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Gericht verhängt Höchststrafe

Zu Pfingsten 2014 hatte Rolf W. in Seifersbach seine Frau Katja erschossen. Dafür erhielt er eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Von Gabi Thieme

Jeden Tag werden in Deutschland Ehen geschieden. Auch die 39-jährige Katja W. wollte sich von ihrem Mann Rolf nach sieben Ehejahren und trotz der gemeinsamen vierjährigen Tochter trennen. Das einstmals so perfekte Glück der Kellnerin mit einem 14 Jahre älteren Mann hatte arg zu bröckeln begonnen.

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Am 10. Mai zog sie aus dem gemeinsamen Heim in Borken in Hessen aus und kam zunächst bei einer Freundin unter. Ihr Mann muss an diesem Abend schon ein ungutes Gefühl gehabt haben. Er hatte mit Freunden den Bundesligaabschluss feuchtfröhlich gefeiert. Für ihn brach beim Anblick der leeren Wohnung eine Welt zusammen, wie er vor Prozessbeginn einem psychiatrischen Gutachter sagte. „Rolf W. machte eine schwere depressiven Episode durch“, wie Jan Lange gestern sagte. Doch seine Frau blieb bei den Trennungsplänen. Noch vor Pfingsten zog sie in ihre Heimat, zu ihren Eltern nach Seifersbach im Landkreis Mittelsachsen.

Wie es Rolf K. weiter erging, darüber machte er auch dem Sachverständigen gegenüber nur lückenhafte Angaben, er habe kaum Erinnerungen. Fest steht laut Gericht, dass er am 6. Juni seiner Frau per SMS eine Drohung schickte, sie zu töten, die Tochter zur Vollwaise zu machen und sich selbst umzubringen. Tags darauf, am Pfingstsamstag, ging er zu einem Freund, um sich ein Gewehr zu besorgen. Er gab vor, einen Nager jagen zu müssen, der sich an seinem Auto zu schaffen mache. In Wirklichkeit absolviert er im Keller seines Hauses Schießübungen auf eine Matratze.

Nachbar fotografierte die Tat

Mit dem Gewehr fuhr der 53-Jährige schließlich am Pfingstmontag nach Sachsen, obwohl es ein von der Polizei verhängtes Kontaktverbot in Bezug auf die Ehefrau gab. Rolf W. betrat nach Überzeugung des Gerichts überfallartig mit vorgehaltener Waffe das Haus der Schwiegereltern, riss das Telefonkabel aus der Wand und trieb seine Frau fast schon wie Vieh auf die Wiese neben dem Haus. Zwölf Minuten dauerte das Martyrium, das sie erdulden musste – mit Beschimpfen, Drohen und Tritten – wie die Kammer gestern in der Urteilsbegründung feststellte.

Als Katja W. schließlich in Richtung des gerade eingetroffenen Polizeiautos laufen wollte, erschoss ihr Mann sie von hinten und vor den Augen ihrer Eltern. Sie verblutete innerhalb weniger Minuten. Ein auf der anderen Straßenseite wohnender Nachbar hatte mit seiner Spiegelreflexkamera das Geschehen fotografiert und lieferte so dem Gericht in 16 Bildern quasi einen lückenlosen Beweis des grausamen Tatablaufs.

An dem gab es bis zum gestrigen sechsten Prozesstag auch kaum Zweifel. Vielmehr stand die Frage im mit vielen Zuschauern gefüllten Raum, warum ein so geplantes, kaltblütiges Vorgehen nicht als Mord, sondern nur als Totschlag angeklagt war. Schließlich traf auch die Mutter, die ihrer Tochter helfen wollte, zuvor einer von zwei Schüssen. Und auch auf die eingetroffenen drei Polizeibeamten, deren Auto 80 Meter entfernt stand, wurden zwei Schüsse abgefeuert. Staatsanwalt Stephan Butzkies sprach in seinem emotionalen Plädoyer von einem „Füllhorn von Schrecklichkeiten“. Es sei für Eltern schon schlimm genug, ein Kind zu verlieren. „Noch schlimmer ist es, dabei zu sein und nicht helfen zu können.“ Er selbst sei bei einigen Schilderungen den Tränen nahe gewesen, sagte Butzkies. Dennoch sehe er keine Mordmerkmale im juristischen Sinne. Denn das Opfer Katja W. sei nicht arglos gewesen. Rolf W. habe im Vorfeld eine Vielzahl konkreter und handfester Drohungen ausgeübt, deshalb sei auch die Polizei mehrfach kontaktiert worden. „Sie musste davon ausgehen, dass Arges droht. Ein Mord aus Heimtücke ist dem Angeklagten nicht nachzuweisen.“

Genauso sah es das Gericht. „Es war eine Beziehungstat von besonderer Verwerflichkeit, denn der Mann hat die Frau erschossen, die einmal das größte Glück in seinem Leben war“, sagte Richterin Simone Herberger. Es sei auch ein langes, planvolles, egozentrisches Vorgehen gewesen. Aber Mordmerkmale könnten nicht festgestellt werden, „die Frau war nicht arglos.“ Vielmehr sah die Kammer in der Tat einen besonders schweren Fall des Totschlags. Der Angeklagte habe seine Plan in außergewöhnlich konsequenter Weise umgesetzt, über einen Zeitraum von mehr als 30 Stunden – ungeachtet der Anwesenheit der Tochter, der Schwiegereltern, von Nachbarn und Passanten. Die Schüsse auf die bis heute traumatisierten Polizisten wertete die Kammer nicht als versuchten Totschlag, sondern nur „als unvollendeten Versuch“, von dem Rolf W. schließlich abgelassen habe.

Nachhaltig waren die Worte von Nebenklage-Anwalt Oliver Minkley, der ausführte: „Ehen sind heute ein allgemeines Lebensrisiko. Aber sie sind kein Tötungsgrund.“ Rolf W. habe eine Schneise der Verwüstung in der gesamten Familie hinterlassen: durch eine tote Frau ein traumatisiertes elternloses Kind und gebrochene Schwiegereltern, die ihr Zuhause aufgeben mussten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (FP)

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