verteidiger, Richter - vorgestellt, dann die Personalien aufgenommen und dann liest der Staatsanwalt die Anklage vor. 

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Der Rentner soll mit der Hand an das Kinderzimmerfenster seiner Nachbarn geschlagen und gerufen haben: „Steht auf ihr faulen Säcke“, und er soll den Müllsack der Familie in seine Wohnung genommen und ihn dort durchsucht haben. Als die Familie mit dem Bus zum Einkaufen fuhr, hätte er sich ein paar Sitze hinter sie gesetzt und sie dann mit einer Schießbewegung bedroht. Außerdem hätte er den Familienvater angeschrien: „Wenn du deine Frau betrügst, dann verprügele ich dich!“ In einer zweiten Sache ist er außerdem angeklagt, einen Polizeibeamten beleidigt zu haben.

Der Freitaler schnaubt und unterbricht immer wieder: „Das ist alles nicht wahr!“ Der Richter wird schließlich energisch und verbittet sich jeden weiteren Kommentar, bis er – das kommt nun als nächstes dran – festgestellt hat, das alle Rechtsmittel formal richtig und fristgerecht gelaufen sind. Jetzt erst gibt er dem Angeklagten das Wort, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er etwas zu der Sache sagen könne, aber nicht müsse. 

Kurz und bündig entgegnet Jürgen P.: „Ich muss immer. Ich lasse nicht nach.“ Was dann kommt, ist allerdings alles andere als kurz und bündig. Aus- und abschweifend spricht er davon, dass er nicht mitbekommen habe, dass da jemand eingezogen sei, dass am Briefkasten noch kein Name gestanden hätte und eine Frau W. daher diese Post entgegen genommen habe. Und er räsoniert über andere Geschichten, die allerdings nichts mit der Anklage zu tun haben.

Polizist als "rote Ratte" beschimpft

Die Nachbarin erklärt im Zeugenstand, dass der Angeklagte erst nett und freundlich gewesen sei, spätestens aber als er gesagt habe: „Deine Tochter ist auch meine Tochter,“ hätten sie sich versucht von ihm fernzuhalten. Er sei anzüglich geworden und hätte ihr sogar bei ihrer Arbeitsstelle aufgelauert. Dort habe er sie bedrängt. Ihr Leben sei nun sehr eingeschränkt, sie würden sich gar nicht mehr aus der Wohnung trauen, wenn er draußen wäre. 

An der Tür würde er pausenlos klingeln. Und nein, sie hätten Jürgen P. nicht ausdrücklich gesagt, dass er sie in Ruhe lassen solle. Sie hätten vielmehr versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Die Schießbewegung macht sie als Pistolenschuss mit der rechten Hand nach. Ihr Lebensgefährte erinnert sich allerdings an eine Bewegung, als würde der Angeklagte ein Gewehr laden und abdrücken.

Als dann ein Polizist im Zeugenstand zur Sache aussagt, kann sich der Angeklagte Deutsche dann wieder nicht mehr zurückhalten. Immer wieder beschimpft er den Beamten als "Strolch" und als "rote Ratte". Und immer wieder muss der Richter den Angeklagten zur Ordnung rufen, ihm mit einem Bußgeld drohen.

Der mit immerhin elf Einträgen vorbestrafte Angeklagte wird vom Richter schließlich zu einer Geldstrafe wegen Bedrohung und Beleidigung verurteilt. Jürgen P. muss insgesamt 1.125 Euro zahlen, aufgeschlüsselt auf 75 Tagessätze zu je 15 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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