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Wenn die Pflegerin Senioren bestiehlt

Eine Mitarbeiterin bedient sich aus den Geldbörsen der Heimbewohner. Bis sie in eine Falle der Heimleitung tappt. Jetzt stand sie vor Gericht.

Ihr habe das Geld für die Stromrechnung gefehlt, sagte die Angeklagte vor Gericht. Deshalb habe sie gestohlen.
Ihr habe das Geld für die Stromrechnung gefehlt, sagte die Angeklagte vor Gericht. Deshalb habe sie gestohlen. © Monika Skolimowska/dpa

Unter Tränen entschuldigt sich die Pflegekraft bei ihrer Ex-Chefin: „Es tut mir wahnsinnig leid.“ Die 34-Jährige ist wegen Diebstahls und versuchten Diebstahls in insgesamt sieben Fällen angeklagt. Immer wieder soll sie den Heimbewohnern des Pflegeheims „Lindenhof“ in Tharandt mal kleinere, mal größere Geldbeträge aus deren Portemonnaies gestohlen haben. 

Einer der hochbetagten Geschädigten hat akribisch über seine Ausgaben Buch geführt und konnte daher sehr genau sagen, dass einmal drei Fünfzig-Euroscheine fehlten. Die Heimleiterin handelte. Zunächst legte sie Geldscheine aus und kontrollierte engmaschig, wann diese wegkamen. Der Verdacht fiel schließlich auf eine bis dahin zuverlässige und geachtete Mitarbeiterin. 

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In Absprache mit der Polizei wurde im Zimmer einer Seniorin eine kleine Kamera angebracht, die den Nachtischschrank im Blick hatte. So konnte dokumentiert werden, dass die Pflegekraft mehrfach in deren Brieftasche nachschaute.

Zu der Zeit war aber kein Geld in den Geldbörsen, sondern in danebenliegenden Briefumschlägen. Diese Geldscheine waren präpariert. Als die verdächtige schließlich nach einigen Tagen einmal 30 Euro und einmal 15 Euro aus den Umschlägen entnahm, rückte sofort die Polizei an. Die Pflegekraft sackte in sich zusammen und übergab ohne Widerstand die fluoreszierenden Scheine. Mit sofortiger Wirkung wurde sie entlassen.

Die Angeklagte zahlt während der Verhandlung das Geld zurück

Von Richterin Daniela Höllrich-Wirth im Amtsgericht Dippoldiswalde nach den Hintergründen befragt, erzählt die Angeklagte bei der Verhandlung am Mittwoch von unbezahlten Stromrechnungen über mehr als 1.000 Euro. Sie habe Angst gehabt, dass ihr irgendwann der Strom abgestellt werden würde. Bisher habe sie sich bei den alten Leuten oder deren Angehörigen weder entschuldigt noch das Geld zurückgegeben. Sie habe sich einfach nicht getraut, ins Pflegeheim zu gehen. 

Ob sie denn heute bereit wäre das Geld zu übergeben, wollte die Richterin wissen. Da die Angeklagte den Betrag nicht bar einstecken hatte, wurde die Verhandlung kurz unterbrochen, so konnte sie am Automaten das Geld holen und dann den als Zeugen geladenen Angehörigen überreichen. Jedes Mal entschuldigte sie sich unter Tränen.

Die Staatsanwältin honorierte das in ihrem Plädoyer. Die Angeklagte sei geständig und reuig, ihre Sozialprognose sei insgesamt positiv. Doch immerhin habe sie nicht nur einmal gestohlen, sondern in einer Vielzahl von Fällen. Sie habe das Vertrauen älterer schutzbedürftiger Menschen missbraucht. Noch dazu sei sie geplant vorgegangen. So habe sie sich immer nur einen Teil des Geldes genommen, damit der Diebstahl nicht auffällt.

Angeklagte muss zur Schuldnerberatung

Die Staatsanwältin plädierte für sieben Monate Freiheitsentzug auf Bewährung. Noch dazu soll sich die Angeklagte ob ihrer Schulden professionell beraten lassen und 200 Euro Strafe an einen gemeinnützigen Verein zahlen. Der Verteidiger stimmte dem in weiten Teilen zu, die Geldauflage sei aber unnötig.

Das sah auch die Richterin so. Sie verurteilte die Deutsche am Ende zu sieben Monaten auf Bewährung, stellte ihr eine Bewährungshelferin zur Seite und verordnete eine Schuldenberatung. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Heimleiterin glaubt den Entschuldigungen ihrer Ex-Mitarbeiterin und wendet sich direkt an sie: „Sie waren eine kompetente Mitarbeiterin. Gern hätte ich Ihren Vertrag von befristet auf unbefristet geändert. Wir hätten die ganze Sache auch anders lösen können.“

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