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Sparschwein eines Kindes ausgeraubt

Eine Putzfrau soll aus einem Privathaushalt Geld entwendet haben - mehr als 4.000 Euro. Dem Sohn der Familie fehlten 500 Euro. Jetzt steht die Frau vor Gericht.

Besonders gemein: Das Sparschwein eines Kindes wurde von Dieben geplündert.
Besonders gemein: Das Sparschwein eines Kindes wurde von Dieben geplündert. © dpa

Von Anne Schicht

Im Zeugenstand holt der Geschädigte weit aus. Der Ingenieur aus Grumbach erzählt zunächst vom Sparschwein seines Sohnes. Das habe der inzwischen Neunjährige zur Geburt bekommen, und es sei von ihm regelmäßig gefüttert worden. Im September 2018 sei es so voll gewesen, dass nicht mehr viel reinpasste. Der Vater schloss das Schwein auf, schüttelte die Münzen und Scheine heraus und zählte durch. Mehr als 500 Euro seien zusammengekommen. Die genaue Summe habe er auf einen kleinen Zettel geschrieben, die Scheine einzeln zusammen gerollt, damit wieder mehr Platz im Schwein war und alles – auch den Zettel – in das Schwein zurückgesteckt. 

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Als nächstes wollte er ein Konto für seinen Sohn eröffnen und die Summe dann einzahlen. Gesagt, getan. Aber als er sich das Schwein wieder vornahm, bemerkte er eine Manipulation am Schloss. Jemand hatte augenscheinlich das Schloss aufgeknackt. Als er das Geld rausschüttete, habe er feststellen müssen, dass einiges fehlte. Nun seien nur noch knapp 250 Euro im Schwein gewesen und auch der Zettel mit der genauen Summe habe gefehlt. Seine Frau wusste von nichts, auch sein Sohn beteuerte, unschuldig zu sein. Die Eltern beschlossen, die fehlende Summe vom eigenen Geld auszugleichen und zahlten 500 Euro auf das Konto ein. Eventuell hätte die Familie damit die Sache auf sich beruhen lassen.

Als nächstes jedoch habe es seine Frau erwischt. Sie ist Kassenwart des örtlichen Reitvereins. Schon seit vielen Jahren engagiert sie sich dort ehrenamtlich. Alle zwei Jahre steht eine Kassenprüfung an. Die war im Frühjahr 2019 wieder dran. Am Sonntag vor der Prüfung habe sich seine Frau die Unterlagen vorgenommen und das Geld in der Kasse ordnen wollen, damit das Zählen am nächsten Tag schneller gehen kann. Doch laut Kassenbuch fehlten knapp 4000 Euro. 

Die habe sie nun schnell aus ihrem eigenen Vermögen ersetzt. Erst nach der Kassenprüfung vertraute sich die Frau ihrem Mann an. „Wir haben hin- und herüberlegt und sind schließlich auf die Reinigungskräfte, die alle 14 Tage im Haus sind, gekommen. Doch wir wollten niemanden zu Unrecht verdächtigen“, so der Zeuge. Im Arbeitszimmer, in dem die Geldkassette im Schrank stand, installierten die Eheleute schließlich eine kleine Kamera. Eine Woche später rückten die beide Reinigungskräfte wieder an und das Video dokumentierte, dass eine der beiden Personen, den Schrank öffnete und mit dem Arm suchend darin herumfuhr.

Auffällig oft im Lotto gewonnen?

Die nun angeklagte Putzfrau leugnet nicht, dass sie auf dem Video zu sehen ist, sie könne sich aber nicht mehr erinnern, was sie im Schrank gewollt habe. Und sie streitet ab, dass sie Geld gestohlen hat. Bisher gab es nie Beanstandungen an ihrer Arbeit. Seit 1996 hat die Deutsche bei drei unterschiedlichen Reinigungsfirmen gearbeitet und der Wechsel habe immer nur stattgefunden, weil Arbeitsplätze abgebaut worden seien. 

Fingerabdrücke oder andere Spuren an der Kassette wiesen keine Übereinstimmungen mit der Angeklagten auf. Die Verteidigerin wies darauf hin, dass die Familie ihrer Mandantin in geordneten Verhältnissen lebe und über ein solides Einkommen verfüge. Regelmäßig spiele ihre Mandantin im Lotto und hin und wieder würde sie auch etwas gewinnen. Das bestätigte auch der Kollege der Angeklagten. Seiner Meinung nach hätte die 51-Jährige nur auffällig oft im Lotto gewonnen.

Der Richter ordnete nach der Beweisaufnahme das gemeinsame Ansehen des Videos an. Dafür waren aber keine Vorbereitungen getroffen worden und so musste ein weiterer Verhandlungstermin angesetzt werden. Da das in den nächsten drei Wochen nicht möglich ist, wird der Prozess unterbrochen und im Oktober neu aufgerollt. 

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