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Gerichtsprozess um einen gefällten Baum

Die Käferlinde zierte Riesas erstes Stadtwappen. Ihre Fällung rief die Justiz auf den Plan.

Als die Lutherlinde in Kaditz (Foto) in den 1880er-Jahren gepflanzt wurde, stand Riesas Käferlinde schon nicht mehr. Die Fällung des markanten Baumes sorgte damals für einen Aufschrei.
Als die Lutherlinde in Kaditz (Foto) in den 1880er-Jahren gepflanzt wurde, stand Riesas Käferlinde schon nicht mehr. Die Fällung des markanten Baumes sorgte damals für einen Aufschrei. © Archiv/Jürgen Lösel

Riesa. Wenn heutzutage ein Baum gefällt oder stark beschnitten wird, dann sorgt das häufig für Kritik. Vor fast 200 Jahren war das allerdings kaum anders, wie die heftige Debatte um die Fällung der Riesaer Käferlinde zeigt.

Dabei mag in jenem Fall die besondere Bedeutung des Baums eine Rolle gespielt haben: Nicht nur soll er von Vorfahren der Gutsherren-Familie von Welck gepflanzt worden sein. Ihre Größe und die exponierte Lage auf dem Hügel vor der Stadt machte die Riesaer Käferlinde schon von Weitem sichtbar – und 1832 schließlich zum Wahrzeichen. Die grüne Linde im silbernen Feld bildete das erste Wappen der Stadt. 

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Nach fünf Jahren im Wappen kam die Fälllung

Schon im 18. Jahrhundert gab es allerdings in Riesa offenbar den ersten Aufschrei, als 1773 der Bürger Johann Gottfried Kümmel den Baum „auf Stock setzen“ ließ, wie es in einem historischen Überblick zum Baum heißt. Die Linde stand offenbar auf oder nahe dem Gut des Riesaers. Kümmel habe sich damals einsichtig gezeigt und sei damals von der Gerichtsbarkeit dazu verpflichtet worden, „das Wachstum der Linde nicht mehr zu behindern“.

1837 – Johann Gottfried Kümmel war schon mehr als 20 Jahre lang tot – fällte sein Erbe den Baum – trotz des Versprechens seines Vaters. Die Käferlinde war Geschichte, nachdem sie nur fünf Jahre zuvor auf dem Wappen gelandet war. – Freiherr Curt Robert von Welck strengte daraufhin eine Klage gegen Kümmel an. 

Dieser habe sein Versprechen gebrochen – und müsse nun eine Strafe von fünf Talern bezahlen, sowie „an und auf die Stelle der abgehaunen Käfer-Linde einen anderen jungen und tüchtigen Lindenbaum durch einen Sachverständigen auf seine Kosten pflanzen, setzen, und so lange, bis er Wurzeln gefasst und man seine(s) Fortkommens sich vergewissert hat, pflegen zu lassen (...).“

Gericht weist Klage ab

Der auf diese Weise Beklagte allerdings sah die Sache anders – und sollte am Ende sein Recht bekommen. Das Gericht in Leipzig wies mit einem Schreiben vom 16. Oktober 1837 kurz und knapp die Klage des Riesaer Gutsbesitzers ab. Denn die Linde, so die Argumentation, gehöre dem Freiherrn von Welck nicht. 

Das Versprechen, das Kümmel Senior den von Welcks einst gegeben hatte, war offenbar rechtlich nicht bindend. So verschwand die Linde – 1859 schließlich auch vom historischen Wappen.

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Die geplante Neupflanzung bringt den Baum annähernd an den alten Standort zurück – auch, wenn vom Hügelcharakter des Gebietes nicht mehr viel übrig ist. Nach Recherchen der Fraktion Bürgerbewegung/Unabhängige Liste befand sich der originale Standort der Linde wohl im Bereich zwischen der Gaststätte „Holzwurm“ an der Goethestraße und der nordöstlichen Ecke der Förderschule an der Goethestraße gelegen haben. (SZ/stl)

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